Dünnes Nervenkostüm

Zur Zeit genieße ich eine freiwillige autofreie Zeit, weil mich das blöde Gefahre im Berufsverkehr total stresste.

Allerdings haben die öffentlichen Verkehrsmittel einen entscheidenden Nachteil: Menschen.

In der S-Bahn kommen mir beim Einsteigen zwei junge Männer in der Tür entgegen, die im gesamten Waggon ihre Duftmarke aus Schweiß, Knoblauch und hochkonzenztriertem Testosteron hinterlassen haben. Sofort fühle ich mich olfaktorisch angegriffen und weiß keine Gegenwehr. Dabei hatten die beiden vermutlich noch nicht mal Sackhaare.

Ein Freak braucht an meinem Zielbahnhof ein lautstark düdelndes Radio um sich rum, so dass ich bereits an der Haltestelle Abstand suche und im Bus mich extra weit entfernt von ihm hinsetze. Nach 10 Stunden im Büro mit Telefondienst ist meine akustische Toleranzschwelle bereits seit Stunden überschritten.
Man müsste eigentlich was sagen, damit der Depp merkt, dass seine Dauerbeschallung nervt. Aber wer weiß, wie so einer reagiert, dem
seine Mitmenschen so offensichtlich schnurz sind.

Hinten im Bus vom Regen in die Traufe: da sitzt ein Typ und redet unentwegt in einer mir fremdartigen Sprache, die alles andere als lieblich und nett klingt. Sehr harte kurze Worte, mit hörbarem Hass vorgetragen. Als ich dann bemerke, das er gar keinen Gespächspartner hat, statt dessen immer lauter spricht und seine Worte unterstreicht, in dem er seine Fäuste immer wieder auf der Rückenlehne vor sich niederfahren lässt, wird mir doch mulmig zumute. Ich schaue mich unter den anderen Fahrgästen um, aber die reagieren nicht im mindesten auf diese Hasspredigt. Bin ich zu verweichlicht für die Berliner Verkehrsbetriebe?

Nächster Bus, nächste Nervensäge. In der gegenüber liegenden Sitzreihe zieht eine junge Frau alle 30 Sekunden deutlich hörbar den Rotz die Nase hoch. Leider habe ich keine Taschentücher dabei. Sonst hätte ich ihr eins rüber geschleudert und sie angeschrien, dass sie sich verdammt nochmal die Nase putzen soll!

Hoffentlich ist Sohnemann schon im Bett, sonst schnauze ich den noch grundlos an. Nach 12 Stunden außer Haus sind auch ohne Stau im Auto die Nerven runter.

Noch 21 Jahre, 10 Monate und 26 Tage bis zur Rente für langjährig Versicherte…

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7 Gedanken zu “Dünnes Nervenkostüm

  1. Ich schmeiß mich weg. Ja, Bahnfahren ist Realsatire. Köstlich, wie Du die lieben Zeitgenossen beschreibst. Bus geht meistens noch, aber Bahn in der Großstadt… ich habe ja mal in München gewohnt, das sind selbst die S-Bahn-Fahrer geradezu elitär gegenüber Berlin. Da ich IMMER in Berlin mit ÖPNV unterwegs war/bin, kannst Du vielleicht auch verstehen, warum ich die Stadt nicht besonders mag. Wie wäre es mit einem E-Bike, wenn der Weg zur Arbeit zu weit ist, um zu radeln? Ansonsten: I-Pod, um Dich abzuschotten. Gern auzh mit was Entspannendem. Es gibt ja auch diverse Apps. Leider bin ich im Moment zu d.ämlich, meine Kopfhörer wiederzufinden, aber ich hatte mal ganz schöne Meditative Musik per App, das hat mir gut beim Überleben solcher Situationen geholfen. Und Pfefferspray, für den Notfall. Hilft nur leider nicht gegen Duft- und Lärmangriffe, und ja, die nerven auch.

  2. Ich bin in Berlin auch nicht gerne insbesondere in der U-Bahn unterwegs. Die könnte man echt mal ein bisschen aufmotzen…zum Glück muss ich erst am Montag wieder ins Chaos…

  3. ich kann dich so gut verstehen, da würde ich verrückt werden. Auch wenn ich keinen ÖPNV nutze, ich fahre täglich 70 km mit dem Auto vom „Dörfchen ins Städtchen“ …. und das reicht mir ….. ich bin schon genervt wenn ich endlich im Parkhaus bin dann nochmals 1 km Fußweg vom Parkhaus ins Büro. Das reicht aber nicht um Stress abzubauen. Dann endlich am Schreibtisch…. ganz toll Großraumbüro… da hast du auch keine 5 Minuten Ruhe…. …. Du hast mich zum Schmunzeln und zum Nachrechnen gebracht…. Ich habe noch genau 25 Jahre, 6 Monate und 23 Tage bis zum meinem Renteneintrittsalter ohne Abschlag 🙂 na das sind tolle Aussichten.

    • 9 Stationen mit der U-Bahn aus einem „sozialen Brennpunkt“ im Osten von HH zur Arbeit haben aus mir eine begeisterte Radlerin gemacht. Täglicher Hin-und Rückweg = 24 km. Nur Starkregen, Eis und Schnee können mich stoppen.
      2 Jahre, 11 Monate und 21 Tage noch.

  4. Oookay…………Gut das diese Zeiten für mich vorbei sind. Es gab es schon gruselige Zeitgenossen zu meiner Zeit. Lu hat recht, E-Bike ist (wäre) eine gute Alternative.
    LG Claudi

    • Ah okay… Danke! Die Sache hat ihm aber ein Stück weit sensibilisiert.
      Es ist gar nichts weiter bei rausgekommen. Nichts mehr gehört, weder von der Polizei noch von dem Handyfritzen. Aber Lieblingskerl hat auch sofort seine E-Mail-Adresse geändert und sich eine neue Mobilfunknummer zugelegt. Still ruht der See. Zum Glück hat sich meine Panik auch schnell gelegt. Mittlerweile lachen wir schon, wenn es unverhofft klingelt und ich frage, ob er wieder was im Internet bestellt hat 😆

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