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Dünnes Nervenkostüm

Zur Zeit genieße ich eine freiwillige autofreie Zeit, weil mich das blöde Gefahre im Berufsverkehr total stresste.

Allerdings haben die öffentlichen Verkehrsmittel einen entscheidenden Nachteil: Menschen.

In der S-Bahn kommen mir beim Einsteigen zwei junge Männer in der Tür entgegen, die im gesamten Waggon ihre Duftmarke aus Schweiß, Knoblauch und hochkonzenztriertem Testosteron hinterlassen haben. Sofort fühle ich mich olfaktorisch angegriffen und weiß keine Gegenwehr. Dabei hatten die beiden vermutlich noch nicht mal Sackhaare.

Ein Freak braucht an meinem Zielbahnhof ein lautstark düdelndes Radio um sich rum, so dass ich bereits an der Haltestelle Abstand suche und im Bus mich extra weit entfernt von ihm hinsetze. Nach 10 Stunden im Büro mit Telefondienst ist meine akustische Toleranzschwelle bereits seit Stunden überschritten.
Man müsste eigentlich was sagen, damit der Depp merkt, dass seine Dauerbeschallung nervt. Aber wer weiß, wie so einer reagiert, dem
seine Mitmenschen so offensichtlich schnurz sind.

Hinten im Bus vom Regen in die Traufe: da sitzt ein Typ und redet unentwegt in einer mir fremdartigen Sprache, die alles andere als lieblich und nett klingt. Sehr harte kurze Worte, mit hörbarem Hass vorgetragen. Als ich dann bemerke, das er gar keinen Gespächspartner hat, statt dessen immer lauter spricht und seine Worte unterstreicht, in dem er seine Fäuste immer wieder auf der Rückenlehne vor sich niederfahren lässt, wird mir doch mulmig zumute. Ich schaue mich unter den anderen Fahrgästen um, aber die reagieren nicht im mindesten auf diese Hasspredigt. Bin ich zu verweichlicht für die Berliner Verkehrsbetriebe?

Nächster Bus, nächste Nervensäge. In der gegenüber liegenden Sitzreihe zieht eine junge Frau alle 30 Sekunden deutlich hörbar den Rotz die Nase hoch. Leider habe ich keine Taschentücher dabei. Sonst hätte ich ihr eins rüber geschleudert und sie angeschrien, dass sie sich verdammt nochmal die Nase putzen soll!

Hoffentlich ist Sohnemann schon im Bett, sonst schnauze ich den noch grundlos an. Nach 12 Stunden außer Haus sind auch ohne Stau im Auto die Nerven runter.

Noch 21 Jahre, 10 Monate und 26 Tage bis zur Rente für langjährig Versicherte…

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Unterwegs mit MCL

Dieses Jahr war uns ein Urlaubsziel irgendwie zu wenig, daher haben wir eine Rundreise durch den Süden Schwedens und Norwegens gemacht. Mit dem Wohnmobil und unter Zuhilfenahme diverser Fähren.

Viele meiner Freunde und Kollegen fragten mich: Schweeeeeden??? Wollt ihr denn gar keinen SOMMERurlaub machen? Daher wird es Zeit, mal ein paar Fragen aus meiner Sicht zu beantworten:

  • In Schweden ist es nicht immer kalt. Die Sommer sind vergleichbar mit unserem, nur, dass es nachts nicht so stark abkühlt.
  • Man wird NICHT von Mücken zerfressen. Jedenfalls nicht, wenn der Camper Fliegengitter an jeder erdenklichen Öffnung hat und man abends noch ein paar Viecher, die sich in den Innenraum verirrt haben, zerditscht.
  • Schwedische Gardinen kennt in Schweden kein Mensch. Also wörtlich: dort habe ich nur Gardinen gesehen, wenn ich aus den Fenstern unseres Leihwohnmobil blickte. Dort hingen welche dran. Die Redewendung bezieht sich auf den harten schwedischen Stahl, der so gerne für Gefängnisgitter genutzt wurde.
  • „Alter Schwede!“ in Schweden auszurufen ist irgendwie komisch.
  • Elche gibt es dort nicht wie Sand am Meer.
  • Die schwedische Familie hat 3 Kinder, einen Hund und fährt Volvo.
  • Die norwegische Familie hat 2 Kinder, lässt die Haustiere daheim und fährt Tesla.
  • Das häufigste Haustier in Norwegen ist das Schaf. Es läuft frei auf der Straße umher.
  • Schafe wärmen sich ihren Wollarsch gerne auf dem warmen Asphalt. Und wenn’s zugig ist, beziehen sie auch gerne mal eine Tunneleinfahrt. Von Autos oder Wohnmobilen lassen sich diese friedlichen  Tierchen in keiner Weise aus der Ruhe bringen.
  • Völlig egal, welche Haarfarbe die Eltern haben: die Kinder in Skandinavien sind alle strohblond. Keine Ahnung, wie das mit der gängigen Vererbungslehre in Einklang zu bringen ist, aber so ist es nun mal.
  • In den skandinavischen Ländern wird ab Klasse 1 Englisch unterrichtet. Daher spricht dort jeder besser Englisch als Otto Normalverbraucher in Mitteleuropa.
  • Die Sprachen in Skandinavien sind (ausgenommen vom Finnischen) sehr ähnlich. Eher Dialekte ein und derselben Sprache. Dänisch und Norwegisch beispielsweise sind zu 95% identisch, daher findet man oft nur einen Absatz auf der Packungsangabe für Dänen und Norweger.
  • Ich lese auch Rückseiten von Marmeladengläsern, wenn ich im Urlaub bin.
  • Wenn jemand mal einen Tunnel braucht: fragt einen Norweger. So viele Tunnel wie dort habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen.
  • Die Bahnstrecke von Oslo nach Bergen ist 516 Kilometer lang und führt durch unfassbare 182 Tunnel!
  • Und was das für gewaltige Tunnel sind! Ein Strantunnel war über 24 Kilometer lang. Und es gab Tunnel, in denen sich mittendrin ein Kreisverkehr befand. Rechts Oslo, links Bergen. Wir waren total geflasht!
  • Bis wir aus einen Tunnel heraus direkt auf eine Brücke gefahren sind, die über den Hardangerfjord führte. Noch mehr geflasht!
  • Und diese Brücker führte direkt wieder hinein in den nächsten Berg. Und auch dort: Kreisverkehr! As flashed as we could be!
  • Überhaupt: ein Superlativ jagte in Norwegen das nächste: längster Straßentunnel, längster Fjord Europas, tiefster Fjord Europas (beides Sognefjord- 204 KM lang und unglaubliche 1308 Meter tief), höchste Passstraße Skandinaviens (Sognefjellsvegen), höchste Hochebene Europas(Hardangervidda), um nur mal das zu nennen, was ich mir so auf die Schnelle merken konnte. Da gibt’s noch viel mehr!
  • Die schlechteste Pizza ever gibt es in Lom, Norwegen.
  • Den besten Burger mit Fleisch gibt es bei Joes Diner in Charlottenberg, Schweden.
  • Den schlechtesten Veggieburger gibt es bei Joes Diner in Charlottenberg, Schweden.
  • Das langsamste Fastfood von Welt bekommt einen extra Beitrag.
  • Von der Skischanze in Lillehammer kann man auch springen, wenn kein Schnee liegt. Ich täte das für kein Geld der Welt!
  • Auch in Wohnmobilen bekommt man dieses typische Grundschwanken wie auf einem Schiff, was auch anhält, wenn man aussteigt.
  • Man kann auch während der Fahrt auf die Bordtoilette gehen. Sitzen ist jedoch oberste Pflicht.
  • Eine in das Chemieklo gefallene Klopapierrolle löst sich innerhalb von 3 Tagen vollständig auf.
  • Unterwegs einen frisch aufgebrühten Kaffee – kein Problem!
  • Wir hatten Satellitenfernsehen an Bord *ooohhhh*. In den Fjorden allerdings keinen Empfang *aaahhhhh*.
  • In Norwegen gibt es Braunkäse aus Molke mit Karamellgeschmack. Kann man gerne essen (wie ich) oder es auch lassen (wie Sohnemann und Lieblingskerl)
  • Die anderen Käsesorten sind fad, nichtssagend und langweilig.
  • Wir haben ein handelsübliches Stück Halloumi zum Grillen für über 6 Euro gekauft.
  • So große Pakete runden Knäckebrotes wie in Schweden habe ich noch nie gesehen.
  • Entgegen der landläufigen Meinung habe ich weder in Schweden noch in Norwegen etwas vom gesteigertem Alkoholkonsum der einheimischen Bevölkerung mitbekommen.
  • Für das Bezahlen mit der Kreditkarte in Norwegen wurde mir jedes Mal ein extra Auslandsentgelt in Rechnung gestellt. In Schweden nicht.
  • Oft habe wir an Tankstellen getankt, die aus einer einzelnen Zapfsäule bestanden. Gezahlt wurde vorab am Automaten mit der Kreditkarte. Ganz ohne Personal.
  • Es gibt Fähren, bei denen man durch eine Klappe mit dem Auto ins Untergeschoss fahren kann.
  • In manchen Tunneln muss man bei Gegenverkehr beide Außenspiegel anklappen, um unbeschadet durchzufahren.
  • Einmal passte es nur, weil der Gegenverkehr rückwärts in die letzte Parkbucht auswich.
  • Mal schauen, wann uns die Rechnung für all die Mautstraßen und-Tunnel in Norwegen erreicht!

Jetzt aber genug Fakten. Ab jetzt: Fotos!

 

 

 

 

 

 

 

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Das Ossi-Wessi-Schwan-Ding

Für meine Waldfrieden-Mädels

Das vielleicht Schönste an der Kur war der See.

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Insbesondere bei 36 Grad im Schatten (kaum vorhanden).

Gut- mit Ausnahmen. Das tapfere Mädel, die sich am Seeufer einen Holzpfahl in den Oberschenkel rammte, aber trotzdem weiter schwimmen ging, fand vermutlich wasserdichte Pflaster viel schöner. Und ihr Bruder, der in der undurchdringlichen Tiefe lebensbedrohliche Wesen vermutete, der sah das vermutlich auch anders. Bei der zuckersüßen Familie Schwan mit ihren vier Plüschies waren aber alle gleichermaßen verzückt.

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Umso schockierter waren alle, als am letzten Abend unserer Kur Papa Schwan eine Angelschnur aus dem Schnabel hing. Noch mit Blei dran und vermutlich einen Haken am anderen Ende- der jetzt im Hals steckte!

Meine leise Hoffnung, die Kinder am Steg würden es nicht bemerken und ich selbst könnte es ignorieren, wurden durch Kinderschreie unterbrochen, bevor der Gedanke zu Ende gedacht war. Mistmistmist. Was nun?

Vielleicht Papa Schwan mit Futter anlocken und an der Strippe ziehen… Schwierig, doch einen Versuch wert. Insbesondere ohne Futter. Aber irgendwas essbares liegt bei Mutter-Kind-Kuren selbst auf dem Schwimmsteg rum. Die Banane erwies sich nicht als optimal und der Angelmais als zu Ende, bevor Papa genug Vertrauen fasste, um nah genug ran zu schwimmen. War auch nicht so einfach mit einer Horde Kinder, die Angst hatten, dass Familie Schwan Finger abbeißt und Arme ausreißt. Oder wegen der Angelschnur das Familienoberhaupt demnächst bei einer (Achtung! Wortspiel!!) Seebestattung für immer verabschieden muss.

Aber ignorieren ging ja nun auch nicht. Also zur mobilen Allzweckwaffe greifen und erstmal nach Tierrettung und Naturschutz googlen. Die erste Telefonnummer bot nur einen Anrufbeantworter an. Die zweite war nur für Haustiere zuständig und die dritte war die Feuerwehr.

Ein bisschen blöd kam ich mir schon vor, für so ein Geflügel die 112 zu wählen, aber sieht man nicht ständig Reportagen über Rettungsaktionen für sämtliche Wildtiere?

Egal. Jetzt musste der Gesprächspartner nur davon überzeugt werden, dass Schwanrettung total wichtig ist. Also habe ich die Anzahl der weinenden Kinder stark übertrieben, schon das Blei im Schwan reingeredet und über die Wirkung auf die Psyche aller Augenzeugen schwadroniert. Herr Notrufzentrale war auch erstaunlich schnell bereit, für 50 traumagefährdete Erdenbürger ein Einsatzkommando zu mobilisieren. Wir sollen schon mal an der Straße warten, um den Rettungskräften den Weg zum sterbenden Schwan zu weisen (die Wortwitze überschlagen sich heute förmlich).

Familie Schwan war unterdessen entschwunden. What the f***?!? In dem Moment habe ich mich ernsthaft gefragt, was ich da angestellt habe. Als dann noch die Frage aufkam, wieviel einem so ein Feuerwehreinsatz eigentlich Kosten würde, wurde mir echt schlecht. Nein- das hatte wirklich nix mit Magen-Darm zu tun!

Zum Glück fiel dem Sohnemann ein, dass wir die Schwäne garantiert an ihrem Schlafplätze wieder finden können. Also nix wie hin!

Die halbe Stunde Wartezeit habe ich versucht, den Kindern interessante Fakten zur gleich folgenden „Retter im Einsatz Liveshow“ zu vermitteln. Wie sind die Telefonnummern der Polizei und Feuerwehr? Erste Hilfe kann auch ein Anruf sein. Und wusstet ihr, dass tatsächlich so viele Fernsehkonsumenten annehmen, die 911 aus den amerikanischen Filmen wäre sowas wie eine weltweite Hilferufnummer, dass man diese mittlerweile auch hier wählen kann? Zwischendurch ließ ich mich noch von einer Wespe stechen und mich mit der Horde Kinder in Badehose und Handtuch von den Eingeborenen begaffen.

Nach der halben Stunde rief Herr Notrufzentrale erneut an. Es gab technische Problemchen und er konnte erst jetzt den Notruf weiterleiten. Aha. Das ist ja toll. Wo kommt denn jetzt die Feuerwehr her? In welcher Richtung muss ich meine Hoffnung senden? Na, meinte er, die kommen aus Buckow! In dem Moment heulte die Sirene der freiwilligen Feuerwehr los! Voll live!!

Ich habe dann noch gewagt, vorsichtig anzufragen, was mich der ganze Spaß eigentlich kosten würde…?

„Meist sind das so um die 1.000,00 Euro!“

„Sie verarschen mich doch jetzt, oder?“

„Wie kommen Sie darauf?“

„Man hört doch so Geschichten…“

„So? Welche denn?“

„Halt so über gerettete Katzen aus Bäumen…“

„Gute Frau, wie viele Katzengerippe haben Sie schon auf Bäumen gesehen?“

„Äh…?“

„Sehn se, die kommen nämlich alle runta! Noch nie is ne Katze auf nem Boom verreckt!“

„Und jetzt im Ernst?“

„Neee, dat kostet sie nüscht. Es ist ein Wildtier, sie haben das nicht verursacht und sie wollen schließlich nur helfen. Helfen kostet nix.“

Puh!

Das folgende Spektakel hätte ich eigentlich filmen müssen! Das glaubt mir kein Mensch! Aber ich hatte die Kids gerade daran erinnert, dass wir hier keine Party feiern, sondern jetzt voll betroffen sind und mit dem Schwan mitleiden. Da fand ich die Touristen-Nummer irgendwie unangebracht. Ihr müsst mir jetzt mal ohne Beweise glauben.

Also das war so: erst fuhr mit fett Blaulicht und Tatütata der Leiterwagen vor. Drei Männer und drei Frauen an Bord. Dann kam die Einsatzleitung mit einem VW-Bus. Auf dem See traf fast gleichzeitig ein Schlauchboot ein, der von der Seeseite aus den Schwan suchte. Und dann kam noch ein versprengter Feuerwehrmann mit dem Fahrrad hinterher. Mittlerweile stand auch schon die Dorfjugend Gewähr bei Fuß und die Gäste der umliegenden Lokale kamen rübergeschlendert.

Jetzt wollte ich unsichtbar werden. Klappt nur leider nie, so dass ich kleinlaut die Frage nach dem Feuer? Unfall? Wasistlos? mit „Schwan hat Angelschnur gefressen“ beantwortet habe. Die ersten Schaulustigen verließen unter abfälligen Bemerkungen die Bühne. Herr Feuerwehrmann lachte freundlich und meinte, Papa Schwan hat seit dem letzten Jahr die Strippe da zu hängen. Jetzt kam ich mir wirklich blöd vor. Ich bat ihn noch, mir schriftlich zu bestätigen, dass sowas für Schwäne total normal ist und sie daran nie und unter keinen Umständen verenden. Ich müsse das nämlich 100 weinenden, traumatisierten Kindern erklären. Übrigens war am Papa Schwan die letzen 13 Tage weit und breit keine Angelschnur zu sehen.. Und Papa Schwan ließ sich in dem Moment sehr effektvoll total erschöpft zu Boden sinken. Auf den ist Verlass!

Dann ließ sich der Feuerwehrtrupp überreden, doch mal gucken zu gehen. 10 Mann kreisten die Schwanenfamilie ein und beratschlagten, während die anderen 6 halt so rumstanden. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde Papa Schwan vom Rest der Familie separiert, die heftig aggressive Mama Schwan isoliert und einer hielt den Körper fest, während ein zweiter sich den Schnabel schnappte. In dem Moment kam von hinten der ruf des Einsatzleiters, der ziemlich genervt das Kommando gab, den Einsatz hier sofort abzubrechen.

Erneut kam ich mir total bescheuert vor, doch der Feuerwehrmann am Hals rief, er hätte es gleich. Und zog dem Schwan einen echt großen Haken aus dem Schlund. Ein Aalhaken von ungefähr 4 cm Länge und 2 cm Breite. Da brat mir doch einer nen Schwan!

Was waren wir erleichtert!

Mittlerweile war es halb Zehn, die Kinder überdreht und unser Abschlussektchen garantiert pupswarm.

Doch damit nicht genug!

Das am See verbliebene Trüppchen hatte sich zwischenzeitlich mit dem Nachbarn ein heftiges Wortgefecht geliefert. Dieser äußerte sich sehr ungehalten darüber, wie man denn nur für einen Vogel die Feuerwehr rufen könnte! Ein Wort gab das andere und die wortgewaltige Frau S. aus M., eindeutig als Bewohnerin der alten Bundesländer zu identifizieren, musste sich dann anhören, dass „nur ein blöder Wessi“ auf solche Ideen kommt! Nö, das war ein Ossi, der den Notruf tätigte!!!! Das würde niemals ein Ossi machen wurde gekontert und weitere Feinheiten des Gespräches habe ich ja leider verpasst… Immerhin reichte die Lautstärke aus um in der Klinik mit „na, du blöder Wessi!“ begrüßt zu werden. Herr Nachbar wird NIE erfahren, dass ich zwar in Brandenburg wohne, doch waschechte Berlinerin bin. WESTberlinerin…

Ist das nicht arm, dass sowas nach über 24 Jahren des Mauerfalls noch irgend eine Geige spielt???

Aber was soll’s. Wir haben Papa Schwan das Leben gerettet. Das gibt garantiert volle Punktzahl für’s Karma!

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Sommerurlaub

Zeit wird es für eine kleine Urlaubszusammenfassung.:

Geplant hatten wir nichts- der Lieblingskerl hat erst kurz vorher seinen Urlaub genehmigt bekommen und von daher konnte ich mich vorher gar nicht richtig festlegen. Unsere lustige schnelle Gartenschuppensanierung hat unbemerkt ein ganz schönes Loch in der Portokasse hinterlassen und irgendwie habe ich mich auf so ein spontanes ins-Auto-setzen-Ding gefreut.

Erste Vorbereitung: das zur zwischenzeitlichen Lagerung des Schuppeninhaltes aufgebaute Zelt wieder abbauen. Also Machete zücken und aus dem Rasenwildwuchs raustrennen. Meine Güte! Seit Ostern oder so stand diese Übergangslösung wohl im Garten. Und ich muss schon sagen: Sonnenlicht ist nicht zu unterschätzen! Die arme Zelthaut hat ganz schön gelitten, wurde porös und riss schnell ein. Zum Glück hat hier eine Rolle Spezialklebeband schnelle Hilfe gebracht und ich musste einige schlimme Schlitze zuflicken.

Weitere Vorbereitung: Alles, was irgendwie nach Camping aussieht, ins Auto werfen. Für den Rückspiegel dann wieder eine kleine Schneise einbauen. Und noch rasch einen Zeltplatz googlen. Navi braucht ja Futter! Und: irgendein Ziel im Leben ist nicht unwichtig! Also ging es los Richtung nord-östlichster Campingplatz Deutschlands.

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Dieser Zipfel von Deutschland liegt am Stettiner Haff und da gibt es noch nicht mal Füchse, die nem Hasen gute Nacht sagen könnten! Zumindest habe ich keine gesehen… Nur ein paar Meter weiter östlich hatten wir dann auch schon einen polnischen Anbieter im Handy.

Dort angekommen regnete es gerade aus Kübeln und irgendwie hatten wir uns den Einstieg in unseren Campingurlaub anders vorgestellt….

Dafür war der Platz recht hübsch gelegen. Vor unserem Zelt hatten wir noch 3 Meter Rasen und dann begann der Strand. Ideale Bedigungen auch für unseren Angler, der neben dem Bett quasi vom Steg aus angeln konnte. Interessanes am Rande: Angelkarte für einen Tag 6,00 EUR – Jahreskarte 10,00 EUR. Hä? Was’n das für ne seltsame Kalkulation??? Nun ja- Sohnemann ist jetzt stolzer Besitzer einer Jahresangelkarte für Mecklenburg-Vorpommern. Wer weiß, wozu das noch gut ist!

Unsere bereits vorhandene Ausrüstung haben wir in den folgenden Tagen noch wie folgt ergänzt:

– Wasserkocher – der vorhandene blieb zu Hause stehen

– Thermoskanne – die alte stand daheim gleich neben den Wasserkocher

– 2. Luftmatratze in 140×180 cm, da Lieblingskerl und ich auf einer nicht zum Schlafen kamen. Drehte sich einer, wurde der andere in die Luft hochgeschleudert. Nieste einer, vibrierte der andere. Hustete einer, bebte der andere. Liste beliebig erweiterbar…

– neue Luftpumpe. Vorhandener Blasebalg: 2 Stunden missmutiges drauf rumgetrete. Neue Doppelhubpumpe: lustiges 10-minütiges Armtraining.

– 2 Fleecedecken. Die Schlafsäcke waren einfach zu dünn für das plötzliche Herbstwetter

– Adapter für den Campingstromanschluss und 15 Meter Verlängerungskabel – drei Handys auf kurzen Fahren im Auto laden führte regelmäßig zu Interessenskonflikten der Nutzer.

– 4 Holzbrettchen – brauchten wir nicht, sahen aber total chic aus

– 1 Fleecejacke, eine fast winddichte Jacke und eine wirklich winddichte Jacke für mich – irgendwie war ich nicht auf Herbststürme eingerichtet

– 2 lange Hosen für mich – gleiche Begründung

– 1 Paar Stiefeletten für mich – die waren reduziert! und schön! und überhaupt! Schuhe!!!

– 1 warme Jogginghose für den Lieblingskerl – gehört zur naturgemäßen Verwahrlosung auf Campingplätzen und der Anpassung an vorherrschende Kleidungsideale

– 2 warme Sweatshirts für Lieblingskerl – aus den gleichen Gründen

– 1 Angel, 1 Kurbel und diverse Wobbler, Blinker und weiteres Angelgedöns für den Sohnemann. Nun ja – ich sag nur Angeljahreskarte!

– 1 Jeans für den Lieblingskerl. Sie war grün und ich habe ihn wohl irgendwie mit meiner Grünmacke infiziert

– 1 grünes Sweatshirt für den Sohnemann – aus irgendwie allen vorgenannten Gründen

– 1 Armband, 1 Kette, 1 Paar Ohrringe und 1 Ring für mich. Einfach nur, weil sie schön waren. Und Grün.

– Wolle. Wolle. Wolle. Und eine Häkelnadel und eine Anleitung zum Häkeln einer Boshi. Also einer Häkelmütze. Begründung: Wetter.

– Knüpf-Loom-Gummiringe für den Sohnemann. Der wollte bei Regen auch was zu tun haben.

– 1 Satz Schaschlikspieße. Jedes Mal gingen uns Zeltheringe verloren und wir fanden einfach keinen Ersatz. Dafür waren wir dann garantiert die einzigen mit echt langen rostfreien Edelstahl-Heringen!

– Klopapier. Auf einem Zeltplatz gab es keines.

Nach all diesen Anschaffungen war der Zelturlaub besser zu ertragen! An dieser Stelle hatten wir uns dann auch von der Idee verabschiedet, ein Campingurlaub im eigenen Land wäre finanziell schlank.

Trotzdem haben wir es insgesamt nur 7 Tage im Zelt ausgehalten. Danach war alles irgendwie feucht und muffig und wir hatten Rücken und Schulter und die Laune sank zusehens…

Nach dem Stettiner Haff haben wir noch Usedom, Rügen und den Darß bereist. In Zingst haben wir und dann recht genervt bei Dauerregen ein Apartement gemietet. Es war das letzte, welches bei der Zimmervermittlung noch zu haben war. An der Stelle war uns bereits egal, ob wir in einer maroden Kaschemme, auf Stroh im Stall schlafen oder sitzend in einer Badewanne. Aber es sollte einfach nur eine elend teure Nobelherberge direkt an der Seebrücke werden. Über den Preis spreche ich jetzt mal nicht… nur soweit: der Stellplatz für das Auto war NICHT dabei. Und in Zingst gilt ein Nachtparkverbot sagte der freundliche Mann an der Rezeption. Sofern man nicht die Luft aus dem Auto rauslassen und das zusammenfalten kann, braucht man also einen Stellplatz. Und dann verkaufte er uns einen für 12 EUR. Pro TAG!!!

Zusammengefasst kann man sagen, dass es nicht Jedermanns Geschmack ist, alle 2 Tage ein Zelt erst ab- und dann wieder aufzubauen. Insbesondere, wenn dieses regennass ist. Auch kommt nicht jeder damit klar, dass der Sand zwischen den Kiefern, den Dünen und der See überall hingelangt. Erst auf die Luftmatratze, dann in den Schlafsack, dann… uäh!

Aber wir haben echt viel gesehen, viel gelacht und Spaß gehabt.

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Noch ein recht sinnfreier Monolog beim Autofahren:

Lieblingskerl: „Pension: belegt. Ferienzimmer: belegt. Da- Ferienwohnung. Auch belegt. Ich frage mich immer, womit die denn belegt sind. Salami, Schinken… das könnte man doch dazu schreiben, oder? Nanu: da steht auf einem Schild „ÜF“! was ist denn ÜF? Üf, üffff??? Spricht denn hier keiner mehr Deutsch??? Nur noch in Lautsprache? Und dann guck Dir mal die ganzen Ortsnamen an! Sonstwas-vitz. Witz schreibt man mit W! Sowas! Sollen erst mal in die Schule gehen, bevor sie Ortsnamen erfinden. Üff, üff! Und hier gibt es Barther Tomaten. Naja – besser als harte Tomaten, wa?“

Ich habe Tränen gelacht!

ÜF ist übrigens Übernachtung + Frühstück 😉

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Wieder da!

Huhu!

Ich war übrigens weg. So Sommerferien und so… Vielleicht ist es Euch aufgefallen, dass es hier etwas ruhiger war als sonst. Ansonsten wisst Ihr es jetzt 😉

Ja, und bevor wir weg waren, hatten wir noch überlegt, wann wir genau wegfahren… wir hatten nichts gebucht, der Sohnemann sowieso in einem kalkulierbaren Zeitraum Ferien, ich 2 Wochen Urlaub… nur der Lieblingskerl wusste nicht, ob das auch klappt. Gebucht hatten wir daher nichts! Und in Haus und Garten war ja auch noch nicht alles fertig…

Und es stand noch der elterliche Quartals-Pflichtbesuch bei Ihm an und… dann kam am Samstagmorgen der Anruf, dass meine Mom schon wieder im Krankenhaus ist… weil der Blutdruck plötzlich in die Höhe schoss… Und sie sich so fürchtete, dass sie Freitag Nacht noch den Notarzt anrief. Gut reagiert! Beim letzten Mal wartete sie noch bis Montag ab, bis ihre Hausärztin Sprechstunde hatte…

Vorab schonmal: meiner Mom geht es wieder gut, der Blutdruck hat sich auf Normalmaß runtergeregelt und keiner weiß, was war und warum.

So begab es sich also, dass wir erst Dienstag in den Urlaub gestartet sind. Und somit neben Krankenhausbesuchen auch noch ein paar Ausflüge auf dem Weg dorthin einbauen konnten.

Als erstes haben wir natürlich meine Mom besucht und bei der Gelegenheit noch ein wenig das Restaurantangebot in Nauen gecheckt. Und die abendliche Kulisse genossen:

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Am Tag danach haben wir das ehemalige Olympische Dorf in Elstal besucht (liegt auf dem halben Weg zwischen Berlin und Nauen). Dort waren 1936 die Olympioniken untergebracht, die sich in Berlin den Wettkämpfen stellten. Höchst spannend, vor allem, weil „früher“ die Transitstrecke von Berlin Richtung Hamburg dort lang führte. Ich kann mich noch genau erinnern, dass kurz hinter der Heerstraße, kurz vor Dallgow-Döberitz ein Schlagloch auf der Straße wohnte, in der sich ein Kleinwagen ganz bequem drin verstecken konnte. Es wurde jedoch nicht geflickt, sondern musste umfahren werden. Jedes Jahr standen mehr Pylonen rings ums Loch wie stumme Trauergäste.

Jedenfalls kam kurz hinterm Schlagloch immer dieser Abschnitt der Transitstrecke, wo russische Soldaten mit ihren komisch aussehenden Uniformen und den aberwitzig geformten Tellerminenmützen rumliefen. Und ihre grell geschminkten weiblichen Gefährtinnen, die stets zu kurze Miniröcke trugen. Die eigentliche Sensation lag allerdings dahinter: hinter den schiefen Mauern konnte man zwischen den Bäumen Gebäude erkennen, die deutlich älter waren als die zu durchquerende fremde Republik. Da raunten sich schon früher meine Eltern zu: „das ist das Olympische Dorf!“. So wie wir heute raunen würden „und dort liegt das versunkene Atlantis!“ Zusammengefasst: das Olympische Dorf hat mich schon immer angezogen und fasziniert.

Jahrelang kam man allerdings nicht richtig ran oder ich habe mich einfach nicht ausgiebig genug damit beschäftigt, mal über Mauern zu klettern. Vielleicht lag es auch daran, dass ich mich auch sonst nie ausgiebig langweile… einmal war ich dort schon schauen und es war abgesperrt.

Verfallende Gebäude üben auf mich irgendeine nicht zu erklärende Faszination aus. Ziehen mich magisch an. So gibt es auch an der Bahnstrecke Berlin-Hannover ein bröselndes Gebäude, was ich schon mal besucht habe. Da musste man durch Stacheldraht durch und über eine Mauer hinweg…. Und den alten Flugplatz am Erlenbruch in Schönwalde-Glien habe ich auch schon mal erkundet. Das Loch im Zaun war schnell gefunden und man traf auf dem angeblich bewachten Grund zahlreiche Spaziergänger!

Ich schweife ab…. ‚tschuldigung.

Hier ein paar Impressionen vom Olympischen Dorf:

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Und dann mittendrin: ein Baum mit leuchtend gelben Früchten. Mirabellen! Geil!!! Also flink durch eine Absperrung („historischer Grund – Betreten verboten“) und den mal nicht vergessenen Jutebeutel gezückt – und ein Kilo Mirabellen geplückt. Historisch verbotene olympische Mirabellen!

Zu Hause haben wir dann eine Hälfte Chutney und eine Hälfte Marmelade (oder Konfitüre?) daraus gekocht. Meine olympische Disziplin.

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Lecker ist es geworden! Für den pikanten Brotaufstrich kam frei Schnautze noch heller Balsamicoessig dazu sowie etwas Honig und angeschmorte Zwiebeln, Salz, Pfeffer und Sambal Oelek, für den süßen Brotaufstrich bin ich in den Vorratsschrank getaucht und habe eine Tüte Gelierzucker mit Orangenblütenaroma gefunden und diesen dann laut Aufdruck verarbeitet (kann man zusammenfassen mit „reinschütten und aufkochen – fertig!“).

Und wie wir 10 Tage bei Regen im Zelt ausgehalten haben und wie viele warme Jacken ich kaufen musste um nicht zu erfrieren, erfahrt Ihr demnächst auf diesem Senden!

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So letztens unterwegs…

Ich liebe Autofahren! Schon als Kind mochte ich es sehr, mit dem Auto unterwegs zu sein. Auch Verreisen verlief mit Klein-Tina stets reibungslos und ich habe nie genölt und 1000 Mal gefragt: „wann sind wir denn daaaahaaa?“. Stattdessen wachte ich meist erst am Zielort auf, weil das schlaffördernde Motorbrummen erstarb und sagte: „Ach, sind wir schon da?“.

Die Zeiten ändern sich. Heute gebe ich Dauergenöle ab, Motorengeräusche fördern bei mir Aggressivität zu Tage und stets frage ich mich: „wann bin ich denn endlich daaahaaa?“.

Hier ein paar Highlights meiner vergangenen Woche hinterm Lenkrad:

Die Ampel ergänzt zögerlich das Grün um Gelb. Für die meisten Autofahrer ein untrügliches Signal, jetzt noch mal so richtig auf das Gaspedal zu latschen. Ich erwäge die Bremsbenutzung und hoffe, dass das auch mein Hintermann tut. Bremsen an roten Ampeln ist völlig 80er… total aus der Mode und nicht vorhersehbar. Letztens wurde ich dafür sogar böse angehupt. Bremsen… tz…. Jedenfalls kommt der Verkehr langsam zum erliegen. Die Ampel spingt- als hätte ich es geahnt – auf Rot. Sekunden vergehen. Dann wackelt mein treues Gefährt, weil rechts neben mir auf der Busspur ein LKW samt Hänger voll bei Rot über die Ampel pretscht. Schätzungsweise mit 90 Sachen. Ich kann ihn noch ein paar Meter weit beobachten, wie er über die mittlere auf die linke Spur wechselt (Szenen des Films „Speed“ tauchen vor meinem geistigen Auge auf) und dann am Stauende eine Vollbremsung vollführt. Aha, keine Bombe an Bord. Mensch, der Fahrer wird schätzungsweise 12 Sekunden früher am Ziel ankommen als alle umstehenden Verkehrsteilnehmer, die nicht farbenblind sind und hat garantiert 2 Autolängen Vorsprung gewonnen und damit seine Lebenszeit immens bereichert. Applaus. Zum Glück waren an diesem Morgen keine Fußgänger unterwegs, die Ampeln bei Grün benutzten.

Fußgänger habe ich seit neuestem auch auf den Kieker, weil ich (Rechtsabbieger) letztens einem Krankenwagen nicht Platz machen konnte, weil keiner dieser Zweibeiner stehen bleiben wollte. Und ich wollte mir meine frisch restaurierte Motorhabe nicht an einem Menschen verbeulen. Martinshorn und Blaulicht bedeuten dem kleinen Mann auf der Straße rein gar nichts. Sollen sich doch die Autos darum kümmern, Platz zu machen. Oder sich in Luft aufzulösen. Es hat noch nicht mal einer seinen Blick gehoben oder ist aus reiner Neugierde stehen geblieben. Nö -Ampel war ja grün. Punkt.

Stau. Kreisverkehr. Nichts geht mehr. Spurwechsel aussichtslos. Macht nichts – ich weiß ja seit Jahren, wo ich hin will und wie ich mich dort einzuordnen habe. Und dann kommt da so ein vorwitziger Fahrer in einem Elefanten-Rollschuh (Tschuldigung an alle Elefanten-Fans: das sollte keine Beleidigung sein! Aber so nennt man doch Smarts, oder?). Links am Stau vorbei, elegant über drei Fahrspuren vorne ran an die Ausfahrt vom Kreisel – irgendeiner wird den kleinen Hüpfer schon reinlassen. Kleine haben doch immer so einen gewissen Bonus und Welpenschutz, gell? Ich hingegen denke mir: fahr mir doch rein Du Wildsau. Fahrerseite kann eh mal ne neue Lackierung gebrauchen. Werden ja sehen, wer hier Recht bekommt. Muss ich sehen, was sich schräg links hinter mir abspielt beim Rechtsabbiegen, wenn es eigentlich dort keine Fahrspur gibt? Naja, Smartie bremst dann doch (für meinen Geschmack etwas arg spät…) und erhält seinen Mickrigkeitsbonus ein Auto hinter mir. Für die nächsten Minuten pocht mein Herz aber bis zum Hals, ich habe so richtig Puls und denke über Herzinfarkte am Steuer nach. Als druckausgleichende Maßnahme zetere und schimpfe ich die nächsten 3 Minuten ununterbrochen (entspricht 5 gefahrenen Metern).

Letzte Woche alles an einem Tag erlebt:

Erst Stau, wo sonst kein Stau. Huch? Ist Stau ansteckend? So nach dem Motto: Ach, jetzt hat mir die Hauptstraße gestern doch glatt was von ihrem Stau abgegeben. Konnte da gar nix gegen machen! Hochgradig ansteckend sowas. Die hat nur einmal kurz gestaut und schon hatte ich arme Nebenstraße das auch. Wie meine vielen Leidensgenossen bremse ich und steh da halt so rum. Zweispurige Straße, eine Spur zum hinfahren, eine für zurück. Plötzliches Hupkonzert und wieder der Gedanke, dass ich es schon total oft probiert habe, es mir aber noch nienienie gelungen ist, mich in Luft aufzulösen. Watt soll datt denn nu? Stau anhupen, auf dass er sich schrecklich verjagt, den Schwanz einzieht und winselnd entschwindet? Ich beobachte die Szene gespannt im Rückspiegel. Ah, da will jemand in die Seitenstraße abbiegen. Und noch einer. Und noch einer. Klar – logisch! Die Straße führt in einem Bogen wieder vorne auf die Straße zurück. Dann ist man dem Stau total entronnen und hat mindestens 5 Autolängen gut gemacht bei einem Umweg von nur wenigen 100 Metern. Da klasche ich doch innerlich wieder in die Hände! Na wartet- von EUCH lasse ich da vorne keinen rein. KEINEN!!!

An der nächsten Kreuzung wieder der Spurdopplereffekt. Nur eine Linksabbiegerspur? Da machen wir doch schnell 2 daraus. Schau mal, voll einfach. Alles Mutanten!

Dann immer dieses leidige Spurwechselgedrängele. Dass aber auch keiner weiß, wie das geht. Alle denken immer nur: Spurwechsel jetzt! Sofort! Alles löst sich gefälligst in Luft aus, denn ICH will jetzt die Spur wechseln. Ichwillichwillichwill. Nur um 100 Meter weiter festzustellen, ay caramba – linke Spur läuft 0,75 Meter in der Stunde schneller. Also Spurwechsel jetzt! Sofort! Alles löst sich gefälligst in Luft aus, denn ICH will jetzt die Spur wechseln. Ichwillichwillichwill. So auch der Fahrer der uralten Schrottschüssel genau links neben mir. Spurwechsel jetzt. Warum auch blinken? Zieht einfach immer weiter nach rechts auf meine Spur rüber. Ich dreh den Spieß um: warum für Idioten bremsen? Ich hänge nicht an weltlichen Dingen. Fahr doch! Traut er sich dann aber doch nicht und nimmt mit dem Platz hinter mir vorlieb. Nur, um mir dann ständig am Kofferraum zu kleben. Abrupte Bremsungen spare ich mir dann aber doch: ich will schließlich nach Hause. Und hinten sieht das Auto auch noch ganz passabel aus. Mensch, wie der nervt!!!

Als nächstes Kreisverkehrlotterie: nehmen alle Verkehrsteilnehmer diese weißen Gemälde auf dem Asphalt wahr? Und diese lustigen Pfeile? Es gibt tatsächlich an der Stelle 4 Spuren, 2 davon führen aus dem Kreis raus, Spur drei hat eine Option auf im Kreis drin bleiben und die ganz linke führt weiter durch den Kreis hindurch. Aber viele Ungläubige denken: „ach, was soll diese Kritzele am Boden schon bedeuten?“ und fahren trotz aufgemaltem Pfeil nach schräg oben rechts einfach stur weiter nach links. Da aber zwischen diesem ignorantem Pfeilmissachter und mir noch mindestens 20 Zentimeter liegen, kratzt mich das nicht sonderlich.

An der nächsten Ampel verpennt mal wieder ein Fahrer die Grünphase. Früher wurde man noch gewarnt durch diese lustigen Hinweisschildchen: „nicht hupen! Fahrer träumt von Hertha BSC!“. Gibt es die eigentlich noch oder haben jetzt auch Hertha-Fans die Verkehrsregeln gelernt?

Interessant wird es eine Ecke weiter: da versucht mich ein Rollerfahrer von rechts zu überholen, während ein Motorradfahrer zu meiner Linken gleiches versucht. Dabei bin ich kein Schleicher: vor mir kreuzt einfach ein Zebrastreifen meinen Weg und ich möchte nicht die Dame mit Kinderwagen überrollen, damit die beiden Organspender 3,7 Milisekunden schneller irgendwo ankommen. Von mir aus in der Hölle… aber ohne mich. Die Dame oder das Baby haben einen Schutzengel, weil sie den Weg unbeschadet überstehen, ohne von den Zweirädrigen erfasst zu werden. Jedenfalls bis zur Mittelinsel, denn das entgegenkommende Fahrzeug denkt nicht im Traum daran, am Zebrastreifen zu halten. Auch einer von diesen „weißes Geschmieren auf der Straße interessiert mich nicht die Bohne!“-Vertretern.

Der Rollerfahrer rechts bleibt hartnäckig an seinem Vorhaben dran, aber da rechts auf der Fahrbahn bereits eine Frau, im Handy interessiert lesend und den nur einen Meter weiter rechts befindlichen Fußweg misachtend, spazieren geht, scheitert sein Vorhaben aus Platzmangel. Ich hingegen scheitere schon wieder daran, mich in Luft aufzulösen. Verdammt nochmal.

Vielleicht 100 Meter weiter lande ich am Ende eines kleinen Rückstaus wegen einer roten Ampel. Der umsichtige Fahrer vor mir erkennt, dass ein parkendes Auto aus der Lücke raus möchte und hält netter Weise genügend Abstand zum Vordermann. Der Ausparkende freut sich, gibt euphorisch Gas und reiht sich nicht etwa geradeaus ein, sondern zieht eine formschöne Wendekreiskurve in die Gegenrichtung. Und dann: Überraschung! Gegenverkehr! Vollbremsung. Der Gegenverkehr denkt ums Verrecken nicht dran, ihn vorzulassen. 7,5-Tonner sticht SUV. Klare Sache. Also warten der umsichtige Fahrer, ich und der nachfolgende Verkehr resigniert ab, ob der SUV anschließend mir seinem enormen Wendekreis es überhaupt schafft, in die Gegenrichtung zu kommen, ohne nochmal den Rückwärtsgang einzulegen, während die mittlerweile grüne Ampel wieder auf Rot springt. Er schafft es! Yaaay… standing ovations!!!

In der Zwischenzeit entschließt sich der Fahrer aus der linken Querstraße das Durcheinander zu nutzen, um sich noch schnell vor uns auf die Hauptverkehrsstraße zu drängeln. Doch der umsichtige Fahrer vor mir hat nun beschlossen, nicht mehr länger nett zu sein (whow, lernt DER schnell!) und hält drauf. Der kleine klapperige Kleinwagen erkennt, dass er gegen gut gebauter Mittelklasse nichts zu melden hat und bleibt stehen. Ein wenig zu weit nach vorne gewagt hat er sich allerdings schon und folgerichtig muss der Gegenverkehr nun einen Schlenker in die Mitte fahren. Bremsen wissen wir ja, ist immer die schlechteste Option. Voll 80er und sowas von vorgestern! Wollt ihr raten, wer dann fast den Gegenverkehr vorne rechts drin zu stecken hat? Jaaaaaaaa….!

Nächste Ecke wieder der Spurdopplereffekt. Dieses Mal wir aus einer Geradeausspur 2 Geradeausspuren. Aber mich kratzt das irgendwie gerade überhaupt nicht mehr….

Als ich dann noch die Strecke durch den Wald unbeschadet von Wild überstehe und den Blitzer entdecke, bevor er mich entdeckt, bin ich dankbar, den Tag überlebt zu haben.

Um Fragen vorzubeugen:
Nein, die einmal pro Stunde fahrenden öffentlichen Verkehrsmittel sind keine Alternative und kosten mich sogar mehr, als die Fahrt in meinem (durchaus verbrauchsfreundlichen!) Auto. Und nein: solange die Firma keine Dusche bereit stellt und einen ausgebildeten Mediziner, der mich zur Not wiederbeleben könnte, sind auch 27 Kilometer mit dem Fahrrad nicht drin. Schon gar nicht zweimal täglich. Seufz. Ich erdulde weiterhin die Widrigkeiten auf Berlins Straßen. Vielleicht erleidet die Stadt noch vor mir einen Kollaps.

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(Sommer-)Urlaubsstrickereien

Beitrag schlummert als Entwurf schon seit dem 31.07.13 hier rum uuuund jetzt gibt es daheim auch das Internet! Yeahhh….. also jetzt erst veröffentlicht, da nun Fotos angehängt werden konnten. Seht es mir bitte nach, dass hier noch auf dem Rasen die Sonne brezelt und die Blätter noch da waren, wo sie hingehören: an den Ästen

Was im Urlaub doch alles so fertig gestrickt werden kann, wenn man Mangels Auto nicht des Öfteren die Hände am Lenkrad hat und auch viiieeeel Zeit hat, während das Angelkind dem Angelhobby frönt und man zu stundenlangem Stillsitzen im Angelboot verurteilt ist.

Zunächst habe ich das Angeltuch für Sohni fertiggestellt (natürlich in waidgerechten Tarnfarben!):

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Wolle aus dem Supermarkt, Anleitung irgendwo im Netz gefunden – Recherche hat ergeben, das ist ursprünglich von Sue Berg http://www.ravelry.com/patterns/library/v-welle

Testurteil Sohni: „Das kratzt!“ – Aha… schade!

Nach der Wäsche mit extra Fluffiweichzusatz dann aber Entwarnung: ist nicht so schlimm.

In weiser Voraussicht gab es noch weiteren Halsbehang für den zarten Nachwuchs aus superweicher Wolle von Wolle Rödel

Dieses Mal einfach so im Fischgrätmuster (der Brite sagt Herringbone) drauflos gestrickt.

Testurteil Sohni: „Das kratzt ja überhaupt nicht!“ – ja, das war so beabsichtigt! Er trug es an einem kühlen Sommerabend und hat es auch zur Nachruhe nicht abgelegt. Strike!!!

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Übrigens war unsere Herbergsmama ganz vom Muster ergriffen und holte sogleich ihr Buch „1300 Muster“ hervor – und siehe da, Fischgrätmuster hat die Nummer 1301 und war nicht enthalten. Skandal! Ich habe es ihr sogleich beigebracht 🙂

Anschließend wollte ich selbst was Warmes für kalte Sommernächte und habe meine wirrbunten Stinosocken fertig gestrickt.

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Und so konnte ich auch gleich was Lernen: nienich einen Sock stricken, ein Dutzend andere Projekte anfangen und dann den 2. Sock beenden. Mein sonst so festes Maschenbild wurde durch das Fischgrätmuster leider wesentlich lockerer. Aber was soll’s! Ich bin nicht der Freund von Ribbeln und rückwärts stricken, also habe ich jetzt ein erklärtes Bettmodell und außerdem sagte schon Friedenreich Hundertwasser, dass Kleidung nie symmetrisch sein sollte. Das ist langweilig. Er trug stets zwei verschiedene Socken. Ich halt nur im Bett, aber damit komme ich klar.

Testurteil icke: halten nachts die Füße warm. Und wenn das Licht aus ist, sehen sie sogar glech aus!

Und da ich anschließend noch weitere Male im Angelboot rumsaß, habe ich erneut den Winter Breeze von Drops gestrickt. Dieses Mal mit einem Novum: Anleitung eingehalten. Keine kreativen Alleingänge. Und plötzlich sah das Ergebnis auch der Vorlage verblüffend ähnlich. Tja, Strickmuster verstehen ist so eine Sache bei mir!

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