Fast ein Fahrrad im Fakeshop gekauft

Ich werde alt. Früher fand ich Partnerlook total spießig und lächerlich, doch plötzlich wollte ich ein Fahrrad pasend zu dem vom Lieblingskerl. Schieben wir es auf das Alter.

Lieblingskerl hat sich vor 2 Jahren sein erstes eigenes Fahrrad gekauft. Davor fuhr er das aussortierte seines Vaters, aber damit war er bei Radtouren immer der letzte und jammerte nach wenigen Kilometern wie ein verzogenes Muttersöhnchen (sorry Schatz!).

Mein Rad war zu diesem Zeitpunkt zwar uralt und fuhr mit mir schon zur Schule, aber es war trotzdem schnell und zuverlässig. Bis sich der Sohnemanm öfters mein Rad ausbirgen musste, weil ihm schon 3 oder 4 Räder geklaut wurden. Seit dem ging es bergab mit der Fitness meines Drahtesels, erst eine leicht nach innen gebogene Tretkurbel (oder wie die Dinger heißen, an denen die Pedale geschraubt sind), dann ne leichte Acht im Vorderrad und schlussendlich ein Bremszug, der immer aus der Bremse raushüpfte. Da wollte ich dann doch mal was Neues.

Zuerst liebäugelte ich mit einem klappbaren Fatbike mit E-Antrieb, wollte allerdings dem Lieblingskerl nicht winkend davonbrausen und bei der nächsten Pause lächelnd fragen, warum er so nach Luft japst, das fand ich irgendwie unfair, aber auch lustig. Hihi.

Und dann kam da die fixe Idee mit dem Partnerlook. Also habe ich das Internet befragt. Das warf mit das aktuelle Modell aus in den Trendfarben mattgrau und feuerrot. Ähm. Neee! Rot ist einfach nicht meine Farbe und mattgrau eher für GI Joe oder für nen Harleyfahrer. Aber das Vorjahresmodell ist in schwarz und einem sehr schönen hellblauen Metallicton erhältlich. Ohhh, das gefällt mir. Das Rad vom Lieblingskerl ist übrigens Petrolblau. Wie überaus harmonisch wäre das denn? Außerdem kostet das 2021er Modell gut 150 Euro weniger als das aktuelle. So gefällt mir das.

Los geht’s! Laden 1 hat nur das Bild drin, lieferbar ist das Rad nicht. Bei Laden 2 ist es genau so teuer wie die 2022er Baureihe. Nö, so nicht! Laden 3 hat es zu einem nochmal günstigeren Preis. Supi! Aber irgendwas fühlte sich da komisch an. Der Laden sagte mir nix. Irgendwann verlor ich die Lust und habe das Vorhaben erstmal auf den nächsten Abend vertagt.

Und dann fand ich den günstigsten Anbieter nicht mehr. Nur der Name war irgendwas Lautmalerisches… Wrooom oder so… da fand ich aber nur Kinderfahrräder. Also weiter gegooglet…. dabei fand ich noch eine Seite, bei der lokale Händler ihre Ware feilbieten konnten. Ein hellblaues Rad stand in Bremerhaven, eines in Castrop-Rauxel und noch irgendwo am Arsch der Heide. Aber egal, ich habe sie alle nacheinander angerufen. Von der Nordseeküste erfuhr ich, dass das Rad seit gestern reserviert war. Das Ruhrgebiet bestand auf persönliche Abholung, ich auf Versand, so wurde daraus auch nichts. Beim dritten war das Rad dann plötzlich weg.

Also habe ich es dann doch beim teuersten Händler bestellt. Sogar die extra Versandkosten von 50 Euro habe ich fluchend akzeptiert. Und auch gleich per Paypal bezahlt. Am nächsten Morgen kam dann der Anruf. Es gäbe einen Fehlbestand. Aha?! So nennt man also Fehler auf Neudeutsch. Das hellblaue wäre schon weg. Ob ich auch das Schwarze nehmen würde…? Och nee danke, das bekomme ich überall zu einem wesentlich hesseren Preis. Na gut, dann wird die ganze Bestellung storniert und ich erhalte das Geld zurück. Das klappte auch.

Jetzt blieb mir nur noch der eine Laden, den ich erst auf einer Seite „weiter hinten“ in der Suchmaschine wiederfand. Na siehste; keine Versandkosten und gut 300 Euro günstiger als der teure Laden. Da hätte ich schon was merken können…

Also erstmal beim Newsletter anmelden, um noch 10 Euro Neukundenrabatt mitzunehmen. E-Mail kam auch, aber ein Gutscheincode war nicht dabei. Merkwürdig, aber vielleicht kommt da noch später eine Extra-Mail. Tat es aber nicht.

Dann hing ich bei der Kreditkartenzahlung. Irgenwie klappte es nicht mit der Bezahlung: es wurde immer ein merwürdiger Fehlercode angegeben. Aber da ich kurz zuvor mal die 3 Ziffern bei einer Bezahlung falsch abgetippt hatte, konnte ich mir den Fehler selbst erklären. Also rief ich beim Kartenunternehmen an und ließ die Karte freischalten. Trotzdem trat der Fehler bei der Kartenzahlung erneut auf. Alternativ konnte man noch per Vorkasse bezahlen…

Moooment!

Vorkasse als einzige Bezahlungsmöglichkeit…. ? Da war doch was.

Und dann siegte das Misstrauen. Also habe ich die Firma mal einer näheren Überprüfung unterzogen:

Adresse: die Straße gibt es, sieht auf Google Streetview aus wie ein Gewerbegebiet. Aber nirgendwo ein Schild mit dem Firmennamen oder Fahrradbildchen an den Gebäuden. Die Hausnummer mit dem Zusatz „A“ gibt es nicht.

Die beiden Geschäftsführer stehen in keinem Telefonbuch der Welt.

Die Umsatzsteuernummer steht in keinem Register.

Oh, das war knapp! Fast wäre ich wegen diesem Partnerlook-Spleen und ner geilen Farbe auf einen Fakeshop reingefallen!

Es lohnt sich wirklich, unbekannte Seiten näher anzusehen, ins Impressum zu schauen und spätestens bei einziger Zahlungsart Vorkasse bzw. Sofortüberweisung stutzig zu werden. Fehlende Bewertungen sind ebenfalls ein Warnsignal!

Dann war ich noch etwas auf Fakeshopjagd und habe noch einen zweiten gefunden, anschließend beide bei einem Verbraucherschutzportal gemeldet. Bei der Gelegenheit habe ich auch Listen gefunden, in denen Fakeshops notiert sind. Leute, die Liste hörte gar nicht mehr auf! Sobald die Dinger auffliegen, basteln die Typen flugs ne neue Seite.

Also: Augen auf beim Onlineshopping, auch wenn das Angebot noch so verlockend und die Farbe soooo schön ist.

Mein Rad ist jetzt übrigens mattgrau und ich sehr glücklich.

9 Gedanken zu “Fast ein Fahrrad im Fakeshop gekauft

  1. Wow. Puh. Glück gehabt. So ein Teilchen ist ja nicht gerade billig…

    Ich wäre wohl auch so ein Kandidat für „Blauäugigkeit“. Aber jetzt bin ich gewarnt… mal sehen, ob es eine Weile anhält…

  2. Ja, wir wollen Fotos sehen! 🙂 Gut, dass Du noch mal die Kurve gekriegt hast. Ich bin bei größeren Investitionen tatsächlich ein großer Freund des lokalen Fachhandels. Ich muss gestehen, ich könnte mir gar nicht vorstellen, ein Fahrrad online zu kaufen, ich würde es vorher probe fahren wollen. Leider hat der Radhändler um die Ecke zugemacht. Der hatte aber schon kaum noch Räder da, war aber 1 a für Reparaturen. Aber es gibt noch ein paar Atlernatien.

    • Stimmt, Händler vor Ort muss man unterstützen und ich bin ein buy-local-Fan und habe vorab nachgefragt, aber das Modell war leider nicht vorrätig bzw. nicht im Sortimemt. Ich habe übrigens schon Autos ohne Probefahrt bestellt 🙂

  3. Uiuiui, das nenne ich wahrlich Glück gehabt. Die vermeintlichen Angebote sind so verführerisch und das schaltet der gesunde Menschenverstand sicherlich öfter mal aus, als es den Leuten recht ist. Gut, dass irgendwo im Hinterstübchen noch eine Warnmeldung bei dir aufblitzte. Gut gemacht!
    Mattgrau und glücklich klingen nach einem sehr guten und versöhnlichen Abschluss.
    Ich wünsche dir viele schöne Radeltouren mit tollen Erlebnissen. ♥
    LG Anita

  4. PS. Die Sache mit dem Partnerlook finde ich auch sehr befremdlich und doch haben mein Mann und ich tatsächlich Fahrräder der gleichen Marke/Machart, zum Glück jedoch in unterschiedlichen Farben und eine Herren-/Damenvariante. Dennoch… Auch unsere ersten E-Bikes waren vom gleichen Hersteller, ich bin froh, dass mein Mann sich im letzten Sommer ein neues E-Bike gekauft hat und diese sich nun wieder sichtbar unterscheiden. Ich schaudere ein wenig bei der Vorstellung von gleichen Wanderjacken… 😉

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