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Besuch vom Tierarzt

Bei uns auf dem Dorf besucht man mit seinen Lieblingen nicht den Tierarzt, sondern der Tierarzt besucht einen zu Hause.

Genauer gesagt eine Tierärztin. Ihr ist es lieber, die Mitbewohner in vertrauter Umgebung zu impfen, damit die keinen Transportstress haben.

Mir ist das auch lieber – denn sobald die Katzenbox ins Haus geholt wird, ist von Kalle nüscht mehr zu sehen.

Im letzten Jahr war das auch schon so ein Akt – er verschwand mehrmals via Katzenklappe in die Freiheit (die er kurzerhand auf seiner Flucht in 2 Teile zerbrach) und ließ sich draußen nur einmal mit Klappern an der Futterdose einfangen. Beim zweiten Mal hatte er den Trick durchschaut und drehte sich noch nicht mal nach dem Geräusch um. Eigentlich gelang das Festsetzen nur, weil bei seinem 2. Fluchtversuch ein Auto die Straße entlangfuhr und er – vorsichtig isser ja – doch lieber stehen blieb. In dem Moment konnte ich mich auf ihn stürzen.

Dieses Jahr haben wir in Kalles Anwesenheit noch nicht mal „Tierarzt“ gesagt. Sicher ist sicher. Einfach so tun, als wenn nichts weiter wäre… ein ganz normaler, entspannter Tag. Er war auch bis schätzungsweise 17:25 in Sichtweite. So berichtete mir jedenfalls mein Lieblingskerl via Handy. Als die Tierärztin allerdings um 17:30 eintraf… war von Kalle weit und breit keine Spur mehr. Trotzdem heute das Mittagessen für die Katerbande ausfiel, damit man den Futterjoker zur Not noch ausspielen konnte. Selbst Rascheln mit Trockenfutter, rufen und Tütenrascheln führte nicht zum Erfolg. Also konnte heute nur Mikas geimpft werden.

Aber noch sind wir schlauer als er: wir sollen doch einfach anrufen, wenn er im Haus ist. Dann kommt die Ärztin schnell vorbei und verpasst ihm die nötige Impfung. Ich hoffe, er lernt bis dahin nicht das Durchtrennen von Telefonkabeln und Apportieren von schnurlosen Telefonen…

Kalle – unsere Diva
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Mikas – immer voll gechillt
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Diebstahlsicherung

Gestern waren wir das erste Mal nach dem Urlaub wieder Lebensmittel einkaufen und da ich meinen verfressenen Kollegen noch eine nachträgliche Urlaubslage schuldig bin, dachte ich daran, noch ein paar fehlende Backzutaten mitzunehmen und einen schönen, saftigen Gugelhupf zu backen. Eier fielen mir auf Anhieb ein, ebenso Butter. Doch irgendwas fehlte… es wollte mir bei bestem Willen nicht in den Sinn kommen!

Daheim angekommen reichte ein Blick in den Vorratsschrank: wir haben kein Mehl mehr!!!

Dabei war das im Urlaub quasi der Running Gag, dass ich an jedem Souvenirstand und jedem Geschäft sagte: ob die hier wohl Mehl haben? Diesen schönen, saftigen Gugelhupf hatte ich nämlich auch für die Fahrt gebacken und mit Entsetzen festgestellt, dass in der (nicht abgetupperten) neuen Tüte Mehl sich Mehlwürmer breitgemacht hatten!!!

So, und was ich eigentlich erzählen wollte *abschweif*

Auf dem Weg zum Discounter umme Ecke begebe ich mich immer nur mit leichtem Gepäck, meistens Portemonnaie in der Hand und – an guten Tagen – mit einer Tüte in der Hosentasche. Im Büro halte ich das immer noch für eine gute Idee, auf der Straße denke ich nach wenigen Metern stets, dass das eigentlich saudoof ist, weil man mir die Geldbörse doch noch viel schneller aus der Hand reißen könnte als eine Handtasche von der Schulter. Der Innsbrucker Platz ist nämlich keinesfalls Ponyhof und heile Welt, sondern wird förmlich jeden Tag etwas abgerissener… Selbst die Apotheke ist weggezogen. Das will schon echt was heißen!

Jedenfalls geh ich heute wieder so die Straße entlang, denke meine üblichen Szenarien durch und umklammere die Geldbörse noch etwas fester, als mir wieder einfiel: dieses Portemonnaie wurde mir schon einmal gestohlen!

Ja; und zwar in der U-Bahn. Dazu muss man wissen: wenn ich ein Buch lese, bin ich weg. Was man da sieht, ist nur noch meine leere Hülle und ich stecke komplett in den Zeilen. Man kann mich sogar ansprechen und ich reagiere null. Es sei denn, das Buch ist ganz blöd oder man pustet mir in den Nacken *üaahh*. Also hat ein freundlicher Taschendieb in meine Tasche gegriffen und mein Portemonnaie entführt. Lustiger Weise aus einer Tasche, die mir eine Freundin geschenkt hatte. Die mich auch noch darauf hinwies, dass das eher so eine Einkaufstasche ist, weil nach oben offen und nicht verschließbar – ich solle die ja nicht als Handtasche benutzen, weil die quasi eine Einladung für Taschendiebe wäre.

Nun – wenn ich lese, vergesse ich auch solch gut gemeinten Ratschläge, die mir bei vollem Bewusstsein gegeben wurden. Ich habe mich nur gewundert, weil ich von meinem Buch aufschauen musste (bloß nicht wieder 2 Stationen zu weit fahren wegen eines Buches!) und mich mein Sitznachbar beim Aussteigen so dämlich-vertraulich anlächelte. Ich dachte noch, will der was von mir?!? Aber der wollte sich nur mit einem Lächeln für meine unfreiwillige Spende bedanken.

Da ich vorher gecheckt hatte, ob ich mir noch ein Schokobrötchen beim Bäcker kaufen konnte, wusste ich, dass ich nur 2 Euro und ein paar Cent in der Börse hatte. Genug für ein Schokobrötchen, doch nicht lohnend für einen Dieb.

Vielleicht lag es daran, dass ich dem Dieb irritiert zurückgelächelt habe oder er mich mit sooo wenig Geld in der Tasche als sozialen Notfall einstufte und Mitleid bekam; jedenfalls habe ich nach ein paar Wochen mein Portemonnaie von der Post zugeschickt bekommen. Mit Ausweis, Führerschein und einer plattgewalzten Gedenkmünze aus San Francisco, die sich immer noch darin befanden. Das Bargeld war bis auf den letzten Cent (in nicht-plattgedrückt) verschwunden.

Was war ich froh, dass ich mir die ganzen Dokumente nicht neu ausfertigen lassen musste! Und ich hätte echt vor Dankbarkeit heulen können, dieses Portemonnaie zurück zu bekommen – denn das war aus dem selben Guss wie eine meiner Lieblingshandtaschen und leider nicht mehr nachzukaufen. Geheult habe ich nicht, aber das hätte mich mehr geschmerzt, als mir einen Ausweis nacherstellen zu lassen (Handtaschenfans werden mich sicher verstehen!).

Mit diesem Portemonnaie in der Hand dachte ich mir heute, dass es nahezu ausgeschlossen ist, dass einem ein und die selbe Geldbörse zweimal gestohlen wird.

Das Teil hat jetzt also eine eingebaute Diebstahlsicherung, die einzig und allein auf Wahrscheinlichkeitsrechnung, Statistiken und Hoffnung beruht. Es beruhigt aber ungemein 😉