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Lernen lernen

Gestern gab es an Sohnemanns Schule einen Vortrag zum Thema „Das Lernen lernen“ und da dachte ich mir „besser spät als gar nicht“ und bin da mal hin. Lieblingskerl natürlich im Schlepptau, denn der kann auch mal die Lauscher aufspannen, wenn es darum geht, sich Wissen in Sachen Kindererziehung anzueignen.

Und ich muss sagen: Spannend! Unterhaltsam! Informativ!

Auch für mich selbst war da einiges dabei, wo ich mich selbst wiederfand. Ein Blick auf meinen Schreibtisch genügt, um mich als kretiv-chaotisch ausgerichteten Lerntyp einzustufen. Zum GLÜCK ist man ja immer ein Mischtyp und ich habe auch sehr viele Anteile aus dem logisch-abstrakten Bereich. In mir steckt auch ein Streber! Sohnemann würde ich eher als emotionalen Lerntyp einschätzen – herausragendes Merkmal: ohne Lob nix los. Bei Kritik kompletter Rückzug. Passt. Wenn man es erstmal weiß, lässt sich damit besser umgehen.

Das Beste daran: wenn ihr selbst Kinder im schulpflichtigen Alter habt und Eure Schulleitung bzw. die Elternvertreter mitziehen, kann man so einen Vortrag auch an die Schule eurer Sprößlinge holen. Kostenfrei! Nähere Infos findet ihr hier

 

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Zu weinerlich?

Sohnemann hat arge Sorgen in der Schule und ich strebe einen Schulwechsel für ihn an.

Freie Plätze gibt es an der in Frage kommenden Schule nicht, also soll ich der Schulleitung schriflich mein Anliegen vortragen.

Hier also mein Entwurf:

 

Sehr geehrte Frau Schulleitung,

heute wende ich mich an Sie mit der Bitte um Überprüfung, ob ein Schulwechsel meines Sohnemanns an Ihre Top-Schule zum Beginn der 8. Klasse möglich wäre.

Leider durchläuft Sohnemann an der Ätz-Schule einen Leidensweg. Ein Mitschüler hat sich ihn als Ziel für Beleidigungen, Provokationen und Verleumdungen ausgesucht und leider erhält Sohnemann keine Unterstützung der Lehrer, um dagegen vorzugehen. Der Mitschüler geht dabei sehr geschickt und einfallsreich vor, so dass selten ein Lehrer konkret etwas mitbekommt. Nun soll ich mich mit Unterstützung des Elternvertreters selbst an dessen Eltern wenden, da seitens der Schule bislang nichts erreicht wurde.

Die Jahrgangsleiterin der 7. Klassen lehnt Gespräche mit den Eltern des entsprechenden Schülers mittlerweile ab, da der Vater einen sehr respektlosen Umgang gegenüber Frauen pflegt. Klassenkonferenzen verlaufen ergebnislos und der Mitschüler fühlt sich durch das inkonsequente Vorgehen nur noch mehr darin bestätigt, dass er machen kann, was er will und ihm nichts passiert. Stattdessen dreht der Mitschüler den Spieß um und behauptet bei jeder Auseinandersetzung, er hätte nichts getan, sondern ihm wurde etwas angetan.

So musste Sohnemann schon Strafarbeiten erledigen, weil Aussage gegen Aussage stand und kein Lehrer sich die Mühe machte, sich näher mit der Angelegenheit zu befassen. Vielleicht war der Mitschüler auch nur lauter und vehementer bei seiner Aussage. Sohnemann wurde auch einmal vom Unterricht ausgeschlossen, musste einen Tag lang vor dem Lehrerzimmer sitzen, mit der Begründung, er wäre immer dabei, wenn was passiert und hätte einen generellen Denkzettel verdient. Es wurde auch behauptet, Sohnemann würde spucken und schubsen, obwohl das zum Standardrepertoire seines Mitschülers gehört.

Da der Mitschüler bereits 2 Kinder auf dem Schulhof verprügelt hat, wobei ein Kind sogar im Krankenhaus versorgt werden musste, und auch gerne mit seinem schlagkräftigen großen Bruder droht, hat mein Sohn jeden Morgen kein guten Gefühl auf dem Weg zur Schule.

Erst letzten Montag  wurden Sohnemann von dem Mitschüler vor Beginn der Sportstunde Beleidigungen zugeflüstert, aber Sohnemann war es, der für seine Bemerkung „Lass mich in Ruhe!“ 10x den Satz „Ich höre auf die Anweisungen meines Lehrers“ aufschreiben musste, weil er quatschte, obwohl gerade der Lehrer sprach. Seine Erklärung wurde vom Sportlehrer abgetan mit den Worten „Ist mir doch egal. Regelt das untereinander. Eure Probleme interessieren mich nicht!“. In der Umkleidekabine gingen die Provokationen weiter und Sohnemann hat sich innerlich so aufgeregt, dass er starkes Nasenbluten bekam. Den anfänglichen Streit musste er dann, neben der schriftlichen Strafarbeit, zu Papier bringen und abgeben – so, wie es an der Ätz-Schule bei jeder Auseinandersetzung üblich ist. Abschließend musste er noch sein Blut aufwischen und verbrachte den Rest des Sportunterrichts liegend auf einer Bank.

Bedauerlicher Weise tritt mein Sohn bei der Verteidigung seiner Rechte immer sehr zurückhaltend auf und möchte lieber Streit vermeiden, als aufzubegehren und anzuecken. Er frisst dann Probleme in sich rein und ich selbst brauche viel Fingerspitzengefühl, um nach Schulschluss herauszufinden, was genau ihn betrübt und warum er wieder sehr in sich gekehrt und traurig ist.

Meiner Meinung nach sollte eine Schule das soziale Miteinander ihrer Schüler fördern, den Heranwachsenden die Chance geben, zu selbstbewussten Persönlichkeiten heranzureifen und Gerechtigkeit zu erfahren. Sohnemann hingegen lernt Angst, Resignation und Ungerechtigkeit kennen. Auch das Miteinander im Klassenverband ist geprägt durch gegenseitiges Misstrauen und es wird seitens der Lehrer gefördert, sich gegenseitig anzuschwärzen. Leider gibt es dadurch keinen Zusammenhalt in der Klasse und wenig echte Freundschaften. Förderliche Maßnahme wie beispielsweise eine Klassenfahrt finden nicht statt. Entgegen seiner Erfahrungen aus der Grundschule Heilewelt nutzen viele Lehrer an der Ätz-Schule das Anschreien der Kinder als Erziehungsmethode. Das verunsichert ihn zusätzlich.

Deswegen möchte ich Sie bitten, Sohnemann die Chance zu geben, durch einen Schulwechsel wieder Spaß am Lernen und  Freude mit den Mitschülern zu erleben.

Seine schulischen Leistungen konnte er bislang noch auf einem guten Niveau halten, allerdings möchte ich nicht abwarten, bis der tägliche Spießrutenlauf sich auf seine Leistungen auswirkt. Eine Kopie des Prognosezeugnisses für das 2. Schulhalbjahr 2016/2017 füge ich zur Kenntnisnahme bei.

Ich hoffe sehr, dass Sie meine Bitte wohlwollend prüfen und stehe jederzeit gerne für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Die heulende Mutter

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Bedienungsanleitung

Sohnemann sollte in Lebenskunde eine Bedienungsanleitung für sich selbst schreiben. Ahhhh, jaaaaa…. Nun gut. Wenn das hilft… Da Schreiben mein Ressort in unserem kleinen Familienunternehmen ist, hab ich ihm mal etwas als Vorschlag unterbreitet:

 

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– Allgemeines

Diese Bedienungsanleitung gilt für Sohnemann in der Baureihe vom 01.12.2003 (im Folgenden Sohnemann genannt).

Der bestimmungsgemäße Gebrauch von Sohnemann wird im Allgemeinen mit „Leben und leben lassen“ bezeichnet.

Der Lieferumfang beinhaltet einen Körper und ein Gehirn (in der Basisversion). Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres sind Zubehörteile wie Kleidung und Besitz beim Hersteller (siehe Abschnitt „Gewährleistung“)  erhältlich.

 

– Grundlegende Sicherheitshinweise

Sohnemann funktioniert nur, wenn man ihn Essen, Trinken, Bewegung, Spiel, Freizeit, eine Schlafmöglichkeit, liebevolle Zuwendung  und unbegrenzten Internetzugang zur Verfügung stellt.

Keinesfalls darf man ihn unter Wasser drücken, die Nahrungszufuhr einstellen, Zuneigung entziehen oder ihm sein Hobby „Angeln“ vorenthalten.
 

– Beschreibung

Sohnemann ist ein Mensch und auch als solcher zu behandeln. Er kann eigenständig Fühlen und Denken (ggf. siehe  Abschnitt „Störungsanalyse“) und nach Aufforderung auch leichtere Tätigkeiten ausüben. Bei sachgerechter Pflege wächst und gedeiht er und kann zunehmend eigenverantwortlich handeln.

Er ist nur zum Gebrauch auf dem Planeten Erde zugelassen. Für extraterristrischen Gebrauch sind spezielle Zusatzausbildungen nötig (beispielsweise Studium der Luft- und Raumfahrt).

 
– Angaben zur Montage

Sohnemann wird unverpackt geliefert. Vollständig betriebsfähig ist er rein rechtlich jedoch erst nach Vollendung des 18. Lebensjahres.

 
– Anlagenbetrieb

Serienmäßig erfolgt die Inbetriebnahme durch das Zubehörteil „Wecker“. Mit etwas Übung kann diese Funktion in den Sommermonaten auch durch den Lichteinfall ins Teenagerzimmer übernommen werden.

Außer Betrieb gesetzt werden kann er nur durch Müdigkeit und Schlafverlangen oder sachgemäße Betäubung. Hierzu wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Apotheker.

 
– Instandhaltung

Sohnemann benötigt regelmäßige und abwechslungsreiche Mahlzeiten.  Sehr positiv haben sich hier die Gaben von Dürüm Döner, Mezzo Mix und Ben&Jerrys Eis erwiesen.

Zwecks Aufrechterhaltung von Motivation und Lebensfreude werden regelmäßige Unternehmungen mit Familie und Freunden empfohlen.

Über Nacht wird die Aufladung des inneren Akkus mittels „Schlaf“ empfohlen. Hierfür ist das Teenagerzimmer entsprechend abzudunkeln.

Empfohlen wird die regelmäßige Wartung beim Arzt mittels Vorsorgeuntersuchungen „U1 – U9“ beziehungsweise der Vorsorgeuntersuchungen „J1 und J2“.

Unerlässlich sind auch tägliche Gaben von mindestens einem Lächeln, einer Umarmung und eines Gute-Nacht-Kusses.

 
– Störungsanalyse

Im Falle der einsetzenden Pubertät empfiehlt es sich, dass alle Beteiligten, die mit Sohnemann zu tun haben, erstmal durchatmen und die Ruhe bewahren. Das Problem löst sich meistens von selbst, wenn Sohnemann das Erwachsenenalter erreicht.

Eingeschränktes Denken lässt sich leider nur durch wiederholtes Üben, Üben und Üben erweitern. Hier hilft in der praktischen Anwendung nur Geduld.

Blockaden (üblicher Weise als „Faulheit“ bezeichnet) lassen sich hin und wieder beheben, indem man den Nutzen aufzeigt und Spaß und Freunde vermittelt. Blockaden im Bewegungsapparat hingegen lassen sich zuverlässig beim Ostheopathen ausräumen.

 
– Angaben für den Notfall

Im Notfall zunächst Sauerstoffzufuhr erhöhen, Wasser zuführen und 112 wählen. Anschließend die Erziehungsberechtigten informieren.

 
– Gewährleistung

Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres haften Eltern für ihre Kinder.

Hersteller und Erziehungsberechtigte ist

Martinacarmenluise

Straße + Ort

 

 

 

Ich finde, solche Bedienungsanweisungen sind im Alltag nahezu unverzichtbar für jeden Menschen. Jeder sollte eine haben. So kann man beim ersten Date gleich Bedienungsanleitungen austauschen und erlebt später keine bösen Überraschungen. Beispielsweise ist man gleich gewarnt, wenn der Verzehr von Döner zu üblen Pupsen führt und kann gleich abwägen, ob das einer glücklichen Beziehung im Weg steht – oder man selbst zum Gegenschlag ausholt und Bohnensuppe in sich reinschaufelt. Oder man kann Diskussionen schlank halten, in dem man auf seine Bedienungsanleitung verweist – „Schatz, das steht doch schon unter „Allgemeines“, dass ich ohne meine Mutter oder Tante Gertraud niemals ins Kino gehen werde – jetzt tu mal nicht so überrascht!“. Man könnte damit auch gleich festlegen. wie man reagiert, wenn der Partner den Hochzeitstag/ Geburtstag/Kennenlerntag vergisst: „Bei nachlässiger Beziehungspflege droht Entzug der körperlichen Zuwendungen bis zu einer Woche.“ Somit spart man sich auch Grübeleien und Taktiken darüber, wie man diese Nachlässigkeit des Gegenübers denn nun trefflich strafen könnte. Einfach nachschlagen und gut.

Für mich brauche ich dringend eine eigene Bedienungsanleitung. Es gibt da noch ein paar Dinge, die sollte Lieblingskerl einfach deutlich unter die Nase gerieben bekommen… („Allergie gegen Schwiegermütter“ beispielsweise) – außerdem kann ich ihn vielleicht so ermuntern, endlich oben im Bad die Badewanne einzubauen. Mit dezenten Hinweisen im Kapital „Umgang mit Versprechen und ähnlichen Hoffnungsschimmern“

🙂

 

 

 

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Mission: Rettung der Applikation

Es war einmal vor langer, langer Zeit… also so gefühlt. Damals lief „Cars“ in den Kinos und so trug Sohnemann auch einen entsprechenden Pulli mit einem Aufdruck des sympathischen sprechenden roten Autos mit den großen Augen.

Sohnemanns Liebe zu dem Shirt fand jedoch ein jähes Ende, als die Waschmaschine ihren Job etwas zu ernst nahm und nicht nur Schmutz, sondern auch große Teile des Aufdrucks entfernte. Ai caramba!

Also habe ich in mühsamer Kleinarbeit die restlichen Klebefetzchen vom Stoff runter geknibbelt und kurzerhand Sohnemanns Namen aus Jeansresten appliziert.

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Tja… nun ist es ja so, dass bei aller Sorgfalt und sämtlichen Bemühungen das Wachstum durch nichts aufzuhalten ist. Es kam wie es kommen musste…

Nun war mir das gebastelte Shirt etwas zu schade zum wegwerfen… und bei personalisierten Sachen ist ein etwaiger Käuferkreis bei i-bay extrem eingeschränkt. Also lag das gute Stück lange Zeit einfach nur rum.

Bis mir eine gute Freundin ins Gedächtis kam:

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Also habe ich heute einfach mal losgelegt… und bei der Gelegenheit auch noch Jeansreste formerly known as Hosenbeine wiederverwertet. Die fielen im wahrsten Sinne des Wortes im Sommerurlaub ab, als ich spontan ne kurze Hose brauchte.

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Auch den Reißverschluss habe ich meiner Meinung nach ganz gut hinbekommen:

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Somit habe ich heute geupcyclet, eine Erinnerung konserviert und meine Hände sinnvoll benutzt. Zwischendurch hätte ich sie gerne dem liebreizenden Pubertier um den Hals gelegt… Hormone wirken sowas von unharmonisch auf den Familienfrieden… aber das ist eine andere Geschichte!

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Stilvoll aus dem Rahmen fallen

In nächster Zeit häufen sich hier die Feste. Heute feiert Sohnemanns Klasse den Abschied von der Grundschule, nächsten Mittwoch wird meine Mom 80, am Freitag geht eine Kollegin in Rente.

Damit man ein paar Fotos von dem Tag knipsen kann, welche für sich selbst sprechen und auch Kamerascheue vor die Linse bekommt, habe ich für die Kids eine mobile Fotowand gebastelt:

Man braucht einen alten ausgediente Rahmen; meiner beherbergte mal einen Spiegel, der leider einen Sprung hatte. Als Unterlage habe ich mich für eine Hartfaserplatte entschieden, damit man das ganze noch ohne Kraftanstrengung halten kann. Kostenpunkt für 100×120 cm um die 5,00€, die Tapeten sind übrig gebliebene Rest.

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Platte mit Tapetenkleister besteichen, mit der Tapete bekleben und gut trocknen lassen. Dann den Rahmen auflegen, anzeichnen und Mittelteil mit der Stichsäge ausschneiden. Kraftkleber großzügig auf der Rahmenrückseite auftragen, Rahmen auf die Vorderseite platzieren und beschweren (ein Tisch bietet sich hier an). Sicherheitshalber habe ich von hinten noch 4 kleine Schräubchen durch Hartfaserplatte und Rahmen gejagt.

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Dann die Frontseite noch passend dekorieren: ich habe mich für eine Wimpelkette mit Jahreszahl entschieden- dass passt als Grundlage schon mal ganzjährig 😉
Dazu kam noch das Logo der Schule, das Ortswappen, Datum und die Klasse. Je nach Anlass kann man hier kreativ loslegen!

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Beispielhaft guckt jetzt mal ein Sofakissen durch den Rahmen. Und Kalle demonstriert, dass man sich auch super vor dem Rahmen in Szene setzen kann.

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