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Das Fahrrad-Ding

Statt Konfirmation oder Jugendweihe gab es für Sohnemann im entsprechenden Alter nach meinem höchst eigenen Gleichbehandlungsgrundsatz ein Fahrrad als Geschenk zum Ausgleich für alle nicht erhaltenen Geschenke mangels Glauben oder Ideologie. Kann er ja auch nichts dafür, dass ich mit beidem nichts anfangen kann und er das von mir geerbt hat.

Da das Rad schon was „Gutes“ war, gab es dazu noch ein ebenfalls hochwertiges Fahrradschloss. Und was man da halt noch so ranbammeln kann, eine stylische Klingel und ein schickes Beleuchtungsset beispielsweise.

Da Sohnemann aber auch leicht verpeilt unterwegs ist und Dinge lieber intensiv benutzt statt sie zu schonen, wurden Klingel, Beleuchtung, Mäntel, Schläuche, Griffe, Pedalen und das Tretlager bereits erneuert. Mehrfach.

Mein Fahrrad, mit dem ich Ende der 80er noch zur Schule fuhr, ist immer noch tippitoppi, aber wir teilen ja auch nur 50% der Gene!

Das Tretlager gab es natürlich nicht mehr genau so im Handel, die Vielzahl an Tretlagern im Netz hat uns schlichtweg überfordert und nach einem Internet-Fehlkauf hat der hiesige Fahradschrauber irgendwas Passendes da reingefrickelt. Im Ergebnis fiel nach 2 Stunden Betrieb immer eine Pedale ab. Nicht schön, aber so ist das mit den günstigen Ersatzteilen! Hätte er doch mal das Rad geschont und nicht immer Stunts auf dem Hinterrad vollführt, bei meinem Rad hat sich in seinen über 30 Jahren schließlich auch noch nichts am Tretlager abgenutzt *mecker*. Ich fand den erzieherischen Aspekt dieser Fehlfunktion eigentlich ganz entzückend 😁.

Es begab sich aber zu der (Corona-)Zeit, als sich alle Freunde nur noch draußen am Kanal oder am See trafen, dass dort ganze Horden Outdoorpartys feierten. Und Sohnemann sich dachte, ach, das Fahrrad nehme ich Mal nicht mit in die Menschenmenge, sondern lasse es Mal lieber an der Straßenecke. Selbstverständlich ordnungsgemäß angekettet am Level-9-Faltschloss. Als er zurūck kam, war es weg.

Und damit die liebe Frau Mama nicht gleich völlig ausklinkt, hat er die Polizei angerufen und eine Anzeige erstattet, damit er mir beweisen kann, dass das Rad tatsächlich geklaut wurde und er sich gekümmert hat. Als er dann um halb 3 zu Fuß daheim angeschlichen kam und über den Diebstahl des Rades berichtete (ich war gerade im Netflix-Serienrausch…) und zum Schluss noch anmerkte, die hinzugezogenen Gesetzeshüter hätten ihm unterstellt, dass er vermutlich eh nur einen Versicherungsbetrug vor hatte, fand ich, das war schon Strafe genug.

Ein Tag später kam der Spezialkleber daheim an, mit dem wir die Schraube der Pedale festkleben wollten. Da war der Schmerz über den Verlust maximal.

Fortan fuhr Sohnemann dann Bus. Oder lieh sich mein völlig funktionstüchtiges Oldtimerrad. Es hat jetzt übrigens eine leichte 8 im Vorderrad *grummel*.

Sohnemann hat sein abgängiges Fahrrad sehr vermisst und erhoffte sich sachdienliche Hinweise aus dem Partyvolk vom See und postete ein altes Bild von dem Rad. Einige Freunde teilten den Beitrag und dann dauerte es nur noch einige Stunden, da erhielt er eine Nachricht: Fahrrad wurde gesichtet! Es steht im nächsten Ort beim Griechen!!!

Dann ging es holterdipolter: Sohn mit Oma zum Griechen, entdeckt sein Rad hinter der Hausecke, sagt der Polizei bescheid, dass er sein gestohlenes Fahrrad gerade gefunden hat, informiert fernmündlich seine Mama, Mama durchforstet mittlerweile den dicken Ordner nach der Rechnung vom Fahrrad, Oma holt Mama plus Rechnung ab, dann gemeinsam zum Griechen, beweisen, dass wir rechtmäßige Besitzer des ramponierten Fahrrades ohne Pedal sind. Die Cops beäugen kritisch den Kaufbeleg und so dürfen wir unter den strengen Augen der Gesetzeshüter hochoffiziell den Drahtesel zurück erobern! Tschakka!

Und jetzt nochmal ausführlich: irgend so ein Partytourist aus der nächsten Stadt feiert bei uns am Wasser. Auf dem Rückweg denkt er ganz pragmatisch und nimmt statt Taxi (Bus fährt um die Zeit ja keiner mehr) das optisch vernünftigste Fahrrad aus dem geparkten Exemplaren. Wie er das Schloss knackt ist nicht bekannt, das fehlt gänzlich. Also radelt er heimwärts. Beim Griechen fällt die Pedale ab. Also fummelt er ein bisschen daran rum, reißt dann vor Frust die Klingel und die Beleuchtung ab und schmeißt hin. Holt sich am Zigarettenautomaten Kippen und setzt sich zu ein paar Nachtgestalten an die Bushaltestelle gegenüber vom Griechen. Gemeinsam wird eine geraucht und der Typ offeriert ein Fahrrad zum Verkauf. Nur leichte Gebrauchsspuren. Da die Nachtgestalten jedoch alle ums Eck wohnen, braucht gerade keiner ein ramponiertes Rad. Der Typ bestellt sich nun doch ein Uber und verschwindet.

Als einer der nächtlichen Bushaltestellenraucher dann so durch die sozialen Kanäle auf seinem Handy scrollt, kommt ihm ein Fahrrad recht bekannt vor und teilt der Community mit, dass das Teil beim Griechen steht. Der hatte morgens ein Fahrrad am Zigarettenautomaten gefunden und zusammen mit der abgefallenen Pedale und der zerbrochenen Kurbel erstmal hinterm Haus verwahrt.

Der Tippgeber geht übrigens auf die gleiche Schule wie Sohnemann, Parallelklasse. Wir loben anschließend noch einen Finderlohn aus.

Tja, und so begab es sich, dass das gestohlene Fahrrad wieder zu seinem Besitzer zurück fand.

Es würden dann nur noch ein paar Kleinigkeiten erworben, um das Gefährt zu komplettieren:

Kurbelarm
Kurbelschraube
Klingel
LED-Beleuchtungsset
Faltschloss Level 10

Insgesamt hat der Spaß 150 Euro gekostet. Und einiges an Zeit, recht viele Nerven und das Vertrauen hat auch ganz schön gelitten.

Aber hej, dafür hat sich ein Typ schätzungsweise 10 Euro für ein Taxi gespart und sich nebenbei noch etwas bewegt und nette Leute an der Bushaltestelle kennen gelernt.

Gestern kam der Brief, dass das Verfahren gegen Unbekannt eingestellt wurde. Obwohl man theoretisch bei Uber hätte nachfragen können, aber bei Diebstahl wird so ein immenser Aufwand ja nicht betrieben.

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Nachhaltigkeit muss man auch wollen

Hin und wieder probiere ich die Welt zu retten. Es sind meist nur Kleinigkeiten, aber irgendwo muss man ja anfangen. Also habe ich mir unter Anderem vorgenommen, unsere ortsansässige Gastronomie tatkräftig zu unterstützen. Stichwort: Essen bestellen. Kann ja nicht Präsenzspachteln. So war ich hoch erfreut, die Dorflokalität in meiner bevorzugten Futterapp anzutreffen und nahezu entzückt, dass man da ganz automatisch an einem Prämienprogramm teil nimmt. Denn fast so schön wie Welt retten ist Punkte sammeln. Als ich mich da so durch die tolle Prämienwelt scrolle, fällt mir ein Angebot ganz besonders ins Auge: Bienenwachstücher. BIENENWACHSTÜCHER!!! Der heiße Scheixx unter der Sonne. „Unser blauer Heimatplanet wird garantiert durch Bienenwachstücher gerettet“ schießt es mir durch den Kopf und äußerst angetan trenne ich mich vom Großteil der erfutterten Punkte und lege einen Gutschein für 10% Rabatt in den Warenkorb. Und da es noch einen weiteren Gutschein über Gratis Zahnputztabs für die selbe Seite gibt, landet auch dieser im Warenkorb. Zähne putzen gerät ja nie aus der Mode. Und ich denke nun mal praktisch.

Soweit, so gut. Auf der Bienenwebsite gibt es Bienenwachstücher zu Preisen, bei denen man vorher seinen Sparvertrag auflösen, den Dispo voll ausschöpfen und den logischen Menschenverstand ausschalten muss. Aber wir haben Corona, mir ist langweilig und die Logik muss man eh in den Skat drücken, wenn man seinem 17-jährigen Sohn erklärt, welche Regeln er aktuell gerade einhalten muss, um sich draußen ein Eis zu kaufen. Immerhin habe ich einen Gutschein und der Rest von meinem Verstand gebietet mir, dass ich alles nur menschenmögliche tun muss, um diesen einzulösen. Einfach verfallen lassen…. *nachluftschnapp* nein! Außerdem spart man sich die horrend hohen Versandkosten, wenn man Bienenwachstücher im Wert eines Gebrauchtfahrzeuges kauft. Na, das bekomme ich doch hin! Es wandert eine Familienpackung Bienenwachstücher, bei denen ich mir zwar nicht aussuchen kann, welches Muster sie ziert, aber was will man auch erwarten, wenn man einen Gutschein hat, sowie eine Packung mit Zahnputztabs in den Warenkorb. Gut, für die habe ich zwar ebenfalls einen Gutschein, aber ich putze häufiger Zähne als dass ich Lebensmittel in Bienenwachstücher wickele. Nun habe ich endlich den notwendigen Betrag beisammen, um mir die Versandkosten zu sparen. Prima, laut Übersicht hat es geklappt, bei Versandkosten steht 0,00$. Ja, Dollar. Bienenwachstücher sind soooo international. Okay, jetzt nur noch die Gutscheine eingeben, jawoll, weitere Zahnputztabs für 0,00$ sind nun zu sehen, weiter geht’s mit Paypal, ….., Moment….., was ist denn das da für ein Betrag????? Jaaaaa, wenn man den Rabattgutschein einlöst, rutscht man ganz automatisch unter den Mindestbestellwert, bei dem der Versand gratis ist.

Nachdem mein Brüllanfall abgeebbt ist, gucke ich mir noch mal in Ruhe die Bestellbestätigung an. Ja klar, nun habe ich zwar 10% gespart, die berechneten Versandkosten sind aber höher als die Ersparnis.

Ich tobe noch ein Weilchen vor mich hin, kann mich dann aber beruhigen, denn schließlich geht es um nichts Geringeres als die Rettung unseres Planeten. Und diese tolle One-Klick-Bezahlfunktion hat mir doch wieder eine Minute mehr Lebenszeit geschenkt. Eigentlich sollte ich glücklich sein. Ich gehe mit der Überzeugung ins Bett, ein unglaublich toller Mensch zu sein.

Die Wochen ziehen ins Land und ich sonne mich noch etwas im Glanz der Vorstellung, was ich alles mit Bienenwachstüchern an Alufolie und Plastikfolie künftig einsparen kann und benutze so lange einfach weiter mein Geschirr mit den dazu passenden Deckeln, die Tupperdosen oder meine Silikonhauben. Irgendwas wird sich schon finden, was sich nach heutigen Maßstäben nichts bereits famos abfallfrei abdecken lässt.

An einem trüben Herbsttag wandern meine müden Augen über meinen E-Mail Posteingang und stolpern über Spam… tzzz… da versucht mir doch einer Vorzugaukeln, er wäre das Hauptzollamt… hahaaaa… ich bin doch nicht blöd…..

Langsam und im Hintergrund erkämpft sich mein Verstand durch die imaginäre Abdeckung-vermutlich bienenwachsbeschichtet- empor zum Licht. Was ist eigentlich aus meiner Bienenwachstuchbestellung geworden? Wurde der Versand nicht unlängst bestätigt? Au weia, wo kommen die Dinger eigentlich her?

Nun, da keine Gutscheine mehr das Gehirn blockieren, schaue ich mir ganz vorsichtig und mit Bedacht die Mail vom Zoll genauer an und vermeide, irgendwelche Links zu klicken. Und tatsächlich, mir wird heiß und kalt, die Haut verfärbt sich von weiß zu rot zu pastellgrün… ich könnte entweder nach Irgendwo fahren, um die nicht ordnungsgemäß mit Zollangaben versehene Lieferung aus Thailand (!) persönlich in Empfang zu nehmen oder ich könnte mir das auch gerne per Boten im Eilversand liefern lassen; die Zollformalitäten würden mir dann abgenommen werden, bitte zahlen Sie daher umgehend die Summe X an folgende Zahlstelle….

So, nun atme ich ganz langsam in eine Papiertüte. Eiiiinnn, auuuuuus.

Nebenbei beiße ich in den sauren Apfel. trenne mich von weiterem Vermögen und hoffe darauf, dass diese beknackten Tücher unter Garantie gut brennen werden.

2 Stunden später klingelt ein Kurierfahrer an der Tür und überreicht mir einen kleinen hübschen Umschlag. Ich bin ganz ergriffen davon, welch erhebendes Gefühl sich einstellt, wenn man im Alleingang die Welt rettet.

In einer recht ausführlichen Mail an meinen Essenslieferdienst schildere ich anschließend meine Erfahrungen mit deren Prämienprogramm und dass ich künftig lieber einen Satz Plastiktüten bestellen werde statt bei Ihnen eine Mahlzeit.

Kurze Zeit später erhalte ich eine Antwort. Sie können nicht auf mich und meine Futterbestellungen verzichten, Entschuldigung, BlaBla, treuer Kunde und so und überreichen mir einen weiteren Gutschein. Aber was noch viel genialer ist: aus dem Prämienshop wurde umgehend die Gutscheine der Bienenausbeuter entfernt.

Ehrlich rundum zufrieden checke ich den Prämienshop und: tatsächlich! Kein einziges Angebot für Bienenwachstücher oder Zahnputztabs. Das macht mich glücklich: ich habe auf diesem Planeten tatsächlich etwas bewirkt und die Menschheit davor bewahrt, für viel Geld einen Artikel um den halben Erdball fliegen zu lassen, den man ehrlich gesagt easy selbst herstellen kann.

SO rettet man die Welt!

Vielleicht, wenn mir mal ganz doll langweilig ist, poste ich eine Anleitung zur Herstellung von Bienenwachstüchern. Seid gespannt!

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Frohes Neues!

Oh my… Über ein Jahr nichts geschrieben. Uppsi.

2020 ist damit ohne Worte… In vielerlei Hinsicht!

Wo fängt man an, um eine gewaltige Lücke zu schließen? Anderen rate ich bei dieser Frage stets: vorne.

Also…. Das letzte Jahr war…anders. Alles war irgendwie anders. Jetzt müsste ich das allumfassende Corona thematisieren, mache ich aber nicht (später vielleicht), betrifft ja jeden Menschen, in unterschiedlicher Ausprägung natürlich, nur soweit: wir sind gesund.

Es gab so viel, was einfach nicht geeignet war, um es ins Netz hinaus zu posaunen. Vieles berufliches, was mich gedanklich schwer beschäftigt hat. Da kam ganz oft die Überlegung, wer hier vielleicht mitliest. Es kann ja schlecht sein, dass man aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mehr erfahren darf, wer wann und warum einen freien Tag hat, da kann ich ja schlecht über Firmeninterna ratschen.

In dieser seltsamen Zeit hat es der Lieblingskerl dennoch geschafft, den Job zu wechseln und ich hätte das auch nur allzu gerne getan, doch es sollte nicht sein. Das hat mich sehr lange beschäftigt und zwischen dem Warten auf die eine bestimmte Stellenausschreibung, dem Bewerben, einem Gespräch und der Absage habe ich Hochs und Tiefs erlebt, die mitunter im Minutentakt wechselten. Ein äußerst ungeeignetes Thema für die Öffentlichkeit!

Durch eine glückliche Fügung kam bereits Ende 2019 ein sogenannter „Bruno“ in unseren Haushalt. Das ist quasi ein Brotback-Kettenbrief. Man erhält einen kleinen Sauerteigansatz, den man zu einem Teil zu einem Brot verwandelt und zu anderen Teil mit Bedienungsanleitung weitergibt. Das gab es früher für Kuchen- der hieß dann Hermann- und für herzhaftes -Siegfried. Für ein Bruno- Brot braucht man naturgemäß Hefe und Roggenmehl. Ich war also schwer genervt, als  irgendwelche Hamster anfingen, sich mit Mehl und Hefe zu bevorraten. Wer backt denn sonst mit Roggenmehl habe ich mich da gefragt, so einfach loslegen ist damit nicht. Vermutlich fliegt nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum ganz viele Vorräte in die Tonne. In meiner Not fiel mir wieder ein, dass mir vor einer ganzen Weile eine aussortierte Getreidemühle angeboten wurde, auf diese Offerte bin ich dann nach der ersten großen Hamsterkauf-Welle zurück gekommen und mahle mir nun nach Bedarf selbst frisches Mehl- die Körner wurden zum Glück von den Preppern und Hortern verschmäht.

Am 18. März habe ich Rechner, Bildschirme, Tastatur und ergonomische Maus ins Auto verfrachtet und bin ins Home-Office entschwunden. Da bin ich immer noch. Ich schwanke auch da zwischen „großartige Sache!“ und „das grenzt ja an Einzelhaft!“. Die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte und ja, ich bin dankbar, dass ich das problemlos kann und mein Brötchengeber das ermöglicht, aber ich verspüre auch die Isolation. Außerdem ist es eine Herausforderung, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, während Sohnemann in seinem Zimmer eine Videokonferenz führt, der Lieblingskerl eine Etage tiefer den Kaffee fertig hat, der Paketbote klingelt und die Waschmaschine trällert. Wenn man dann noch nebenbei eine Telefonhotline bedient… Naja, das ist natürlich jammern auf hohem Niveau! Wir sind dankeswerter Weise weder von Kurzarbeit noch Verdienstausfällen betroffen, insofern alles auszuhalten. Übrigens… Kennt Ihr den? „Wie lange bist Du schon im Home-Office?“ „Seit 6 Kilos!“ – Jep. Es gibt Tage, da bewegen ich mich zwischen Bett, Büro und Bad rund 350 Schritte und hasse meine Tracking-App.

Bedingt durch die Probezeit von Lieblingskerl gehörten wir zu den Wenigen, denen keine großen Reisepläne zunichte gemacht wurden. Trotzdem überkam uns bei der erstbesten Gelegenheit die Fernweh und der Wunsch nach ei, ner Option, jederzeit und relativ spontan Urlaub zu machen. Also haben wir uns recht spontan online(!!) einen Wohnwagen gekauft und diesen Mal eben am anderen Ende Deutschlands abgeholt. Grandios. Also wir wissen jetzt zumindest, wie wir künftig Urlaub machen. Wo bleibt die Frage….

Aber wir haben im letzten Sommer und Herbst insgesamt 4 Campingplätze in good old Germany besucht, einer davon war quasi „um die Ecke“ und es war sehr schön, auch mal Gegenden zu besuchen, die einem sonst zu nah, zu unspektakulär, zu langweilig und uninteressant erschienen. Alles hat seinen Reiz, man muss nur hin und wieder genauer hinschauen!


Außerdem finde ich Facebook zunehmend doof. Damit kann ich nahezu nichts mehr anfangen. Immer wenn ich da rein gucke, sehe ich Beiträge, die meine Laune rasch Richtung Nullpunkt bringen. Ich mag politische Posts nicht, vor allem wenn sie sich verdammt nah am rechten Rand bewegen. Aber ich bringe es nicht übers Herz, Freunde auszusortieren. Twitter habe ich gar nicht und auch nicht Tiktok und fühle mich dabei alt. Instagram hingegen liiieeeebe ich! Vielleicht macht mich das mittelalt. Außerdem habe ich graue Haare entdeckt *mimimiiiii*

Soweit zu meinem „was in den letzten 400 Tagen geschah“…

Ich muss jetzt wieder öfters hier schreiben, gegen den Home-Office/Corona-Blues, Wörter loswerden, das Gefühl von sozialen Kontakt haben.

Schöne Grüße von hier und bleibt gesund

Eure Martina Carmen Luise, die noch mindestens bis Ende März daheim bleibt und an der körpergerechten Ausformung der Sitzkuhle auf der Couch arbeitet

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Das geheime Jubiläum

Heute habe ich 25-jähriges Dienstjubiläum. Kaum zu fassen… aber ich wusste das ja schon länger 😉

Also bin ich heute früh in weiser Voraussicht in die Küche gesprungen und habe einen Hefeteig angesetzt. Ganz klassisch mit Vorteig, dann Hauptteig kneten und diesen in Ruhe gehen lassen und auf dem Kuchenblech auch noch mal nett fluffig aufgehen lassen. Für die lieben Kollegen, die mir garantiert die Bude einrennen, habe ich einen leckeren Zuckerkuchen gebacken; man möchte den Gratulanten ja etwas anbieten können. So ein 25-jähriges Jubiläum ist schließlich etwas ganz Besonderes!

Ereignisse diesen Ausmaßes werden im hausinternen Netz veröffentlicht. Früher gab es sogar Mitarbeiterzeitungen, die für derartige Ankündigungen genutzt wurden, aber das ist echt schon laaange her.

Ganz früher gab es sogar mal Extra-Gehalt für ein solches Event, aber zum Wohle der Bilanz wurden uns diese Ansprüche einmal abgekauft. Auch auf schriftliche Glückwünsche auf schwerem Büttenpapier wird meines Wissens seit längerem verzichtet. Fortan gab es nur noch Blumensträuße, Händeschütteln, ein geistreiches kleines Buchgeschenk und 5 Tage Extra-Urlaub. Naja, es gibt ja Momox und Urlaub kann man immer gebrauchen!

Heute gab es… lange Zeit nix. Nur ein paar verwunderte Blicke, weil ich mit einem Kuchencontainer in mein Büro verschwand. Es hat aber auch keiner gefragt, wozu ich diesen mit an den Arbeitsplatz schleppe. Vielleicht wollte ich nur mal der Tortenbox Frischluft gönnen, wer weiß. Noch nicht mal meine Kollegin im Raum fragte nach.

Kollegiales Desinteresse kenne ich ja schon, aber ich hatte heute sogar ein Kleid an. Und die Leggings, die bei jedem Schritt rascheln. Gut, immerhin sprach mich ein Kollege auf einen Kaffeefleck am Decolleté an, aber genau diese Art von Aufmerksamkeit hatte ich heute eigentlich nicht im Sinn. Merke ich mir aber: wenn man will, dass alle gebannt zugucken, dann sind befleckte Kleidungsstücke erste Wahl!

Dann habe ich Detektiv gespielt: wo ist denn diese jährliche Veröffentlichung der Jubiliare? Könnte man ja mal zuuuufällig im Drucker liegen lassen. Sehr gut versteckt offenbar. Ich bin nur auf alte Mitteilungen gestoßen. Na toll, da halte ich 25 Jahre in der Zentrale des bausparkollektiven Irrsinns durch und kein Schwein interessiert es!

Bis mein Chef verschwörerisch um die Ecke kam, sich konspirativ zu mir heunterbeugte und mir zuflüsterte: „Alles Gute zum Jubiläum!“ „Vielen Dank“ raunte ich zurück, gefolgt von „und warum flüstern wir?“

„DATENSCHUTZ“

Aha. Dankeschön, Datenschutzgrundverordnung! Du hast mir den ganzen Tag versaut. Da haste einmal Jubiläum und keiner darf’s wissen.

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Frohes Fest!

Früher war Weihnachten immer sehr festlich – die ganze Familie stand vorher nochmal im Bad an, um noch schnell unter die Dusche zu springen, dann hat man sich in feinsten Zwirn gekleidet und sich ordentlich frisiert. Meistens waren wir nach dem Kaffee in der Kirche, obwohl wird sonst nicht gerade zu den fleißigen Kirchgängern gehörten, aber es gehörte irgendwie traditionell dazu. Danach gab es Abendbrot – meist Schweinebraten mit Kartoffelsalat – und anschließend fand die Bescherung statt. Es gab immer einen schön geschmückten Tannenbaum, der immer in allerletzter Minute an Heiligabend von meinem Vater gekauft wurde. Manches Mal fand die Besorgung so derartig auf dem letzten Pfiff statt, dass bei den letzten verbleibenden Bäumen kein richtig schöner mehr dabei war und ich kann mich erinnern, dass in einem Jahr aus 2 Tannen eine gebastelt wurde, weil beide mit wenigen spärlichen Ästen ausgestattet waren und die etwas schönere zusätzlich mit Ästen der zweiten Tanne aufgepimt werden musste. Ein anderes Jahr gab es Kiefer statt Tannenbaum, weil es sonst nichts Grünes mehr käuflich zu erwerben gab. Im Jahr darauf haben wir daher einen selbst gefällt. Geschmückt wurde irgendwann zwischen Mittagessen und dem Duschen – auch hier gab es traditionelle Aufgabenteilung. Der Patriarch bestimmte, was an die Zweige gehängt werden sollte, Mutter und ich entwirrten die Lichterkette oder bügelten Lametta auf und die Haus- und Hofkatze sortierte den Behang der unteren Äste neu. Meistens wurde ich irgendwann zwischen Kaffee und Bescherung genötigt, auf dem Klavier ein paar einstudierte Weihnachtslieder vorzuspielen, meistens mit der Drohung mir im kommenden Jahr den Klavierunterricht ersatzlos zu streichen, und es wurde gemeinsam gesunden. Zur Not auch ohne musikalische Begleitung – wir besaßen zwei identische Liederbüchlein, so dass man textsicher an beiden Seiten des Tisches durch mehrere Strophen kam. Ein Weihnachtsabend endete einmal damit, dass mein Vater meiner hinauseilenden Mutter den Kartoffelsalat hinterhergeworfen hat. An den Grund kann ich mich nicht mehr erinnern, meistens war auch kein besonderer Grund erforderlich, dass mein Vater völlig ausrastete, ich weiß nur noch, dass meine Mutter und ich recht lange Kartoffel- und Gurkenstückchen aus dem langfloorigen Teppich herauskratzen; die Spuren an der Tapete waren hingegen recht leicht zu entfernen. Der Rest von Weihnachten verlief dann weitgehend friedlich, da mein Vater es anschließend vorzug, in die Spielbank zu entschwinden und unser Weihnachtsgeld beim Roulette zu verzocken. Und in einem Jahr flog mal durch das Erkerfenster etliche unserer Zaunlatten und segelten knapp an mir vorbei bis kurz vor dem Fernseher. Ein paar Jugendliche hatten sich gestritten und einer davon war durch unseren Garten geflüchtet, um den Angreifern zu entkommen. Diese vermuteten ihn aber im Haus und so schickten Sie hölzerne Grüße durchs Fenster. Für einen ungestörten weiteren Ablauf der Feiertage wurde dann das Fenster mit Brettern vernagelt, was die Dunkelheit im Zimmer verstärkte und bereits morgens das Anschalten der gesamten Weihnachtsbeleuchtung erforderlich machte. Aber insgesamt blieb mir Heiligabend als recht festlich in Erinnerung.

Sehr förderlich für das weihnachtliche Gefühl ist leichter Schneefall und klirrende Kälte, wenn man heutzutage schon nicht mehr in die Kirche geht. Eine Mindestanforderung ist aber immer noch das Spielen von Weihnachtsliedern. Entweder der Sohnemann, der dann seinen Fortschritt beim Gitarrenunterricht präsentieren kann oder meine kläglichen Restfähigkeiten am Klavier, zur Not auch eine CD.

Dieses Jahr war alles anders.

Lieblingskerl entschied Anfang Oktober, dass es sein Herzenswunsch wäre, einmal mit der kompletten Familie Heiligabend bei uns zu feiern. Wer weiß denn schon, wie lange seine „Ellies“ noch leben, zumal sein Vater bereits an Krebs erkrankt ist. Und überhaupt: meine Mom ist ja auch nicht mehr die Jüngste und auch uns könnte ja jeden Tag etwas wiederfahren. Mit dieser Endzeitstimmung machten wir uns an die Planung.

Es ging schon mal recht holperig los, da bis Anfang Dezember keiner verbindlich zu- noch absagen wollte. Vorsorglich habe ich Mitte Oktober unser Weihnachtsgeschirr noch um ein Paar Teller und Tassen ergänzt, denn es gibt nicht viel schlimmeres, als eine festlich gedeckte Tafel mit bunt zusammengewürfeltem Geschirr oder – noch schlimmer! – eine einheitlich gedeckte Tafel mit nur einem unpassenden einzelnen Teller. Da werde ich ganz komisch… also noch komischer als sonst! Die Bestellung ließ dann gut 2 Monate auf sich warten, so dass ich schon ganz kribbelig wurde. Unser Weihnachtsgeschirr ist nämlich ein Auslaufmodell und es war nicht so einfach, noch irgendwo große und kleine Teller, Untertassen und Kaffeetassen aufzutreiben. Ich musste in 2 Läden bestellen und diese schrieben von Lieferschwierigkeiten, Nachbestellung beim Hersteller und solch Hiobsbotschaften.

Diese Zeit zwischen Einladung und dem eigentlichen Fest, wo man weder weiß, wer kommt wann und möchte vielleicht der eine oder andere bei uns übernachten, empfand ich als recht belastend. Lieblingskerl sieht alles immer ganz locker und sagte so etwas wie: „wen stört es denn schon, wenn eine von einem anderen Geschirr essen muss“ (na mich!) und „da achtet doch kein Mensch drauf“ (doch, ich!) bis hin zu „ist mir jetzt auch egal, Weihnachten findet so oder so statt und wer da ist da oder auch nicht“, dass ich Stresspickel bekommen habe. Quasi in letzter Sekunde wurde mir dann mitgeteilt: „Es kommen übrigens alle…“ – „Super; ich bin vorbereitet“ – „… und zusätzlich kommt noch die Mutter meiner Schwägerin samt Freund“ – „AHHHHHH!“

Ich war dann ziemlich bockig, weil ich ungerne so ein intimes Fest wie Heiligabend mit Fremden feiern möchte… und darüber hinaus möchte ich gerne gefragt werden, so aus Prinzip und für das Gefühl, im eigenen Haus noch irgendwas zu sagen zu haben (wenn ich auch nie mein Veto eingelegt hätte). Nur eine spontan eingefädelte Nachbestellung des Weihnachtsgeschirrs seitens Lieblingskerls (mittlerweile wieder auf allen Plattformen in rauen Mengen verfügbar…) hat mich milde gestimmt.

So hatten wir also insgesamt ein kleines Familienfest mit 11 Personen vor uns. Aber auch ein mittlerweile auf 11 Teile angewachsenes Geschirrservice. Immerhin!

Erschwerend kam hinzu, dass wir einen neuen Schrank für das Esszimmer bestellt haben, aber diese nach nunmehr 8 Wochen immer noch nicht da ist, obwohl er eigentlich nach 7 Tagen geliefert werden sollte. Bedauerlicher Fehler beim Rausholen aus dem Lager – Schrank leider derart defekt, dass die Firma einen neuen anfertigen lassen musste. Leider hatte ich schon den Schrank, der ersetzt werden sollte, abgebaut und unser Esszimmer glich optisch einem Katastrophengebiet. Kartons, Kisten, Tüten und Häufchen von Bastelkram, der Gesamtbestand an Kerzen und Kerzenständern meines ganzen Lebens, ungeahnte Mengen an 100er Packs Teelichter und Dekozeugs für Anlässe aller Art lagerten übergangsweise quasi überall.

Da ich den abgebauten Schrank weder Müllhalde noch einem Online-Verkufs- oder Flohmarktportal antun wollte und konnte (viel zu alt zum weg werfen, aber leider nicht gut genug für einen Antiquitätenhändler), entschloss ich mich, diesen auf dem Dachboden einzulagern. Nichtsahnend entdeckte ich darauf hin, was schon alles in ähnlicher Absicht auf den Dachboden ein vorübergehendes Zuhause gefunden hatte – und habe dann tagelang aussortiert. Ein ganzer Kofferraum (Kombi mit unglaublichem Ladevolumen) voll Kinderbekleidung und Spielzeug fand so seinen Weg zur Spendenkiste beim kirchlichen Stift. Und bis heute beherbergt der Kofferraum alles, was bis um Eintreffen der Gäste keinen vernünftigen Platz gefunden hatte. Ich werde vermutlich die nächsten Tage Fahrrad fahren!

3 Tage Urlaub habe ich mir vor Weihnachten genommen, um Kekse, Kucken und Torten zu backen, , Einkäufe zu erledigen, die Festbeleuchtung zu komplettieren und zu wienern und zu schrubben und die Bude auf links zu drehen und komplett auf Vordermann zu bringen. Als letzte Idee fiel mir noch ein, ein kleines Körbchen bereitzustellen, in dem jeder Gast sein Handy legen kann, um es beim Gehen wieder mitzunehmen. Aber Lieblingskerl fand das albern und überflüssig. Er sollte noch eines Besseren belehrt werden!

Und dann kam die liebe Sippschaft an. Zum Glück mit Verspätung und nicht wie beim letzten Treffen schon eineinhalb Stunden vor Beginn, während man es selbst noch nicht mal unter die Dusche geschafft hatte.

Man sollte noch Folgendes vorab wissen: Lieblingskerl hat in dieser Familie eine Meldepflicht. Einseitig und so gewiss wie das Amen in der Kirche. Unumkehrbar. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Nur er hat sich stets nach dem werten Befinden aller zu erkundigen und selbst einen regelmäßigen Rapport abzuliefern. Bei ihm wird sich höchstens gemeldet, wenn der neue PC/ das neue Smartphone/ der Drucker/ whatever nicht auf Anhieb funktioniert. Dann wird sich daran erinnert, dass Telefone auch zum Absetzen eines Gespräches genutzt werden können. Ansonsten hört sich Lieblingskerl immer an: „Warum meldest Du Dich jetzt erst?“ „Komm doch mal wieder vorbei“ und „Erklär mir doch mal, warum wir Dich nicht öfters hören“. Meistens ist der Grund simpel: er wollte so was nicht hören und schiebt seit Wochen überfällige Telefonate oder Besuche vor sich her. Oder zusammengefasst; kein Bock auf diese ganze Arie. Oder ich bekomme Geburtstagskarten, in denen ich aufgefordert werde, doch mal offenzulegen, warum ich Lieblingskerl verbiete, sich regelmäßig bei seiner Familie sehen zu lassen. Tja, vielleicht liegt es daran, dass ich darauf keinen Einfluss habe?

Die Lieben begrüßen sich also untereinander überschwänglich und wortreich, legen die Berge an Geschenke ab („nein, wir schenken uns nichts! Höchstens eine Kleinigkeit für die Kinder!“), pellen sich aus den Jacken und Schuhen, schlüpfen in die mitgebrachten Hausschuhe (hä? Als wenn sie jemand dazu verpflichtet hätte… ich jedenfalls nicht) und warten darauf, dass ich aus der Küche zu ihnen eile, um sie zu begrüßen. Dann wird Platz genommen und Kaffee und Kuchen kredenzt.

Vor lauter Gastgeberpflichten bekomme ich noch nicht viel mit, aber im Laufe der Veranstaltung wird mir folgendes klar: Es finden nur Gespräche statt, an denen ich nicht teilhaben kann, weil ich viele Akteure der Geschichten nicht kenne. Wobei der Großteil der Konversation gar nicht Gespräch ist, sondern eher ein derbes Sprücheklopfen. Beispiel? Na nur allzu gerne:

„Gott ist der da im blauen Hemd. Immer, wenn er auf Klo Kacken geht, rufe ich „OHHH GOTT“ und er sagt dann „Ja, völlig richtig! Nenn mich Gott.“ Für mich ist Papa Gott.“

Oder so sinnfreies Rumgefrotzele: „Sei nett zu meinem Sohn!“ „Oh, ich haue ihm gerne von Dir ein Paar in die Fresse“ „Ach, Du bist doch blöd!“. Wohlgemerkt eine Unterhaltung unter Erwachsenen.

Ich habe eine Weile versucht, Schimpfwörter mitzuzählen, bin aber recht schnell aus dem Takt gekommen.

Ein weiteres Highlight war, dass die Nichte von Lieblingskerl die ganze Zeit über Ihr Handy in der Hand hielt und die Gesellschaft mit Fotos, Videos und Whattsapp-Nachrichten unterhielt. Irgendwann saßen ungefähr 7 Leute am Tisch und zeigten sich gegenseitig unglaublich wichtige Sachen auf dem Smartphone – nur mit den Gastgebern wollte keiner reden. Ich schlug einmal vor, wir könnten uns ja alle zusammen mit einem Quiz beschäftigen, welches ich extra zum allgemeinen Vergnügen gekauft habe, doch geantwortet hat mir keiner.

Nichtenkind redete nur 2x mit uns: einmal, als sie ein Ladekabel brauchte und einmal, als sie das W-LAN-Passwort benötigte. Ich war zunächst sehr überrascht, dass es überhaupt reden kann. Einmal hat sie fast mit Lieblingskerl geredet: „Lieblingskerl, ich habe hier ein Video, dass MUSST Du Dir ansehen!“ Lieblingskerl reagiert höchst erfreut, dass sich seine Nichte doch noch daran erinnerte, dass es ihn gibt; doch diese rannte an ihm vorbei, ohne ihn zu beachten. Der Freund ihrer Großmutter heißt nämlich auch Lieblingskerl und zu diesem setzte sie sich dann auf den Schoß. Sie ist 16, groß, blond, knackenge weiße Jeans, auf der sich der Tanga abzeichnet und trug extra bauchfrei, damit ihr Bauchnabelpiercing gut zur Geltung kam. Sie ließ sich in die Arme des alten Mannes fallen und ließ die frisch gelverstärkten Krallen über das Display gleiten. Bei Opa Lieblingskerl auf dem Schoß reagierte dieser auch höchst angemessen als er rief: „Wat hasst‘n da? Willste mit mir zusammen nen Porno kieken?“ Man sollte sich vorher überlegen, wie nuttig man sein Outfit wählt.

Meine Mutter guckte mit völlig entgleisten Gesichtszügen zu mir rüber und Sohnemann flüsterte mir ins Ohr „Mama, wir habe auch schon schönere Weihnachten gefeiert“. Extrapunkt in Diplomatie, mein Sohn!

Die Zeit dazwischen wurde genutzt, um Lieblingskerl sehr einfühlsam und wortgewandt darauf aufmerksam zu machen, dass er in letzter Zeit ganz schön fett geworden sei.

Nach dem Kaffee wurde beschlossen, Geschenke zu verteilen. Da besprochen wurde, nur den Kindern eine Kleinigkeit zu schenken, habe ich mich darauf verlassen und keine Präsente für die Erwachsenen besorgt. Lieblingskerl war etwas unsicher, ob das richtig sei, da meinte ich noch: „mach Dir keine Gedanken – erstmal ist das beschlossene Sache und außerdem schenken wir allen ds Weihnachtsessen bei uns im Haus – das ist doch schon Geschenk genug!“. Nun beschenkten sich alle gegenseitig, also bis auf uns… Meine beiden Männer bekamen beide Schokolade aus der Schweiz, für mich gab es von den Schweizern kein Mitbringsel – vermutlich halten die mich für grob adipös, wo doch schon Lieblingskerls Bauch Grund zu Beleidigungen war. Von Lieblingskerls Eltern bekam ich eine Schachtel Trüffelpralinen (die ich nicht leiden kann, aber das wussten sie vielleicht nicht) und von der Mutter meiner fast-Schwägerin bekam ich Rotkäppchensekt der Sorte „mild“ ( den ich nicht leiden mag, weil mir Rotkäppchen immer einen Brummschädel verursacht UND weil ich nur trockenen Sekt mag, aber das wusste sie vielleicht nicht). Leute, ehrlich: wenn man beschließt, nichts zu schenken, ist es ok, nichts zu schenken. Dann doch irgendwas zu schenken ist vorsätzlich bösartig für den Fall, dass sich der Beschenkte an die Abmachung hält und dann mit leeren Händen da steht. Und auch bei Kleinigkeiten loht es sich, Neigungen zu erfragen. Einfach nur irgendwas schenken um sich zu sagen: „Haken hinter, erledigt!“ erfreut allgemein Niemanden.

Eigentlich hatte ich gehofft, der Lieblingskerl stellt sich mal hin und sagt sowas wie: „Schön, dass ihr alle da seid. Unser Geschenk ist die Einladung zu unserem schönen Festessen hier am heiligen Abend – lasst es euch schmecken!“ oder so etwas in der Art, doch auf Rede reden hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits keine Lust mehr.

Zum Schluss sagte Schwägerin zur Nichte: „Nee, lass die Tüte mal hier liegen, die nehmen wir nicht mit, die ist ja schon kaputt!“ Ich habe auf Anhieb verstanden, dass sich meine Pflichten als Gastwirtin selbstverständlich auch auf das Wegräumen vom Dreck meiner Gäste erstrecken. Ist ja in DER Familie nicht wie bei Freunden, wo man fragt, wo der Mülleimer ist (wenn man es denn schon nicht merken konnte) und selbst was weg wirft, weil man einfach mitdenkt und nett ist und höflich ist. Aber das sind schon 3 Eigenschaften, die in Bezug auf seine Familie einfach keinen sinnvollen Satz ergeben.

Erst- und Zweitfeiertag habe ich genutzt, um meine depressive Seite kennenzulernen und habe viel geweint. Und mich bei meiner Familie entschuldigt, dass Weihnachten so war, wie es war. Es wird keine Wiederholung geben. Nächstes Jahr brauche ich Schnee, Kälte, ein Funkloch und Einsamkeit.

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Nützliches für das Badezimmer

Seit ewigen Zeiten Zur Zeit bauen wir ein Badezimmer in einen ungenutzten Raum ein. Und weil man neben Pflichtarbeiten wie Rohre verlegen und einen Fliesenspiegel anbringen auch mal zur Hebung der Stinmung etwas Kür benötigt, haben wir ein maritimes Accessoire gebastelt. Wir wollten etwas an der Küste kaufen, aber entweder war es zu kitschig oder zu teuer. Am besten gefielen uns schöne Dinge aus Treibholz oder alten Planken und Bohlen, alles garantierte Einzelstücke, aber bei mir hörte da jedes Mal der Spaß auf, wenn ich aufs handgeschöpfte, handbeletterte Preisschild blickte.

Aber die Idee war geboren!

Glücklicher Weise fand sich die Basis der Bastelarbeit in den Untiefen des heimischen Gartenschuppens:

Ist er nicht schön? Und schon malerisch abgenutzt! Geht aber noch besser:

Instant-Used-Look. Heiß!

Dann muss der verkokelte Teil abgeschrubbelt werden. Geduldige nehmen die gute altr Drahtbürste oder wie ich eine Bohrmaschine mit Bürstenaufsatz. Die Holzstruktur kommt dabei richtig gut raus.

Die Sprenkel sind Regentropfen, ich war zu ungeduldig, um gutes Wetter zum fotografieren abzuwarten.

Hach, mir gefällt das Ergebnis richtig gut. Altes Holz ist einfach wesentlich interessanter, hat Seele und Charisma.

Weiter geht’s in den Baumarkt:

Dann bekommt der Holzpfahl ein paar Schrauben verpasst, die dienen quasi als Armierung, dann wandert der Pfahl in den Übertopf und wird mit Beton ausgegossen. Fotos von den Zwischenschritten gibt’s nicht, da mein Lieblingskerl diesen Teil übernommen hat. Knipsen ist nicht so seins.

Hier der fertige Betonsockel. Soll ja nicht ständig umkippen.

Nun noch Papierrollenhalter, Klobürste und Ablage montieren und mit etwas Seil garnieren.

Fertig ist der maritime Badbutler!

Garantiert ein Einzelstück und preislich ein Lacher. Die Kosten für die angebrachten Utensilien kann man ja gar nicht dazu rechnen; die bräuchte man ja sowieso. Das teuerste war der Übertopf 😀.

Demnächst kann man den Badbutler in seiner natürlichen Umgebung bewundern.

Und falls wir noch richtig durchdrehen, setzen wir oben noch ne Plastikmöve drauf. Maritim und Kitsch mögen sich einfach 😂.

Liebe Grüße aus der DIY-Abteilung

MCL

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Lebenszeichen

Eh sich noch Jemand fragt: ja, was ist denn bei der MCL los? mag ich kurz etwas Licht hier in den dunklen und leicht angestaubten Blog bringen. Muss nur kurz die Spinnweben entfernen *wisch*

Wenn ich nicht krank bin – was ich den halben Februar und 3 Wochen im März tatsächlich war, dann gibt es im Büro so derartig viel zu tun, dass ich meine wöchentliche Arbeitszeit meistens schon Donnerstags vormittags drin habe. Letzte Woche habe ich 6 Überstunden aufgebaut – und war nur an 3 Tagen im Büro! Die Arbeit ist trotzdem zu viel und ich weiß langsam nicht mehr ein noch aus. In meinem Leben habe ich erst eine Bewerbung geschrieben (und ich bin offiziell 39 – und das seit mehreren Jahren), aber ich befürchte, ich muss mich nach einem neuen Job umschauen. In der Nacht von Montag auf Dienstag bin ich ungefähr 5x aufgewacht und habe über Probleme auf dem Schreibtisch gegrübelt. Gestern Nacht habe ich von einer Hand voll Kollegen geträumt. Ich nehme das Büro irgendwie mit ins Bett – und das WILL ICH NICHT!

Einen Teil der Überstunden habe ich mir tatsächlich mal auszahlen lassen, weil ich einfach keinen Plan hatte, wann ich das mal abbummeln kann. Kläglich, was nach Abzug der Steuern davon übrig blieb.

Wenn man dann gegen 20:00 Feierabend macht, läuft es auf der Berliner Stadtautobahn dafür meistens wie geschnitten Brot. Immerhin! Daheim passiert dann aber nicht mehr ganz so viel, mit etwas Pech haben meine Männer nämlich auf mich gewartet und noch nicht gegessen – dann endet mein Tag auch noch am Herd. Ich frage jetzt vorher nach und geh im Zweifel unterwegs noch einkaufen, die beiden können sich schließlich auch mal ne Stulle schmieren.

Ansonsten komme ich zu kaum etwas. Frisör? Ja, da wollte ich schon längst mal hin. Fingernägel lackieren? Lohnt kaum, die brechen mir in letzter Zeit eh nur ab. Nähen? Basten? Bloggen? Fehlanzeige. Und dann kommt noch dazu, dass ich morgens teilweise so übertrieben rumtrödele, dass ich erst um 10:00 im Büro aufschlage. Dann muss man natürlich auch lange dort bleiben, sonst schafft man ja nüscht.

Einmal habe ich es sogar geschafft, dass ich mich überhaupt nicht aufraffen konnte. Ich saß so lange früh rum und hatte Angst, arbeiten zu gehen und habe mich derart reingesteigert, dass ich tatsächlich Fieber bekam. Und es gibt weitere Alarmsignale: Magenschmerzen, Herzschmerzen, Puls, Rücken, Verdauungsbeschwerden. So ein Mist. Mein Job macht krank.

Blöderweise ergeht es dem Lieblingskerl ähnlich. Er vertritt gerade 3 Kollegen, die die Nase voll hatten und gekündigt haben. Nun verteilen sich die Kundschaft über das gesamt Stadtgebiet – d.h. er fährt auch gerne mal 30 Kilometer von A nach B und dann wieder zurück. Teilweise um festzustellen, dass ein Stecker nicht in der Steckdose steckt. Dann funktionieren technische Geräte eher selten und es wird nach dem Techniker verlangt. Wäre ja nicht so schlimm, wenn man fliegen könnte und nie einen Parkplatz bräuchte. Und irgendwie eilt immer alles und muss HEUTE noch behoben werden.

Irgendwie wird das auch immer komischer mit den Leuten. Was mir Lieblingskerl immer für Anekdoten erzählen kann. Und ich immer wieder selbst erlebe.

Kleiner Schwank aus dem Leben einer, die zum Telefondienst gezwungen wird

Kunde – nennen wir ihn der Einfachheit halber Heinz-Uwe: Guten Tag. ich habe Post bekommen.

was ich eigentlich sagen möchte: Glückwunsch! Sie haben also einen Zusteller und einen Briefkasten. Das ist toll.

was ich dann wirklich sage: Gut, worum geht es da?

Heinz-Uwe: Es geht um meinen Bausparvertrag.

was ich eigentlich sagen möchte: Schon irgendwie klar, wenn Sie bei der Bausparkasse anrufen.

was ich dann wirklich sage: Um was genau geht es denn bei ihrem Bausparvertrag?

Heinz-Uwe: Ja, das weiß ich nicht; ich dachte, Sie könnten mir sagen, was in dem Brief steht.

was ich eigentlich sagen möchte: nicht Ihr Ernst! Soll ich Ihnen den Brief vorlesen? Oder wollen Sie anfangen und ich lese den 2. Abschnitt?

was ich dann wirklich sage: Wenn Sie mir ihre Bausparvertragsnummer verraten, dann kann ich nachschauen.

Heinz-Uwe: DIE BAUSPARVERTRAGSNUMMER? Jaaa, die habe ich jetzt gerade nicht zur Hand.

was ich eigentlich sagen möchte: NATÜRLICH! Warum auch! Dann suchen Sie die mal in aller Ruhe raus und rufen dann nochmal an. Dann geht hier ein anderer Spacko ans Telefon, von dem Sie sich Ihre Briefe vorlesen lassen können. Setzten, sechs.

was ich dann wirklich sage: Kein Problem. Ich suche Sie gerne über Ihren Namen raus.

Heinz-Uwe:

a) sagt mir einen Namen, bei dem ich nicht mal ansatzweise eine Ahnung habe, wie ich den schreiben würde

b) hat einen Allerweltsnamen, den er sich mit 85 anderen Bausparern teilt

c) ruf für seine Frau an, weil

c1) er seiner Frau finanzielle Angelegenheiten nicht zutraut (Frau ist im Hintergrund zu hören und quatscht Heinz-Uwe ständig von der Seite an)

c2) sich seine Frau nicht so weit von Herd und Kinder entfernen darf (dann untermalt das gesamte Gespräch Töpfegeklapper und Nachwuchs, der mit Kopfstimme das zweigestrichene C röhrt)

c3) diese noch hohler ist als der Gatte (dann ruft aber meist die Frau zunächst und übergibt das Gespräch an Heinz-Uwe

was ich eigentlich sagen möchte: habe Sie keinen Frisör, den Sie vollschwallen können (Notiz an mich selbst: unbedingt Termin machen!)

was ich dann wirklich sage: Vielen Dank. *tipptipptipp* Na bitte, da ist ja schon auch das Schreiben. Das ist eine Bescheinigung für Ihr Finanzamt, die wir ihnen zugesandt haben.

Heinz-Uwe: Und was soll ich damit?

was ich eigentlich sagen möchte: Was immer Sie möchten. Hinter den Spiegel klemmen, verbrennen, Papierflieger daraus basteln. Werden Sie kreativ!

was ich dann wirklich sage: Die Bescheinigung ist für Ihre Steuererklärung bestimmt. Legen Sie diese ihrer Erklärung für 2017 bei.

Heinz-Uwe: Versteh ich nicht.

was ich eigentlich sagen möchte: Ach was.

was ich dann wirklich sage: Wenden Sie sich mit dieser Bescheinigung am besten an ihren Steuerberater oder das für Sie zuständige Finanzamt.

Heinz-Uwe: Das hat mir bei Vertragsabschluss niemand gesagt!

was ich eigentlich sagen möchte: Lustig, nicht? Da wusste auch niemand, dass wir zwei Hübschen heute miteinander telefonieren und trotzdem tun wir’s. Wahnsinn, was?

was ich dann wirklich sage: Meistens steht die Vertragsbeendigung auch nicht im Fokus eines Abschlussgespräches. Ich war ja leider nicht dabei, daher kann ich Sie für ein klärendes Gespräch nur an den Kollegen vor Ort verweisen, bei dem die Beratung stattfand.

Highlight vom Jahresanfang:

Kundin ruft an und hat Probleme beim Ausfüllen eines Zulagenantrages.

Icke: welcher Abschnitt bereitet Ihnen denn Probleme?

Kundin: na, gleich der erste Teil. ich lese mal vor: Sind Sie verheiratet?

Icke: *pruuust* Diese Frage müssten Sie eigentlich besser beantworten können als ich.

Kundin: muss auch lachen, kann aber Ihre langjährige Beziehung zu ihrem Freund nicht genau einordnen. Sie leben ja schließlich zusammen.

Icke: Solange Sie nicht verheiratet sind, sind Sie es auch nicht.

Kundin kann an diesem Abend beruhigt einschlafen. Jeden Tag eine gute Tat.

Fazit: warum sich selbst Gedanken machen, wenn man von jedem Punkt der Erde den Telefonjoker ziehen kann?

Hatte ich schon erwähnt, dass mir mein Job im Moment total stinkt?

Und graue Haare habe ich nun auch bei mir entdeckt. Aber was noch schlimmer ist: eine Kollegin hat die auch schon erkannt und mich darauf hin angesprochen. Örks.

Das einzige, was wir nebenbei noch schaffen, ist unser Bad Nr. 2 aus dem Boden zu stampfen. Es gibt nämlich noch einen Raum im Haus, in dem sollte schon immer ein zweites Bad eingebaut werden. Dieser Raum war zunächst Rohbau, dann mutierten die 4 Wände vollautomatisch in so eine Art Rumpelkammer, dann wohnte mal meine Mutter darin, danach wurde es zum Gästezimmer und nach und nach wieder zu einem unkontrolliert wuchernden Abstellraum. Aber Lieblingskerl hat mir vor 4 1/2 Jahren versprochen, dass er mir ein Bad einbaut. Schließlich ist er (kein Witz!) gelernter Rohrleger (das war wirklich kein Anmachspruch!). Natürlich gab es weder Steckdosen noch Wasserrohre, nur irgendwo in der Wand ein blind nach oben verlegtes Heizungsrohr und sonst eigentlich nur 4 Wände, Decke, Fußboden. Naturbelassen. Nebenbei und wenn es die Zeit erlaubt werkeln wir da rum.

Ach, und hin und wieder machen wir Urlaub. Manches Mal auch kombiniert mit der Beschaffung von Badmöbeln. Beispielsweise sind wir im Februar an den Chiemsee gefahren, weil es dort unseren Traumwaschtisch mit Unterschränken und Spiegel als Ausstellungsstück gab. Fuffzich Prozent reduziert!

Und letztes Wochenende waren wir an der Nordsee und haben die Augen nach maritimen Dekostücken offen gehalten. Gar nicht so einfach, der Grad zwischen cool und kitschig ist echt schmal. Wir hatten die leise Hoffnung, eine tolle originelle Wanduhr zu finden, weil wir im Netz einfach nicht fündig wurden. Und dann scheitert das daran, dass mir eine Kleinigkeit wie ein knallroter Sekundenzeiger einfach nicht in mein Farbkonzept passt und darüber hinaus zu billig aussieht. Naja, ist ja auch ganz nett, wenn man noch offene Wünsche hat. Man erfüllt sich ja fast postwendend jedes Bedürfnis und mir fehlt hin und wieder die Phase der Vorfreude, wenn man sich nach langer Zeit etwas gönnt.

So relativiert sich mein Gejammere über den Job natürlich auch wieder. Am 15. jeden Monats gibt es dafür Schmerzensgeld.

Dann sitze ich mit meinem Lieblingskerl zusammen im Garten, bestaune, was die Natur jedes Jahr für grüne Wunder vollbringt und wir freuen uns, dass wir größtenteils gesund sind und wir weder auf der Straße sitzen noch hungern müssen. „Jammern auf hohem Niveau“ fällt meistens, aber dann gibt es auch wieder diese Momente, wo man sich sagt, dass der Beruf einen trotzdem nicht krank machen darf. Schließlich gehe ich noch rund 22 Jahre arbeiten, da wäre es doch schön, wenn man etwas Freude und Motivation hätte und sich nicht jeden morgen hinquälen muss.

Heute früh sagte ich zum Lieblingskerl: ja, mach mir mal auch einen Becher Kaffee zum mitnehmen fertig – dann habe ich einen weiteren Grund, ins Büro zu fahren – und sei es nur, um die Blase zu leeren!

Kleiner Ausblick und Gedankenstütze für mich:

– ich möchte Euch unser fertiges Bad zeigen (noch steht die Badewanne allerdings hochkant im Flur…)

– seit gestern arbeite ich an einem maritimen Klorollen/Klobürstenständer, da kann ich mal ein DIY verbloggen

– Ende Juli fliegen wir nach San Francisco und reisen 3 Wochen durch Kalifornien, Arizona, Utah und Nevada

Das war es zunächst.

Seid lieb gegrüßt

MCL

10

Willkommen 2018!

Hallo Ihr Lieben,

kann das wirklich wahr sein und das neue Jahr ist schon über eine Woche alt??? Wann ist das denn passiert?

Ich war am 2. Januar total fleißig und habe nach der Arbeit zusammen mit Sohnemann eine Bankkarte für sein Girokonto beantragt. Damit hat dieses blöde Bargeldrübergeschiebe endlich ein Ende! Der Dauerauftrag ist auch schon eingerichtet und so kommt es nicht mehr zu diesen peinlichen Momenten, wo ich Sparschweine schlachten und in Couchritzen suchen musste, um den Nachwuchs 3 Minuten vor dem Verlassen des trauten Heims mit Kohle auszustatten. Jetzt kann er selbst vergessen, noch beim Geldautomaten vorbei zu gehen *hihi*

Und dann haben wir noch ein Großprojekt erledigt: Reisepässe beantragen. Ist ja nicht so einfach, denn dafür braucht man ein biometrisches Passbild. Dafür braucht man einen Fotografen (keinen Automaten! Ich habe da Erfahrung!), die Haare müssen sitzen, ebenso der Lidstrich, man benötigt einen der seltenen „heute-mag-ich-mein-Spiegelbild“-Tage und dann muss man noch bedenken, dass man während der Öffnungszeiten beim Fotoladen sein MUSS! Nicht sollte, dürfte, könnte! Also weder davor noch danach. Sehr schwierig! Und bei Sohnemann kam noch der Wunsch eines kurz davor erfolgten Friseurbesuchs dazu und so dauerte das Procedere der Passbildbeschaffung so rund 8 Monate. In der Zeit habe ich mal ein Kind zur Welt gebracht *lächel*

Warum Reisepässe?

Wie genau wir darauf kamen kann ich gar nicht genau sagen… ich wollte mal eine längere und weitere Reise mit meinen Männern machen. Dem Sohnemann die Welt zeigen. Und nach wildesten Ideen und fernsten Zielen steht nun fest:

Nächstes Jahr geht es für 3 Wochen in den Westen der USA! *TUSCH*

Zwischendurch sollte es mal 3 Wochen mit dem Wohnmobil durch Kalifornien werden, aber die PREISE!!!! 

Es könnte also sein, dass ich euch in näherer Zukunft ein wenig mit Reisevorbereitungen zutexten werde. Das ist nämlich eine echt spannende Angelegenheit!

Was schon steht:

  • Flug
  • Leihwagen
  • Hotels und Motels für 21 Tage

*hibbel*

Morgen liefert uns der nette Postbote 3 niegelnagelneue Koffer. Dann schnappe ich vor Vorfreude garantiert über!

Heute war ich auf Dienstreise in Hannover. Das lief nicht so optimal… denn die Sitzung wurde leider abgesagt. Davon habe ich erst vor Ort erfahren. Mist. Nun, also habe ich einen Kaffee getrunken, den Geldautomaten genutzt und bin wieder zurück zum Hauptbahnhof gefahren. Als hätte ich nichts zu tun und gähnende Leere auf dem Schreibtisch.
Hier noch ein paar kleine Impressionen:

Katzen und Kartons:

die unwiderstehliche Mischung 

Sohnemann kann sich ja pubertätsbedingt  nüscht merken, aber sobald die Werbung mit den Silvester-Feuerwerks-Angeboten  ins Haus flattert, inhaliert er die Informationen und kann diese fehlerfrei wiedergeben, auch wenn man ihm nachts aus dem Schlaf reißt. Er weiß dann genau, wo es was zu welchem Preis gibt und kann sogar die Öffnungszeiten der Discounter auswendig.  Dank Winterferien und einer unerschrockenen Oma hat er 4 Läden besucht und so sah seine Ausbeute aus (bei Oma in die Dusche drapiert):

Es gab schon schlimmere Jahre 😉  

Liebe Grüße und für alle ein schönes, erfülltes, friedliches neues Jahr 2018

4

November- (und eigentlich auch schon Dezember-) Rückblick

…eh ich wieder völlig in Rückstand gerate!

Fange ich mal mit dem Positiven an: meine Steuererklärung wurde vom Finanzamt anstandslos durchgewunken. Ich fühle mich wie ein stolzer Steuerexperte und quasi so, als hätte ich Elster selbst entwickelt. Aber das Öffnen dieses Umschlags vom Amt: „neee, ich mach den nicht auf! Das versaut mir den Tag! Da kann nix gutes drin stehen! Ich sterbe, wenn ich das jetzt lesen muss… ach, ich bin jetzt mal todesmutig… gut… ich habe eine neue Steuernummer bekommen. Sonst nüscht.“ Beim 2. Brief vom Finanzamt konnte ich also noch nicht mal hoffen, dass mir nur eine neue St.-Nr. verliehen wird. Es ist aber immer wieder wie der letzte Fight gegen den Endgegner in einem Videoplay…

Sonst war der November sehr stressig. An 7 Tagen war ich nicht im Büro, sondern in Hannover oder Frankfurt. November ist der Monat der Personalversammlungen an allen Standorten der Firma und für Berlin hatte ich die Ehre, die Rede erst zu schreiben und dann vorzutragen. Ist eingeschlagen wie ne Bombe.

Kurze Zusammenfassung:

Berlin: hier läuft seit dem Wechsel auf das neue Computersystem nichts mehr!

Vorstand: geht ja gar nicht, da muss ne Lösung her!

Hannover: übertreibt ihr hier nicht total?

Berlin: eigentlich ist es noch viel, viel schlimmer

Vorstand: los, gründet eine Task Force und holt die Kuh vom Eis!

Orga/IT: interessiert uns nicht die Bohne

Berlin: Hallo! Probleme! Echt jetzt!

Vorstand: na, Probleme gelöst?

Orga/IT: alle anderen sind schuld. wir kennen das neue System nicht und können daher nicht helfen. Der Benutzer möge sich selbst an den Haaren aus dem Dreck ziehen

Berlin: schön, dass wir mal drüber geredet haben

Hannover: sehr ihr. doch alles nicht so schlimm

Vorstand: gut gelöst die Problematik!

Orga/IT: wir helfen immer wieder gerne

ich: OK, beim nächsten Mal halte ich die Fresse und spring lieber aus dem Fenster. Dann gibt es bei wenigstens eine Bewegung hier.
Der Job nervt also zunehmens. Mit deutlichen Warnsignalen: Ohrenschmerzen und Zahnschmerzen, ohne dass Ohren oder Zähne krank wären.

Am 30. November war ich um 21:00 zurück in Berlin, dann noch schnell im Lieblingssuperdupermarkt einkaufen und dann habe ich bis tief in die Nacht hinein Cupcakes gebacken, damit Sohnemann am 1. Dezember eine Geburtstagslage in der Schule schmeißen kann. Nebenbei noch Geschenke und Adventskalender verpackt und befüllt.

Auf den Nägeln:20171219_193948988860493.jpg Weihnachten!

Lieblingsfrisur:

keine Zeit und keine Lust auf Experimente. Dutt. Fertig.

Im CD Player:

Der Ohrenarzt hat Pillen verordnet, damit die Hörknöchelchen nicht verkommen. Ansonsten vermeide ich alles, was lauter ist als Papiergeraschel.

Bemerkenswert:

Schnee Anfang Dezember. Zu früh. Mist.

 

Schön:

Weihnachtsmarkt in FFM:

 

Blöd:

Den Weihnachtsmarkt in Liebenberg konnten wir leider nicht besuchen, WEIL WIR KEINEN PARKPLATZ BEKOMMEN HABEN!!! Echt jetzt: wir wurden die Karre nicht los. Da sind wir wieder nach Hause gefahren.

Gewerkelt:

Eine Tischdecke für die Adventszeit. Und Kekse; diese sind recht grün geraten. Merke: Lebensmittelfarben bleiben nicht über Jahre hinweg farbtreu. Unbedingt neue kaufen!

Und die kleinen Nettigkeiten sind auch erledigt- separater Beitrag folgt.

Zum Schluss:

Ich wünsche Euch und Euren Lieben eine gute Weihnachtszeit. Erholt euch gut, genießt die Momente mit der Familie und sehr darüber hinweg, dass nicht alles perfekt ist.

Frohe Weihnachten und einen unfallfreien Rutsch ins Neue Jahr für Euch alle, Ihr Süßen!

5

Der Juli in Wort und Bild

Ihr Lieben, mir kommt es vor, als säße ich in einem Karussell und der Schiffsschaukelbremser hätte frei. Zum einen, weil mir immer noch ganz oft schwindelig ist – das sind die „Nachwehen“ meines Hörsturzes, vielleicht ist noch ein weiterer hinzu gekommen, ich weiß es nicht genau. Zum anderen prasselt gerade so viel Arbeit auf mich ein, dass mir schon beim drüber Nachdenken ganz schwummerig wird. Vielleicht sind auch nur alle Schiffsschaukelbremser im Sommerurlaub.

Im CD-Player:

Das wird jetzt vielmehr eine kleine Geschichte meines Autoradios…
Mein Nullachtfuffzehn Standardradio, welches Peugeot so standardmäßig verbaut, war ein treuer Gefährte. Bis es anfing, recht unkontrolliert zu rauschen.

Lieblingskerl ist, wie viele geliebte Kerle, recht technik-affin und fand mein werksseitig verbautes Autoradio würdelos und primitiv bis anstößig. Also musste Ersatz her, so eine Mischung aus bezahlbar und richtig gut. Meine Bedingungen waren: das muss mit dem Bedienhebel am Lenkrad kompatibel sein und meinem Handy und mir strippenlos das freie Sprechen ermöglichen.

Gesagt, geklickt. Das neue Teilchen kam ganz prime unverzüglich geliefert und… ließ sich nicht aus der Ferne bedienen. Beim näheren Studium der Bedienungsanleitung war auch die Freisprechfunktion mehr optional als optimal… Hätten wir doch nur vorher auf jedes Wort geachtet! Die Option bestand darin, ein weiteres technisches Hilfsmittel käuflich zu erwerben und dann ans neue Radio vorne ranzutüdern – genau das, was ich auf keinen Fall wollte! Kabelsalat kann ich partout nicht leiden.

Nun begab es sich aber, dass just so eine Freisprecheinrichtng Lieblingskerls Auto zierte – diese zog dann in mein Mutterschiff ein. Problem Freisprech: check. Also, wenn man mit echt mieser Sprachqualität klarkommt. Eigentlich kommt damit nur Lieblingskerl klar… alle anderen Gesprächspartner beschweren sich immer, dass ich offenbar von einem Raumschiff aus anrufe. Vermutlich versteht er bei mir auch nur die Hälfte und tut nur so, als wäre alles tutti, um seinen Fehler nicht zuzugeben. „Neee, Schatzi, alles gut! ICH versteh Dich einwandfrei!“ Ich muss mal suchen, wo er die Kamera im Innenraum meines Autos montiert hat und rausfinden, wann er gelernt hat, von den Lippen abzulesen.

Für die Lenkradfernsteuerung hat er einen Adapter im Netz bestellt und anschließend noch einen tatsächlich passenden Adapter nachgeordert. „Diese Franzosen und ihre Verkabelung!“ Ja, hätte ich ihm vorher sagen können – ich habe schon mal bei meinem alten Franzosen das Autoradio versucht auszutauschen. Stecker war lustig gelb, sah völlig anders aus, als der bundesdeutsche handelsübliche Stecker, der an meinem Radio baumelte, daran hingen bunte Kabel in Rosa und Blö… dann habe ich mir das Radio von einem versierten Techniker einbauen lassen und künftig weder Radio hören noch den Scheibenwischer betätigen können… Hing an der gleichen Sicherung und wenn man die Masse mit der Erde verwechselt… oder sowas ähnlich voll klug klingendes… Und bin schließlich jaulend in eine Vertragswerkstatt gerollt (nachdem ich im Winter die Frontscheibe nur mit Hilfe einer Flasche Wasser und einem Gummiwischer alle paar Meter manuell vom Dreck befreien musste). Dabei schwor ich mir: wenn Franzose, dann künftig immer mit dem mitgelieferten Stulle-Standardradio. Punkt!!!

Nun ja – die Fernbedienung läuft unterdessen, das Radio knarzt immer noch. „Das muss an der Antenne liegen!“. Dann wurde die Dachantenne einer näheren Prüfung unterzogen. Die ist doch sicherlich schadhaft. Kann man doch sicherlich im Internet nachkaufen, oder? Ja, kann man. Also, entweder lag es daran, dass am ersten Abend irgendein Tier die neue Antenne bis auf einen winzigkleinen Stummel abgenagt hat oder dass das neue Dings von vornhinein bemackt war… Das Radio knarzte weiterhin. Also wurde flugs noch eine zusätzliche Wurfantenne bestellt, die den Kabelsalat rings ums Radio noch formschön ergänzte. Ergebnis: Radio knarzt immer noch.

Dann wurden Foren besucht, Freunde befragt und schließlich verschämt ein Profi bei einem Auto-Teile-Fritzen hinzugezogen. Jaaaahaaaaa… es gibt nicht nur dieses Antennendings auf dem Dach, sondern darunter noch einen Repeater – also einen Verstärker. Wenn der nicht funktioniert, kann da die schönste Antenne drauf sitzen und es bring nix. Auch Repeater kann man im Internet bestellen. Also so bestellen, wie ich das bei meinem Franzosen gewohnt bin: bestellen, auspacken und dann feststellen: Nä, passt doch nicht! Dann mit dem Verkäufer Kontakt aufnehmen und betteln, dass man die Ware bitte nochmal umtauschen kann. Mit Hinweis auf „der Wagen ist Franzose“ sind die dann auch ganz verständnisvoll und mailen einen Retourenschein. Nur ausdrucken und zurücksenden.

Dieses Mal konnte die Kette der unglückseeligen Verknüpfungen blöder Missstände noch um weitere Faktoren erweitert werden: Erster Drucker: Toner leer. Zweiter Drucker: kommuniziert nicht mehr mit dem Pad. Zur Krönung des Ganzen: Laptop lässt sich nicht mehr hochfahren.

Ich brauche also auch einen neuen Computer!!!!! Suuuuuper!!

Nun ja… der zweite Repeater mit den richtigen Anschlüssen wurde zwischenzeitlich montiert uuuuuunnnnnnnd:

weiterhin rauscht es im Radio und ich lasse es jetzt einfach aus. Ruhe ist voll schön, wenn man einen Hörsturz hatte. Voll therapeutisch und so.

Wenn ich Trotz der lädierten Ohren Musik höre, dann Linkin Park. Ich bin immer noch erschüttert, dass Chester nicht mehr lebt und versuche nun noch mehr auf die Texte des neuen Albums zu achten. Die Stimme mit der größten Ausdruckskraft und Bandbreite ever. Tragisch.

Lieblingsfrisur im Juni:

Ich entwickele mich zu einem echten Dutt-Mädchen. Es wird Zeit, bewusst dagegen zu arbeiten.

Auf den Nägeln:

Eine Mischung aus einem cremefarbenen Lack und einem Topcoat mit Sandeffekt hat die Zehen geziert. Der Überlack war wirklich sandartig… rau fühlte sich das an. Nicht sehr angenehm, sich damit über die Unterschenkel zu reiben. Wobei es sehr hilfreich war, Mückenstiche schnell von einer juckenden Stelle in eine offene Wunde zu verwandeln. Der Lack eignet sich vielleicht besser, um die Sandoberfläche bei einem abgeschrubbelten Skateboard aufzumöbeln. Ein echter Fehlkauf.

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Gehandwerkelt:

Wir haben an unserem Müllhäuschen weiter gearbeitet. Nun müssen nur noch Kleinigkeiten fertig gestellt werden – das dürfte uns erfahrungsgemäß einige Jährchen beschäftigen 😉

Hier mal die Rohbauversion:

Und hier schon einen Schritt weiter:

Es fehlen noch die Türverschlüsse, daher die behelfsmäßigen Klötzchen über den Türen. Und das Blau sieht beim ersten Anstrich immer recht fies aus – das wird noch dunkler und gleichmäßiger!

Wir haben teilweise Reste wiederverwertet, daher der bunte Anstrich. Das wird alles noch Dunkelblau mit weißen Kanten und Rahmen.

Anarchie auf der Straße

Ich bin genervt. Sehr schwer genervt. Auf meiner Strecke heimwärts gibt es eine unberechenbare und daher unzumutbare Baustelle. Die Stadtautobahn verengt sich nun ausgerechnet knapp nach einem Autobahndreieck von 4 Spuren (ich habe da mal großzügig die Auffahrt von der Avus auf die A100 mit einbezogen…) auf 2 Spuren, um sich nach ungefähr 500 Metern auf eine Spur Richtung Wedding und eine Spur Richtung Reinickendorf/ Spandau/ Hamburg/ Rest der Welt aufzuteilen. Also gibt es dort jeweils einen potentiellen Auffahrunfall bei der Verengung und einen potentiellen Auffahrunfall bei der Verzweigung. Die Erfahrung hat gezeigt, dass ein Unfall dort täglich in die Tat umgesetzt wird. Passierdauer: mindestens eine halbe Stunde länger. Ist ja auch klar, dass mein Weg nun ausgerechnet über die meistbefahrene Brücke Deutschlands führt und dort mal wieder gebaut wird – jetzt, nachdem eine Brückensanierung gefühlt vorgestern erst fertig gestellt wurde.

Nun fahre ich entweder spät ins Büro und erst gegen 20:00 Uhr heimwärts, oder lasse mich vom Lieblingskerl bis in die Stadt mitnehmen und wechsele dann auf die Öffentlichen Verkehrsmittel. Da kannste schließlich auch wat erleben!

Kulinarisches Highlight

Eher kulinarischer Tiefflug… dieses mal auf Usedom erlebt.

Eigentlich reichte uns Abends eine Kleinigkeit, also wollten wir den nebenan gelegenen Campingsplatz und seinem Imbiss einen Besuch abstatten. Der präsentierte sich beim vorabendlichen Absacker so nett und friedlich! An diesem Abend spielte allerdings eine Live-Band (70er-Jahre Rock – sehr gitarrenlastig – absolut nicht mein Fall!) und es gab nur noch wenige freie Plätze. Rappelvoll die Hütte, selbst Kinder halfen mit beim Abräumen (Kinderarbeit! Die waren nicht älter als 10!) und wir wurden fast ne halbe Stunde ignoriert. Also malten wir uns aus, wie lange das noch dauern würde, nachdem uns eine Bestellung gelänge – und sind gegangen.

Im nächsten Lokal mussten wir etwas rumstehen, da wir nicht reserviert hatten. Irgendwann setzten wir uns dann an einen der leeren Tische im Garten und durften auch nach kaum 20 Minuten bestellen – allerdings erstmal nur Getränke, da heute bereits Gäste wie die Heuschrecken über das Lokal hergefallen sind und der Koch seine Belastungsgrenze erreicht hätte. Pünktlich nach der Bestellung setzte ein Platzregen ein. Den großen Sonnenschirm konnten wir leider nicht ohne fremde Hilfe öffnen (da muss es einen Trick geben!) und es fühlte sich auch keiner bemüßigt, uns zu helfen. Die ersten Gäste mit den elitären Sitzplätzen nah am Haus flüchteten zu diesem Zeitpunkt bereits und so zogen wir auf andere Sitzplätze um – dort gab es eine Markise mit schnöder Kurbel. Damit kamen wir klar. Leider schüttete es seitlich an der Markise vorbei, so dass wir uns auf unserer Bank langsam aber sicher an der Hauswand hocharbeiteten bis uns dann doch eine mitfühlende Bedienung reinrief – wir sollen doch bitte den letzten reservierten Tisch belegen statt da draußen in der Kälte zu riskieren, mit dem Regenguss in das Achterwasser gespült zu werden. Die Gäste, die für 20:00 reserviert hatten, waren bis 21:00 noch nicht da und kamen auch nicht mehr.

Dann dauerte es sicherlich keine Viertelstunde mehr und wir durften unser Essen ordern. Kurz vor 21:00 war es dann auch schon auf dem Tisch!

Es schmeckte allen vorzüglich. Also allen bis auf mir… Denn meine Linguini in Käse-Weißweinsauce mit einem Schuss Olivenöl entpuppten sich als eine kleine Salatschüssel voll mit Nudelmatsch in einem halben Liter Öl mit Käseklümpchen. Noch nicht mal ein Hauch Petersilie oder Basilikum zierte das Desaster, auch wenn es geschmacklich auch nix mehr hätte retten können. Dieses Mal war ich auf die Frage „Schmeckt’s?“ gut vorbereitet und zählte flüssig meine Mängelliste auf. Auf die Bestellung eines anderen Gerichts verzichtete ich lieber, denn erstmal hätte es rein rechnerisch Mitternacht werden können, eh der Ersatz aufgetafelt wird, zum anderen hatte ich seit Stunden Hunger und war schon einen Schritt weiter – nahezu im Fastenmodus. Damit war der Chef aber überhaupt nicht zufrieden und kredenzte mir einen eigenhändig zusammengestelltes Salattellerchen. Lieblingskerl meinte noch: die restlichen Gerichte seien echt lecker und pfiffig, aber Nudeln kann der Koch nicht. Da konnte der Chef nur ehrlicher Weise erwidern: „weiß ich!“ und zugeben, dass vegetarische Gerichte die Phantasie des Kochs überfordern. Ich wollte schon Vorschläge abspulen, bis mir in den Sinn kam, dass wir im 21. Jahrhundert leben. Soll der doch selbst was googlen!

Gefreut:

Juli ist bei uns ein Feiermonat. Sowohl meine Mom als auch ich haben in dem Monat Geburtstag und ich freue mich immer auf die Gartenparty und darauf, mit Freunden Zeit zu verbringen. Selbst das Wetter blieb zahm und hat mitgespielt.

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Über die Rosenblüte habe ich mich dieses Jahr auch sehr gefreut. Die Freude währte allerdings nur bis zum nächsten sinnflutartigen Regenguss – der hat entweder die Blüten zerschlagen, komische helle Flecken hinterlassen oder gefüllte Blüten geflutet und zum Schimmeln gebracht. Ich habe dann alles abgeschnitten *heul*

Gesehen und leider kein Foto gemacht:

Der letzte Vollmond sah unglaublich groß und orange aus. Im Auto dachte ich noch, daheim gleich mit dem Fotoapparat rauszugehen. Daheim hatte ich das leider bereits vergessen. Oder war das schon im August? Ich bin urlaubsreif!