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Herbst

Leute, es ist Herbst. Nicht nur da draußen vor der Tür, auch so generell und überhaupt bin ich im Herbst angekommen.

Die ersten Haare werden grau, der Sohnemann wird nächste Woche 10 Jahre alt und mir graut (da isse schon wieder, diese herbstliche Farbe!) schon ein wenig vor dem Kindergeburtstag, zumal ich zu… tja, wie sage ich das jetzt nett?… zu beschäftigt war, um mich um solche Details wie Reservieren einer Kartbahn oder Terminvereinbarung bei einem professionellen Kinderbespaßungsunternehmen zu kümmern. Dieses Jahr also Party zu Hause. Nervenschonende Events wie DVD einschmeißen und Kino auf der Couch habe ich da im Hinterköpfchen und wenn ich nicht zu verpeilt bin, geh ich noch raus in den Nebel und verstecke einen Geocache, drücke den Kids ein Smartphone in die Hand und hoffe, dass sie sich mindestens 2 Stunden verlaufen…

Warum war ich denn so beschäftigt? Na, wer weiß es??

Rischtisch! Lieblingskerl ist schuld. Wer sonst. Ich sicherlich nicht. Nie!!! Oder?

Im Herbst unserer beider Leben angekommen haben wir nicht lange gefackelt und wohnen quasi schon zusammen. Warum Zeit verschwenden? Könnte ja bald Winter werden und bis dahin wäre es schön, den gemeinsamen Nestbau fertig zu haben.

Kurzerhand wurde der obere Flur umgebaut. Mein Kleiderschrank, der einst im Flur als begehbarer eingerichtet war und vor nicht allzu langer Zeit ins Schlafzimmer einzog, ist wieder in den Flur zurück gewandert. Dafür mussten die Sachen, dieses ganze Zeux, was die Lücke schloss, die der ehemalige Kleiderschrank hinterließ, wo der neue wieder hin wandert, einfach mal wech.

Mädels… (Jungs…)! Wahnsinn!!!

So richtig klar war es mir nicht, wenngleich ich eine gewisse Ahnung hatte… Ich bin ein Sammler! Rudimentäre, ganz tief liegende Anlage… Garantiert genetisch bedingt. Ja, so muss das sein, anders ist das nicht zu erklären. Also hier mal ein kurzer Schwank zurück *whoosch*

Meine Mom kam auf die Welt, als die Welt aus den Fugen geriet. Baujahr 1936. Behütet aufgewachsen, bis Klasse 2 lief noch alles normal. Dann musste die gesamte Familie den Nachnamen wechseln, weil Onkel Kurt fortan bei der Kripo ermitteln wollte. Das ging natürlich nur mit einem blütenreinen teutonischen Namen! Also wurde der verdächtig nach „Feind Polen“ klingende Name mit dem verräterischen -ski am Ende flugs gegen ein stammbäumelig belegtes, hübsch klingendes preußisches Wort ausgewechselt. Dann kam der 2. Weltkrieg, Länder wurden verschoben und im heimeligen Ostpreußen war Heimat schwer zu finden. Fremde Menschen zogen plötzlich in das Elternhaus, dessen Wohnraum plötzlich staatlich verordnet einem nicht mehr zustand. Der Vater hat nach Verteidigung des Vaterlandes vergessen, dass er eine Frau und zwei Kinder hat und vergnügte sich lieber fortan im weltoffenen Berlin und vergaß seine Familie zu sich zu holen und so zog meine Oma mit den beiden Mädchen zum Opa aufs Land, als Fremde das eigene Haus überfüllten. Als der Opa krankte, die meisten Nutztiere von heimatlosen Flüchtlingen geschlachtet waren und der Winter kam, machte sich meine Oma mit ihren beiden kleinen Mädchen zu Fuß „heim ins Reich“. Unterwegs jedoch, all die leidenden Menschen angesichtig, kam sie zu dem Entschluss „Sterben können wir auch zu Hause!“ und kehrte um. Meine Mutter erinnert sich noch heute ganz lebendig daran, dass ihre angebissene Schmalzstulle noch auf dem Küchentisch lag und sie sich über dieses unerwartete Mahl über die Maßen freute.

Meine Mom kann bis heute nichts wegwerfen. Man könne es ja irgendwann einmal gebrauchen. Wer weiß, ob es morgen noch Kleidung zu kaufen gibt oder der Handel mit Lebensmitteln eingestellt wird? Eben. Lieber aufheben. Ist ja noch gut.

Mein Vater hat öfters alles hinter sich gelassen. In der Kindheit von Berlin evakuiert aufs platte Land in Sachsen-Anhalt, mit 17 dann abgehauen in den „Westen“, eine Ehe ging in die Brüche – und zwar wörtlich. Da gab es eine Scheidung mit der Kettensäge und er hat tatsächlich das Bett in zwei Teile zerlegt und die weiteren Einrichtungsgegenstände auch sehr wörtlich halbiert. Dann kam meine Mutter und die beiden wurden sesshaft und mehrten ihre wenigen Habe.

Eigentlich ging es meiner Familie finanziell immer gut. Vielleicht kann man sogar von Wohlstand reden. Trotzdem wurde nichts verschwendet. Ich kann mich an viele Sonntage erinnern, an denen über dem Couchtisch eine Wolldecke ausgebreitet wurde, der Schraubenkasten des Tischlermeisters darüber entleert wurde und meine Eltern und ich gemeinsam Schrauben, Dübel, Unterlegscheibchen, Muttern und Bits nach Länge und Größe sortierten. Dass es solche Kleinteile fertig abgepackt in jedem Baumarkt zu kaufen gab, entdeckte ich mit neunzehn selbst. Davor wurde alles wiederverwendet und aufbewahrt. Es gab ein eigens dafür errichtetes Gartenhaus für Arbeitsplattenreste, Küchenfronten und Besteckeinsätze. Sollte in vielen Jahren einmal ein Kunde das Verlangen nach einer graßgrünen Küchenschublade eines längst insolventen Herstellers haben – mein Vater hatte das gewünschte Ersatzteil!

Darüber hinaus bin ich als Einzelkind aufgewachsen. Zwei halbe Brüder, die in maximaler Entfernung aufwuchsen, ergabe keinen ganzen Brunder für mich. Und ich kann mit Fug und Recht behaupten: ich wurde verwöhnt! Jetzt nicht unbedingt in emotionaler Hinsicht… Mein Vater war ein cholerischer Despot und meine Mutter sein Opfer. Aber die mangelnde Nestwärme wurde stets materiell ausgeglichen. Ich hatte alles, ich bekam alles. Jedes Mal, wenn mich meine Eltern vor dem Großkauf (der zu damaliger Zeit von Kindern unter 12 nicht betreten werden durfte!) im Auto zurück ließen, fragten sie mich, ob ich denn einen Wunsch hätte. Ich wollte jedes Mal eine Barbiepuppe haben. Und: ich bekam sie auch jedes Mal! Noch heute hüte ich meine um die 50 Puppen wie meinen Augapfel. Meine manifestierte Liebe meiner Eltern. Nur halt anders…

Ich hatte auch ein BMX-Rad, obwohl ich nie richtig damit fuhr. Ich hatte einen eigenen Fernseher, als die meisten Haushalte nur einen für die ganze Familie hatte – mit Kabelanschluss! Kurzum: ich hatte alles. Jedenfalls alles, was sich mit Geld kaufen ließ. Insofern fielen auch Bestrafungen auch stets monetär aus. Mein Taschengeld entfiel des öfteren und natürlich wurde ich bei jeder Gelegenheit enterbt. Ich habe einen ganzen Ordner voll mit bösen Briefen und Testamentsänderungen. Natürlich wurde ich beim tatsächlichen Ableben meines Vaters in Schriftform nochmal so richtig abgekanzelt und mit dem gesetzlichen Pflichteil abgestraft.

Auch Erziehungsmaßnahmen liefen stets durchs Portemonnaie. Spring vom Fünf-Meter-Brett ins Wasser und Du bekommst 100 DM. Oder: wenn Du auf der Waage 65 Kilos hast, schenke ich Dir 10.000,00 DM. Blöderweise war ich auch immer störrisch und anti… aber das ist eine ganz andere Geschichte!

So ist es vermutlich kein Wunder, dass ich mich gerne mit wertigen Dingen umgebe, mich selbst bevorzugt mit Einkäufen belohne und darüber hinaus auch ungerne aussortiere.

Lieblingskerl hat meine rosarote alles-ist-gut-Brille ordentlich geputzt und mir einen freien Blick auf meine Habseligenkeiten ermöglicht.

Mein Thermoskannenbestand hat sich in den letzten Tagen von 11 auf 5 reduziert (immerhin…). Meine Anhäufung bunter Zeitschriften und Broschüren wurde eingedampft und letzten Dienstag der Altpapiersammlung von Sohnis Schule zugeführt. 165 Kilo Papier weniger im Obergeschoss – man hörte die Deckenbalken förmlich erleichtert ausatmen. Auch der Bestand an Klamotten schmilzt zusehens. Bettwäsche, die die letzten 10 Jahre nur noch den Boden der Kommode sahen, flogen raus und auch die 18 Einziehdecken und 12 Kopfkissen mit plattgelegender Dauenfüllung, auf die ich ohnehin allergisch reagiere, gingen über die Wupper.

Zu meiner Ehrrettung: die Idee, nicht noch mehr Zeux anzuhäufen, hatte ich bereits aus eigenen Stücken im August getroffen. Dass ich mich darüber hinaus auch noch von die Ecken verstopfenden Krempel trennen kann – darauf musste mich Lieblingskerl erst stoßen. Betriebsblind sage ich da. Der Platz war verfügbar, es bestand nie Bedarf nach der perfekt aufgeräumten Bude, die aussieht wie aus dem Möbelhauskatalog entsprungen und… naja, ist ja noch gut und vielleicht kann man das nochmal gebrauchen.

Es wird sich einiges ändern.

Im Herbst meines Lebens ziehen sowohl Lieblingskerl als auch rationale Habensverwaltung in mein Leben ein.

Ich bin entzückt.

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MCL in love

Hallo, meine liebe Leserschaft!

Für den Fall, dass Ihr Euch fragt, was bei mir so los ist und was ich in letzter Zeit gewerkelt habe, wollte ich mich mal melden.

Alsoooo: gestern habe ich tatsächlich 2 Reihen gestrickt. Wahnsinnsleistung!

Ansonsten hat man keine Zeit für’s Stricken, Nähen, Basteln, whatever, wenn man gerade bis über beide Ohren verliebt ist, jede erdenkliche Minute Zweisamkeit (gut; oft auch Dreisamkeit) genießen möchte und dazwischen viel mit dem Lieblingskerl telefoniert und Textnachrichten austauscht.

Ich erlebe einfach eine wunderbare Zeit und bin daher auch wenig am bloggen und kommentiere nur noch schnell und hastig, setzte Prioritäten und genieße und betreibe güldenes Schweigen was das ganzganz Private betrifft.

Was Ihr wissen dürft: Der Lieblingskerl ist einfach wunderbar. Und ich bin keine Pfanne. Es gibt meinen Deckel und wir haben uns zum Römertopf erklärt. Herz klopft sogar jetzt, wenn ich über ihn schreibe. Mir geht es phantastisch und… hach.

Bei Hermine und bei Eisfreak gab es die Tage Postings über das was-wäre-wenn und daher stellte sich mir auch die Frage: warum verdammt nochmal kommt mein Lieblingskerl erst jetzt um die Ecke? Ganz einfach: weil jetzt alles perfekt ist. Zur rechten Zeit am rechten Ort. Alles passt. Wir haben sogar die gleiche Blutgruppe und einmal Rhesusfaktor positiv und einmal negativ ergibt eine magische Anziehungskraft.

Liebste Grüße von einer Martina Carmen Luise mit kleinen Herzchen in den Augen