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Ab hier ist nichts mehr unmöglich

Es gibt Momente, da ahnt man bereits nix Gutes. Wie heute im Büro. Es ist schon immer höchst verdächtig, wenn Kunden mit Rufnummernunterdrückung anrufen. Die haben sich was bei gedacht. Wenn also im Display keine Nummer steht, sondern nur #####, dann ist es denkbar, dass man gleich böse angemotzt oder jemand richtig ausfallend wird. Manches Mal hat man auch den Eindruck, Stiftung Warentest prüft die Beratungsqualität mit ganz besonders blöden Fragen.

Also seh ich die ##### und überlege ernsthaft, das Gespräch einfach nicht anzunehmen. Aber das Pflichtbewusstsein lässt mich den Hörer abnehmen.

Ich flöte also meinen Begrüßungsspruch und stelle mich auf ein schwieriges Gespräch ein. Doch es kommt zunächst keine Antwort. Statt dessen undefinierbares Geraschel.

Icke: hallo?

Typ: Jaaa….

(Oh Gott, der klingt irgendwie weinerlich. Hab ich vielleicht einen Anruf aus der Erbfallhotline erwischt?)

Icke: mit wem spreche ich denn?

Typ: Momeeent, icb suche noch die Unterlagen.

(Aha, doch nur ein unvorbereiteter Armleuchter)

Typ: warten Sie bitte?

Icke: natürlicb.

(Armleuchter sind deutlich angenehmer als Choleriker)

Derweil Geraschel und hin und wieder ein Schniefen

(oh hilfe! Der arme Mann weint tatsächlich!)

Ein Blick auf das Display sagt mir aber, dass der Anruf für die Wohnriester-Hotline ist

(Naja, es sterben auch Riester- Kunden, sicherlich kommt gleich eine herzzerreißende Geschichte…)

Typ: Sind sie noch dran, Frau MCL?

(Hä? Kenne ich den? Ach nee, hab mich ja mit Nachnamen gemeldet)

Icke: Ich bin noch dran.

Typ: Moment…

(wie blöd muss man sein, um
unvorbereitet irgendwo anzurufen? naja, vielleicht hat der arme Mann tatsächlich einen Schicksalsschlag erlitten…)

Typ: ich hab’s gleich

Rascheln, Atmen

Icke: wollen Sie vielleicht erst mal in Ruhe suchen und dann erneut anrufen?

Typ: nein… (schnief) bleiben Sie bitte dran. Haben Sie noch etwas Zeit?

Icke: in Ordnung.

(Gut, ich hab Zeit… mache ich
halt nebenbei Sachbearbeitung. Soll der Armleuchter halt suchen)

Knistern, Rascheln, Atmen

Mitterweile sind 2 (zwei!!!!) Minuten vergangen. Das wird mir jetzt doch zu blöd!

Icke: hören Sie mal, das kommt mir alles etwas seltsam vor. Suchen Sie mal in Ruhe, sammeln Sie sich und dann rufen Sie nochmal an. Okay???

Typ: Nein, ich möchte nur noch Ihre M**** l******?

Icke: WIE BITTE??????

(Der hat doch hoffentlich von Uschi und Ecken gesprochen???)

Stöhnen, Knistern

Typ wiederholt seine Bitte, und es reimt sich lediglich. Nicht verhört.

Icke: PERVERSES SCHWEIN!

Toll. Ich hatte ungefragten Telefonsex. Der erste bekannte Fall in der Firma seit Erfindung des Telefons. Es fühlt sich an, als wurde ich benutzt, missbraucht.

Nun ist alles möglich. Nichts mehr unvorstellbar.

Heute habe ich recht früh Feierabend gemacht.

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…und heute so?

Heute so:

Kollege steht bei mir und erläutert ein Problem. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass er sich aus unserer Telefonanlage nicht abgemeldet hat und im Nebenzimmer gerade sein Telefon klingelt. Da er nicht rangehen kann (sitzt ja gerade neben mir und rhabarbert…), verteilt die Telefonanlage das Gespräch nach 3x erfolglosen Klingelns an den nächsten freien Kollegen, der auch in der Telefonanlage angemeldet ist. Das bin ich.

Kollege bricht sein Rhabarbern also ab und entschwindet in sein Büro, nachdem ich mich dem Telefon zugewandt habe.

Derweil teilt mir die Anruferin mit, sie würde gerne meinen Kollegen sprechen – ob er denn noch erreichbar wäre? „Da haben Sie aber Glück, denn er war gerade noch in meinem Büro und daher weiß ich 100%ig, dass er noch da ist!“ sage ich noch frohen Mutes und stelle das Telefonat zurück auf seine Telefonnummer.

Leider erhielt mein Kollege in der Zeit einen Anruf und ich höre nur das Besetzt-Zeichen. Also schreibe ich ihm eine Notiz, dass er – nennen wir sie mal Frau Müller – bitte nochmal anrufen soll. Sie hatte ihrerseits eine Notiz vorgefunden, dass Sie sich bei meinem Kollegen melden soll und weiß daher gar nicht, worum es geht.

Kollege sieht meinen Notizzettel, sieht den Namen Müller und ruft sich seine Emails auf, um nochmal zu schauen, worum sich der Fall drehte und ruft den Absender – Herrn Müller – zurück.

Herr Müller ist allerdings nicht erreichbar, dafür hat er jetzt wieder den gleichen Kollegen an der Strippe, den er Vormittags darum gebeten hat, Hernn Müller eine Rückrufbitte zu hinterlassen. Auf die Bitte hin, Herrn Müller sprechen zu wollen sagt wiederum der Kollege von Herrn Müller, dieser wäre nicht erreichbar, da er in einem Kundentermin steckt.

Mein Kollege so: „Hä? Aber Herr Müller hat doch gerade um Rückruf gebeten?!?!“

Herr Müllers Kollege so: „Kann nicht sein – der berät schon seit einer Stunde!“

Darauf hin schaut sich mein Kollege meinen Notizzettel genauer an und sieht, dass Frau Müller um Rückruf bittet.

Also lässt er sich mit Frau Müller verbinden, die keine Ahnung hat, warum sie meinen Kollegen anrufen sollte.

Erst dann klärt sich auf, wer wen anrufen sollte und wie es zu dieser Verwechselung kam.

Mein Kollege hat zwar immer noch nicht Herrn Müller erreicht und die Frage ist immer noch offen, aber immerhin waren 4 Leute eine ganze Weile beschäftigt…..

 

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Wundersam

Seltsame Dinge passieren mitunter im Büro!

Eine Zeit lang wunderten wir uns, warum auf Klo das Toilettenpapier rollenweise verschwand, nun wurde ein anderes Betätigungsfeld entdeckt: Erste-Hilfe-Kästen!

Bei uns hängt auf jeder Etage in der Teeküche ein kleines Schränkchen mit Pflaster, Verbandsmaterial und was man halt so braucht, wenn man sich wieder einmal an einem Briefumschlag fast den Daumen abtrennt.

EIGENTLICH sollte über jede Verletzung Buch geführt werden. Es könnte ja sein, dass sich eine kleine Verletzung in eine richtig fiese Sache auswächst und dann ist es super, wenn man im Nachhinein beweisen kann, dass es sich um einen Betriebsunfall handelte. Die Berufsgenossenschaft reißt sich ja ein Bein aus, um einen geschundenen Angestellten wieder flugs an den Schreibtisch zurück zu zerren. Deshalb: Buch führen! Verletzung eintragen! Dem Ersthelfer/ Vertreter zum unterschreiben hinlegen!

Und natürlich wird in einer gewissenhaften Firma auch einmal jährlich überprüft, ob auch der Inhalt noch der Norm entspricht, alles noch steril ist oder etwas nachgefüllt werden muss. Denn hin und wieder werden beispielsweise Pflaster für eine privat erlaufene Blase am großen Zeh eingesetzt oder der eingerissene Fingernagel notdürftig geflickt. So Kleinigkeiten halt.

Heute hat die Zählung ergeben: es fehlen 10 Dreieckstücher.

Bei aller Kreativität: wozu benötigt man 10 Dreieckstücher? Ich kann mir selbst bei einem schwer vorstellen, wozu ich das in einem kaufmännischen Beruf öfters benötigen würde. Wohlgemerkt bei einem Arbeitsunfall. Ständig Ellenbogen stoßen am Kopierer? Arm eingeklemmt im Fahrstuhl? Wieder so blöd auf dem Schreibtisch eingeschlafen, dass das Taubheitsgefühl nicht aus den Extremitäten weichen wollte und man sich den Arm besser am Rumpf festzurrte?

Den kuriosesten Unfall im Büro hatten wir mal zur Weiberfassnacht, als eine Kollegin nicht nur den Schlips eines Kollegen durchschnitt, sondern ihm auch noch mit der Schere in die Hand piekste. Sie haben darauf verzichtet, damit beim Durchgangsarzt vorstellig zu werden.

Aber Verbandstücher???

Ach: die Tüten für abgetrennte Gliedmaßen fehlen auch komplett. Gut- damit könnte man zumindest famos Reste von Geburtstags- oder Urlaubslagen einsacken…Es gibt Kollegen, die regelmäßig nach einer geschmissenen Lage mit Taschen durch die Teeküchen ziehen und abgrasen. Und über Nacht verschwinden auch immer alle leckeren Kekse und es bleiben nur die staubigen übrig.

Trotzdem ist mir nicht klar, was man mit 10 Dreieckstüchern anfängt. Zusammennähen für ein großes Laken, weil sich unerwartet Besuch angekündigt hat? Oder bei Schmuddelwetter immer ein Dreickstuch nehmen, um die Autoscheiben sauber zu wischen?

Leider gibt es immer wieder Geheimnisse, denen man wohl nie auf die Spur kommen wird!

Los ihr Baumwollfetischisten und Lappen-Liebhaber: was habt ihr mit den Dreieckstüchern angestellt?

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Zwischenbericht

Der erste Versuch des Nachstrickens/ Nachhäkelns der hübschen Stulpen war eher mäßig. Aus Faulheit (vielleicht auch Sturheit oder Blödheit…) habe ich das Bündchen weiter gestrickt, obwohl ich ziemlich bald bemerkte, dass ich etwas zu viele Maschen auf den Nadeln hatte. Also auf eine Nadelstärke kleiner gewechselt anstatt alles wieder aufzuribbeln, den Folgefehler quasi weiter durch gezogen… Der fluffige Lace-Teil in Rosa fiel also auch zu weit aus und JETZT wird doch geribbelt *grummel*. Naja, Versuch mach kluch (klug für die Hochdeutschen…) oder so ähnlich!

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Den Häkelteil hatte ich auch schon angefangen, aber sofort wieder aufgetrennt (sogar noch vor dem Beweisfoto!). Die Wolle ist einfach viel zu dick für eine feine Häkelbordüre – dafür brauche ich definitiv eine leichtere Wolle, sonst sieht mir das zu klobig aus. Meine Wollkisten beherbergen irgendwo auch noch ein Knäuel in einem gleichen grau, welches wesentlich dünner ist.

Parallel dazu habe ich mir einen Häkel-Almanach in Buchform zugelegt. Auf Dauer nervte es extrem, für jede Handbewegung ein Tutorial im Netz aufzurufen, um mir die wichtigsten Häkel-Basics anzueignen. Tab auf den Knien, Wolle und Nadel in der Hand, Play-Taste mit der Nase drücken…. Nääääää. Lieber eine Seite aufschlagen statt immer zurück auf Anfang und nochmal das Video abspielen. Bei der Gelegenheit habe ich mir auch einen Satz Häkelnadeln gekauft. Ich besaß nur eine und meine Mom drei weitere, wobei einer Stärke identlsch war…. Zu wenig Auswahl für meinen Geschmack.

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Nächstes Projekt soll ein kleines gehäkeltes Tannenbäumchen werden Noch nüscht geschafft, aber schon plane ich das nächste Projekt! Das ist mal Optimismus in Reinkultur, nicht wahr?

Ich hab da mal was beispielhaft rausgeguuugelt:

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Was ich auch unbedingt noch machen muss: Sohnemann hat sich dieses Jahr eine Winterjacke ausgesucht, die auf den ersten Blick schön und schlicht aussieht. Auf den zweiten Blick und bei Dunkelheit ist er damit optisch leider völlig verschwunden – die Jacke besitzt nämlich keinen einzigen Reflektor. Schön dunkelgrün, dazu ne schwarze Jeans, Licht aus – weg ist das Kind. Kreuzgefährlich wie ich finde! Bei uns gibt es keine durchgängige Straßenbeleuchtung, nur an jeder Kreuzung steht eine Laterne. Gestern erst wieder zwei Fußgänger im allerletzten Moment entdeckt, weil sie neben Tarnklamotten und dunklem Regenschirm von weiten keinen einzigen optischen Hinweis auf ihre Existenz lieferten. Sohnemanns Jacke werde ich also mit aufbügelbaren Leuchtstreifen verkehrstauglich aufpimpen. Ist mir egal, was er aus modischer Sicht dazu meint.

Seit meinem Spontankauf einer neuen Sofalandschaft haben wir uns jedes Wochenende mit Renovierungsarbeiten ver…schönert. Lu, so sieht das neue Sofa übrigens aus:

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Die Zimmerdecken im Ess- und im Wohnzimmer sind gespachtelt, geschliffen und gestrichen. Der Sekretär ist ins Esszimmer gezogen, das Klavier ins Wohnzimmer. Der Fernseher sowie das Vertiko haben ihren Standort gewechselt und ich habe mich von gut 10 Blumenvasen getrennt und diversen Gläsern. Auch tonnenweise Kerzen sind aus den hinteren Schrankecken ans Tageslicht getreten, die wir nun in der dunklen Jahreszeit langsam und nach und nach verbrauchen werden. Eine hübsche Kerze, die bislang nur rumstand und Staub ansetzte haben wir jetzt in Dauerbenutzung. Irgendwie ist es doch sinnlos, die besonders schönen Dinge zu „schonen“ und aufzuheben. Die beste Zeit zum Benutzen besonderer Sachen ist hier und jetzt. Wer weiß, was morgen ist.

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Habt ihr auch hübsche Kerzen, die ihr nie anzündet? Und irgendwann wegwerft, weil sich der eigenen Geschmack ändert und man einfach nicht mehr Kerzen in Tierform oder wilden 80er Farben mag? Oder deren Staub sich nach Jahren des Rumstehens nicht rückstandsfrei entfernen lässt und der Docht dann ständig qualmt, pufft und zischt? Über die sich kein noch so toleranter Erbe mal freuen würde?

Beruflich ist auch immer etwas mehr Arbeit als Zeit am Ende des Tages übrig.

Gestern war ich zum zweiten Mal in Düsseldorf, um an einem Workshop teilzunehmen. Diese Termine flattern immer recht kurzfristig rein und werden dann meistens nochmal spontan verschoben, so dass ein frühzeitiges Buchen von Bahnfahrkarten nicht immer einfach ist. Bei der Entfernung ist dann auch eine Übernachtung in Düsseldorf unumgänglich, weil ich inclusive Fahrtzeit meine tägliche Arbeitszeit über das Maß strapaziere… Nun begab es sich allerdings gestern, dass Düsseldorf wegen irgendwelcher Messen über Gebühr beliebt war und die Hotelpreise täglich nach oben kletterten – das war schon Anfang letzter Woche in einem Bereich angesiedelt, den mir mein Chef nicht mehr bewilligen konnte. Also musste ich mich an Chefs Chef wenden und entweder um ein teures Hotelzimmer oder alternativ um die Bewilligung einer Flugreise betteln. Und siehe da: auch wenn der Flug ein wenig teurer war, durfte ich gestern quasi zur Arbeit das Flugzeug nehmen. Dafür bin ich heute früh auch schon wieder an meinem Schreibtisch und nicht am Frühstücksbuffet eines überteuerten Hotels…

Ein bisschen komisch ist das schon, wenn man morgens nicht ins Büro fährt, sondern zum Flughafen. Ich bin echt lange nicht mehr geflogen und wunderte mich schon mal darüber, dass man sich vorab online selbst einchecken konnte – mit Bordkarte zum selbst ausdrucken. Voll die Verlagerung der Arbeit auf die Passagiere! Am Check-In vor Ort saß folgerichtig auch nur noch eine Person. FRÜHER gab es drei besetzte Schalter plus einen Supervisor. Also 3 Stellen eingespart. Finde ich pauschal mal nicht gut. Immerhin wurde bis gestern noch nicht das berühmte rote Schoko-Herz wegrationalisiert

Sorry Herminchen, dass ich nicht Bescheid gesagt habe, dass ich in Düsseldorf bin. Ich hätte Dir nur ein Stündchen für einen Kaffee anbieten können und dafür wollte ich Dir Deine Anreise nicht zumuten.

Ansonsten habe ich eine Personalversammlung für alle Berliner Kollegen abgehalten. Fühlte sich auch etwas unwirklich an… sonst machten das immer die Kollegen und man saß nur dabei, setzte seinen intelligenten Gesichtsausdruck auf und hoffte, an den richtigen Stellen zu klatschen und zu nicken (nur nicht einzunicken!). Nun musste ich selbst Kollegen, Vorstand und sämtliche Würdenträger einladen, eine Rede schreiben und dann auch noch vor versammelter Mannschaft vortragen. NICHT HILFREICH waren Kolleginnen, die vorher sowas sagten, wie: „Herrjeeee, bist DU aufgeregt! Deine Hände zittern voll!“ Oder: „Lass Dich mal umarmen – oh, Dein Herz puckert wie wild!“ „Vergiss das Atmen nicht!“ oder gar: „Ist Dir schlecht? Du bist ganz blass!“. *Grummel*

Im Laufe der Veranstaltung habe ich offenbar meinen Autopilot-Knopf gefunden, meine Rede stolperfrei vorgetragen und später sogar noch vollautomatisiert geschafft, die Kaffeekanne (für die Gäste,, ich hatte genügend Puls) mit auf meine Etage zu tragen, auszuspülen und wieder in den Schrank zu stellen. Am nächsten Tag wusste ich das mit der Kaffeekanne tatsächlich nicht mehr und bedankte mich bei meiner Kollegin, dass sie daran gedacht hätte. Die hat mich vielleicht schräg angesehen! „Nein, dass warst doch Du selbst!“ Au backe. Ich bin zu jung für Demenz!

Jedenfalls waren alle zufrieden mit mir als Personalratsvorsitzende, die meisten Kollegen kamen gleich im Anschluss auf mich zu und überhäuften mich mit Lob, was sowohl Vortrag als auch Inhalt betraf, selbst der Vorstand fand lobende Worte und bescheinigte mir eine angenehme Stimmfarbe… mittendrin gab es sogar mal „Szenenapplaus“ an einer Stelle – DAS war höchst unerwartet!) und auch meine kritischste Kollegin von allen strahlte mich am nächsten Tag an und sagte mir, dass sie die Rede großartig fand. Ein Kollege fragte mich doch tatsächlich, ob ich viel daheim vor dem Spiegel geübt hätte (ich hab noch nicht mal ohne Spiegel geübt!) und eine Kollegin fragte mich, ob ich Berater an meiner Seite gehabt hätte – der Schenkelklopfer! Nö, nur mein gesunder Menschenverstand stand mir beratend zur Seite. Jedenfalls bin ich schwer beruhigt – jetzt kann mich nüscht mehr erschüttern.

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Wasserstandsmeldung

Herjeee…. ist das schon wieder lange her, seit dem ich das letzte Mal Zeit für ein Blog hatte! Irgendwie schaffe ich es zu Hause höchstens mal nachzuschauen, was mir Pinterest geschrieben hat.

Irgendwas ist immer. In den letzten zwei Wochen war ich jeweils Donnerstag und Freitag dienstlich unterwegs, so dass sich die Tage im Büro auf Montag bis Mittwoch eindampften und ich das Gefühl hatte, mir zerfließt die Zeit in den Händen.

Neben der normalen Arbeit musste ich mich in ein 235-seitiges Kozept einlesen, welches viele Fakten, eine ganze Menge Annahmen und den Unterhaltungswert einer toten Stubenfliege hatte. Der anschließende Termin, um das ganze Konzept mit allen Beteiligten durchzusprechen, wurde in Düsseldorf angesetzt. Bei einer Fahrtzeit von über 8 Stunden (hin und zurück) darf so ein Termin rein rechnerisch nicht länger als zweieinhalb Stunden dauern, um nicht unter Abzug einer halbstündigen Mittagspause die maximale Arbeitszeit von 10 Stunden zu toppen. Also musste ich einen Tag vorher anreisen und in Düsseldorf übernachten. Voll ungewohnt, als „kleine Sachbearbeiterin“ eigenständig ein Hotelzimmer rauszusuchen…

Lustiger Weise hat mich die Karten-App auf dem Handy vom Hauptbahnhof den gleichen Weg zu Fuß laufen lassen, den man auch bequem mit einem Schwerlasttransport hätte fahren können. Nach gut 20 Minuten zu Fuß mit Rollkoffer stellte ich am Hotel fest, dass der Hauptbahnhof nur eine Querstraße weiter ist… Es waren zum Glück auch nur 31 Grad und der Fußweg durchgängig in der Sonne…. *brech*

Düsseldorfs Altstadt ist sehr schön!

Punkt.

Den Rest … Tschuldigung. Irgendwie nicht mein Style, diese Nachkriegsbebauung.

Aber die Fußgängerampeln sind lustig. Warum haben die eine Gelb-Phase? Reicht Düsseldorfern Rot nicht aus? Würden die sonst immer bei Rot mitten auf der Kreuzung stehen bleiben? „Bei Rot darf ich nicht gehen. Ich bleib hier jetzt stehen. Basta.“ Oder wie muss man sich das vorstellen? Düsseldorfer anwesend? Kann mir das einer erklären?

In der Woche drauf war ich mit den Kollegen aus dem Personalrat auf einer Klausurtagung.

Sehr interessanter Dozent. Kommt nicht damit klar, dass sein Sohn sich ohne vorherige Zustimmung erdreistet hat, ihm zum Opa zu machen. OPA! Dieser Titel missfiel ihm sehr. Ihm hätte es völlig genügt, dass sich Sohn und Schwiegertochter einen Hund zulegen. Ansonsten war er astrein vorbereitet und hat uns mit einigen Beispielen, wie es so in anderen Firmen zugeht, schockiert. Hach, was geht’s uns doch noch verhältnismäßig gut!

Neben sehr wichtigen Dingen weiß ich jetzt, wer von den Kollegen auf Helene Fischer und Andrea Berg steht. Dass manche Kollegen gut mit einer Kombination aus Wein, Kurzen und Cocktails klar kommen. Andere nicht. Dass es Tanzlokale gibt, bei denen man sein Eintrittsgeld abtrinken kann oder muss, je nachdem… also gerüchtehalber. Meine schwere Schlagerallergie hat mir leider nicht erlaubt, mir die Bar von innen anzusehen. „Disco-Fox-Abend“ fand ich nicht sehr ansprechend. Liegt vielleicht auch daran, dass ich noch nicht mal Disko-Fox tanzen kann. Und es gibt Bahnhöfe mit nur einem Gleis. Dabei hatte ich mir vorher echt den Kopf zerbrochen, wie ich auf die andere Seite vom Bahnsteig komme – es gab schließlich nirgendswo eine Unterführung oder eine Brücke *hihi*

Und dann hatte ich doch tatsächlich meinen ersten „Fall“, bei dem mich ein Kollege um Rat bat – in meiner Eigenschaft als Vorsitzende des örtlichen Personalrates. Seit dem fühle ich mich auf dem Posten irgendwie angekommen. Jedenfalls gibt es zumindest nachweislich einen, der meiner Meinung vertraut.Gutes Gefühl!

Als nächstes muss ich Einladungen für die Personalversammlung versenden und *kreisch* die Rede dafür schreiben! Mieses Gefühl!!!

Im Oktober stehen noch 2 Dienstreisen an – dieses Mal aber nur für jeweils einen Tag.

Ach ja: der erste Elternabend in Sohnemanns neuer Klasse ist auch überstanden. Es haben sich tatsächlich 3 Eltern gemeldet, die den Job als Elternvertreter haben wollten. YEAH! Da hab ich mich mal ganz gepflegt zurückgehalten.

In ein kleines Fettnäpfchen bin ich auch noch getreten… Die Eltern saßen quasi auf dem Platz des Nachwuchses in der Klasse, da aber hin und wieder beide Elternteile anwesend waren, mussten noch weitere Stühle her. Da Sohnemann ganz hinten sitzt, hätte ich also einen Stuhl über alle Köpfe hinweg nach hinten tragen müssen… Da noch neben einem Papa in der letzten Reihe ein Stuhl stand, fragte ich diesen, ob ich den haben könne… nein. Den brauchte er selbst, weil er auf einen Stuhl nicht raufpasste. Ups. Hatte übersehen, dass die hälfte der linken Pobacke darauf ruhte…

Dafür hat er meine Stimme als Elternvertreter bekommen. Das dürfte mein angeschlagenes Karma wieder ausgeglichen haben 😉

Da Sohnemann ja jetzt zu den „Großen“ gehört, hat er sich entschlossen, dass er jetzt doch nicht mehr in seinem Dschungelzimmer-Hochbett schlafen möchte. Also musste ein neues Bett her. Ein paar Tage in Möbelhäusern gingen dabei drauf, aber seit gestern steht das zukunftstaugliche Stauraumbett mit 140×200 cm im Jugendzimmer-Style Somoma-Eiche mit weißen Akzenten. Habe schon probegelegen und für gut befunden. Endlich ein ausweichquartier, falls Lieblingskerl nachts Bäume zersägt. Jetzt fällt natürlich auf, dass die Tapete hinterm alten Bett ziemlich angegrabbelt ist und dringend mal gestrichen werden muss. Und dass irgendjemand aus Vereinfachungsgründen hinterm Bett die Fußleisten einfach weggelassen hat *vormichhinpfeif* Hier ist also noch Verbessungspotential vorhanden!

Außerdem könnte der Flur auch mal wieder renoviert werden. Im Treppenhaus habe ich so eine Vorstellung einer Tapete mit Birkenstamm-Motiv… Allerdings gefällt mir nicht das gängige Angebot. Fototapete fällt aus, weil dort standardmäßig nur Zimmerhöhe angeboten wird, ich an der Treppe aber doppelte Höhe benötige. Und die Tapeten von der Rolle haben auch immer irgendeinen Haken. Entweder tolle Birkenstämme, aber der Hintergrund ist nicht schön. Oder es wirkt auf der Fläche nicht. Oder es passt fast und der Preis zieht einem die Schuhe aus. Im schwedischen Baumarkt hatte ich die perfekte Tapete n der Hand… und fand das irgendwie doof, mir im Urlaub Tapete zu kaufen. Jetzt bin ich schon am überlegen, ob ich mir Birkenstämme an die Wand male. Dann hat man auch nicht diese Wiederholung des ewig gleichen Motives von der Tapetenrolle. Ich bin selbst gespannt, ob ich das durchziehe oder doch nur ne schöne weiße Tapete ranklatsche.

Ach, und ganz unverhofft haben wir einen neuen Tisch für die Terrasse gefunden, obwohl wir gar keinen gesucht haben. Sachen gibt’s!! Aber -siehe oben – wenn man die Gelenheit ungenutzt an sich vorbeiziehen lässt, sucht man später ewig, um etwas vergleichbares zu finden. und dann noch auf die Hölfte reduziert… hallooooo??? Die Füße waren ganz schön abgewetzt, insgesamt etwas altersschwach und wackelig geworden und auch immer etwas zu klein, wurde nach 17 Jahren Modell Ikea durch einen zweifach ausziehbaren Traum in Akazie ersetzt.Herrlich! Leider mussten wir uns entscheiden, ob wir den Tisch mit Auto nach Hause transportieren oder Sohnemann mitnehmen…  und haben diesen kurzfristig auf dem Baumarktparkplatz ausgesetzt. Im Schatten. Mit einer Flasche Wasser. Und meinem Handy (seines machte ja ohne ihm noch etwas länger Urlaub). Aber zum Glück hatte Oma gerade Zeit und konnte den Nachwuchs einsammeln fahren! Gut, dass sie immer zur Stelle ist.

Sohnemanns Handy wurde ihm übrigens nach fast 4 Wochen, nachdem er es im Reisebus seiner Angelreise vergessen hatte, endlich zugeschickt. Dafür musste ich den Betreuer, der die Zusendung anbat, quasi täglich per WA terrorisieren. Noch unglaublicher war, dass Sohnemann die lange Zeit ohne Handy überhaupt überlebt hat! In der Zwischenzeit sind dort übrigens 1536 Nachrichten aufgelaufen. Er hat entschieden, nicht alle nachzulesen…

 

 

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Herjeeemineee

Au backe.

Wir sind im Büro 19 Kollegen. Davon sind 6 krank und eine hat ihren freien Tag. Einer arbeitet 2 Stunden im Hamburger Modell. 3 der anwesenden Kolleginnen arbeiten nur halbtags (insgesamt haben 7 Kollegen eine verkürzte Arbeitszeit).

Gestern sah es noch schlechter aus. Da war eine weitere Kollegin krank und eine zweite hatte noch Urlaub. Heute waren wir also schon viiiiel besser besetzt.

In meinem unmittelbaren Aufgabenbereich sind wir 4 Kolleginnen. Eine Kollegin arbeitet nur 6 Stunden am Tag, eine nur an 4 Tagen die Woche. Aber sie ist gerade krank.

Im etwas weiter gefassten Arbeitsbereich gibt es noch 2 Kollegen, die beide gerade mit Rüsselseuche im Bett weilen.

Aktuell bearbeite ich gerade Listen aus meinem Bereich und vertretungsweise auch die Listen der beiden erkrankten Kollegen, die mir nicht gerade locker von der Hand gehen, da ich eine davon noch nie bearbeitet habe. Mein Kollege war noch so nett, mir auf den letzten Pfiff eine Mail zu schreiben und mir seine Liste überzubraten, ohne mit einem Wort zu erwähnen, was ich damit machen muss. Ist nicht schlimm; kann ich mir ja selbst was zu überlegen.

Bei der anderen Liste ist mir aufgefallen, dass ich die ganz anders bearbeiten würde, als mir eine Kollegin es riet. Offensichtlich sind dort Bearbeitungshinweise notiert, die null zutreffen. Meine Kolleginnen versenden sonst immer fleißig Erinnerungsschreiben, obwohl uns eigentlich mitgeteilt wurde, dass die Adresse des Kunden nicht mehr richtig ist und keine neue bekannt ist. Aber das haben die beiden noch nicht bemerkt. Ich ändere die Anschrift auf „unbekannt“ und fertig.

Selbstverständlich versuche ich auch, meine normal Post zu bearbeiten. Und nebenbei die telefonische Erreichbarkeit unseres Teams zu gewährleisten. So sind wir als Team verpflichtet, bis 18:00 ans Telefon zu gehen. Dafür muss man sich einen Tag in der Woche quasi verpflichten, bis abends Telefondienst zu schieben. Den hatte ich heute. Gestern war ich übrigens auch ab 16:00 alleine. Fällt aber keinem auf – war ja keiner mehr da. Statt dessen waren 3 Leute für Montag in der Telefonliste eingetragen. Es hat ja keiner gesagt, dass man sich das sinnvoll aufteilen sollte. Und überhaupt: Definiere sinnvoll!

Heute habe ich mir den Spaß mal richtig zu Gemüte geführt. Wenn ich die Mittagspause rausnehme und die Phasen, in denen ich wegen intensiver Listenbearbeitung mal das Telefon irgnorieren musste, hatte ich 40 Anrufe in 6 Stunden. Also alle 9 Minuten einen anderen Menschen am Telefon. Im Mittel rede ich mit jedem Anrufer 3 Minuten, also bleibt mir für normale Sachbearbeitung jeweils 6 Minuten zwischen dem Klingeln.

Meistens brauche ich einen guten Moment, um mich zu erinnern, woran ich vor dem Telefonat gearbeitet habe.

Mein Hirn fühlt sich an wie Matsch. Daher gab es heute folgende Situationen:

  • einmal musste ich einen Anrufer unterbrechen und ihm gestehen, dass ich ihm gerade inhaltlich nicht folgen konnte und er sein Anliegen doch bitte wiederholen möge
  • einmal hatte ich keinen Platz mehr auf meinem Notizzettel und unterbrach mit dem Hinweis, dass ich mir erst ein freies Blatt greifen müsste, eh ich die Kontonummer notieren kann
  • in der Mittagspause habe ich mir beim Italiener einen Latte Macchiato über das Shirt und die Jeans gekippt – danach bin ich ohne Umwege in mein Zimmer zurückgekehr und einfach mit Headset im Ohr am Schreibtisch sitzen geblieben – die Flecken sind keinem aufgefallen
  • auf die Frage hin, ob eine gewisse Sonderregelung auch morgen noch Bestand hätte, habe ich geantwortet: „Haha – das kann man nie so genau sagen!“ und dann noch hinzugefügt, dass ich es aber den Wunsch in meinem Nachtgebet einbauen werde
  • einem Anrufer habe ich gefragt, ob er vom Mond aus anruft – es gab da so ein sphärisches Rauschen. Der nahm es aber mit Humor und sagte am Ende des Gesprächs, er würde mir vom Mond aus einen schönen Feierabend wünschen

Und jetzt fällt mir auf, dass da noch nicht mal Telefonate mit dabei waren, dei mir Kollegen weitergeleitet haben. Und das waren mindestens noch 15 weitere Telefonate….

Oh weh, jetzt klinge ich doch ein bisschen weinerlich. Entschuldigt.

Falls meine Mädels also bemängeln, ich würde sie ja gar nicht mehr abends anrufen, liegt das daran, dass ich einfach keine Worte mehr übrig habe.

 

 

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Visionär

Unlängst hatten wir im Büro Besuch vom Chef meiner Chefin – dem Chefchef sozusagen. Wir unterhielten uns ein wenig über Silvester als er plötzlich innehielt, mich schief ansah und fragte: „Sagen Sie mal – waren Sie beim Frisör? Sie haben doch eine neue Frisur, oder?“

Nein, war ich nicht. Allerdings hatte ich ernsthaft überlegt, dass ich mal wieder zum Spitzenschneiden gehen könnte. Das nenne ich mal vorausschauend!