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Diät einer nachgiebigen Idiotin

Hallo. Ich bin’s. Schön ruhig hier. Keiner liest mehr mit. Ist ja auch kein Wunder, so verwaist der Blog in letzter Zeit ist.

Na, wenn ich hier mal so alleine bin, dann kann ich ja mal was ausplaudern.

Die besten Diäten sind ja die, die problemlos laufen und sich wunderbar im Alltag integrieren lassen. So passierte mir es unlängst, dass ich plötzlich ganz offline irgendwie in eine Blog-Diät geschlittert bin. Zunächst einmal sogar, ohne es zu bemerken. Dann kam sogar über Whattsapp Nachfragen über mein wertes Befinden (Danke, Torenia!). Erst da fiel mir auf, dass ich eigentlich mal wieder bloggen könnte. Oder zumindest mal wieder was lesen…

Eine Internet-Diät war gar nicht geplant. Hat funktioniert ohne Entzug und Schmacht. Ist aber gar nicht das, was ich wollte.

Im Januar lag ich lange Zeit mit meinen guten Freunden, den Nasennebenhöhlen, in der Ecke und habe gelitten. Autschn. Da kommt man freiwillig nicht auf die Idee, sich auch noch den Kopf mit Computerzeux vollzustopfen – da war eh schon alles besetzt. Nach mir legte der Sohnemann krankheitstechnisch voll los.

Und dann gab es noch ein paar Interessenskonflikte zwischen dem, wie er gerne seinen Tag gestalten möchte und das, was sich seine Klassenlehrerin unter einem erfüllten Schultag vorstellt. Da gibt es klare Differenzen. Leider fehlt es Sohnemann an der Fähigkeit, das ursächliche Problem in Worte zu fassen. Wenn er was sagt, dann irgendwas in der Richtung von „keine Ahnung!“ und „weiß nicht…“. Die langen Mails der Lehrerin und die noch längeren Telefonate waren da deutlich aussagekräftiger. Jetzt läuft eine Testreihe aus Versuch und Irrtum. Parallel habe ich eine Mutter-Kind-Kur beantragt. Ich brauche zur Ursachenforschung mehr Zeit, als mir zwischen Volltagsjob, Haus, Garten, Kerl und Kartoffelschälen zur Verfügung steht. Daumen dürfen gedrückt werden!

Irgendwie habe ich auch Diät von meiner Diät. Aber da die eh nicht problemlos und selbsttätig funktioniert und auch kein Hoffen hilft und das erwartete Wunder komischer Weise nicht eintritt… Naja.

Darüber hinaus habe ich in letzter Zeit auch eine nicht zu ignorierende Allergie gegen Mitmenschen entwickelt. Ziemlich unpraktisch, wenn man in einem sozialen Gefüge lebt. Und auch beruflich Telefondienst schiebt und – falls man gerade mal aus Versehen telefonieren muss – mit Rückrufvereinbarungen überhäuft wird. Blöd, dass man während eines Anrufes nicht mit dem anderen Ohr ein zweites Gespräch führen kann. Und dafür einfach die andere Gehirnhälfte nutzen kann.

Heute beispielsweise wollte ich aus einer Parklücke rausfahren. Da aber ein Mitmensch auf eben diese Parklücke spekulierte und sich dafür so taktisch klug positioniert hat, dass ihm keiner den Parkplatz wegschnappen konnte, kam ich aus der Parklücke gar nicht raus. Das war ihm und seinem Ego irgendwie entgangen. Vollpfosten!

Morgen helfe ich in der Schule bei der Annahme von Altpapier. Das ist so eine Aktion, bei der ein Recyclingunternehmen das Papier ankauft und der Erlös sowohl der ganzen Schule als auch den einzelnen Klassenkassen zugute kommt. Problem an der Sache: keiner hat Bock auf den Job. Es ist kalt, es pieselt, dicke Winterjacken und Mützen ruinieren den Look aufs übelste… also steht wieder der nachgiebigste Idiot an der blauen Tonne. Icke. Noch blöder wäre allerdings, die Aktion einzustampfen. Da kommen einige Tausend Euro zusammen!

Gestern hatte die Klassenlehrerin Geburtstag. Damit Geschenke an Lehrer als nette Geste und nicht als Bestechung gewertet werden dürfen, darf der Blumentopf nicht mehr als 10,00 EUR kosten. Darauf hat die Lehrerin in einer Mail an alle Eltern hingewiesen, gleichzeitig aber auch deutlich mit dem Scheunentor gewunken, dass sie sich eh viel mehr über kleine Basteleien der Kinder freuen würde. Also habe ich (der nachgiebigste Idiot) ein 9,99 EUR-Töpfchen käuflich erworben und parallel eine Erinnerungsmail an alle Eltern versandt. Kann ja sein, dass manche (die mit dem Brett vor dem Kopf) den Wink übersehen haben. Ergebnis: das Kind von der nachgiebigsten Idiotin stand als einziges mit einer selbst gebastelten Geburtstagskarte vorne. Kam sich dabei natürlich auch wie ein Idiot vor (muss angeboren sein)  –aber: die Lehrerin hat sich voll gefreut. Tschakka.

Ich überlege, eine Abmeldefunktion von den Informationsmails der Elternvertreter einzurichten. Wollt ihr kurz mal Raten, wer sowohl diesen lästigen Posten inne hat als auch die Klassenkasse schaukelt? Ich bin soooo blööööde….

So, jetzt muss ich mal ein wenig den Kopf gegen die Tischkante schlagen gehen. Und den Laptop ans Stromnetz hängen. Und mal bei einem Telefonunternehmen mit nem „V“ vorne nachfragen, warum die a.) den Auftrag meiner Mom aus Oktober verschlampt haben und b.) den aus November ignoriert haben und c.) die telefonische Nachfrage aus Dezember vermutlich vom Hund gefressen wurde.

Sie lasen einen mauligen Beitrag von Martina Carmen Luise alias „der neue Grinch“ und sind jetzt bestens informiert. Oder?

ODER????

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