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Montagsstarter

Ja, es ist Mittwoch… und ich bin spät dran, aber wer montags frei hat und Dienstag erst spät im Büro eintrifft und dann bis spät arbeiten muss, kommt eben zu nix!

Danke, liebe Anni, dass Du die treueste Montagsstarterin von allen bist und diese Aktion stets aufrecht erhältst, auch wenn der Urheber dieser Idee zwischendurch mal einen Hänger hatte und es nun eine Co-Produktion ist (so ist es doch, oder??)

  1. Ich bin hundemüde. Dafür gibt es einen ganz bestimmten Grund: der Lieblingskerl sägt nachts ganze Wälder ab. Darauf hin angesprochen behauptet er, ich hätte angefangen und sei nicht viel besser. Er schnarche quasi nur zurück, was ich vorgelegt hätte. Ich verweise auf Heuschnupfen, Asthma und eine kürzlich erlittene Bronchitis. ER hingegen sei kerngesund (bis auf Rücken), erzeugt aber selbst beim normalen Atmen im Wachzustand ein dröhnendes Gerassel; was durchaus behandelbar wäre, man müsse einfach mal einen Termin beim Arzt vereinbaren. Daraufhin führt er ins Feld, er habe mit dem Handy meine Geräusche aufgenommen und ob ich die Aufzeichnungen denn mal hören wolle? Ich halte dagegen, dass ich einer Tonaufnahme weder mündlich noch schriftlich zugestimmt hätte und der Beweis vor Gericht sicherlich keinen Bestand habe. Außerdem könne er nicht beweisen, dass ICH das abgesondert hätte. Und überhaupt bezweifele ich stark, dass es besagte Aufnahmen überhaupt gäbe und das nur eine Schutzbehauptung wäre. Da solche Gespräche gerne kurz nach Mitternacht stattfinden, mangelt es mir an Nachtschlaf.
  2. Vor allem bei anhaltendem Geschnarche suche ich mir entnervt einen Ersatzschlafplatz. Man kann ja nicht die ganze Nacht diskutieren. Bei Sohnemann im Zimmer stört mich allerdings das Geplätscher vom Aquarium, da schlafe ich auch nicht viel ruhiger (die Option kommt sowieso nur in Frage, wenn Sohnemann außer Haus übernachtet). Also lande ich regelmäßig auf der Wohnzimmercouch. Die ist nicht zum dauerhaften Schlafen geeignet. Nützt ja nichts, wenn ich dann auch noch Rücken bekomme.
  3. Es fehlt einfach ein ruhiger Schlafpartner neben mir. Einer, der nicht zu Tode erschrocken reagiert, wenn man ihm berührt. Einmal hat er wild um sich geschlagen, als ich ihm einen Schnarchrüttler gab. Voll auf die Nase. Sowas macht man nur einmal. Zumal meine bevorzugte Einschlafseite von Ihm abgewandt ist, so dass ich mich erst drehen müsste, um ihn anzustupsen. Also habe ich mir feine Methoden zugelegt: es gibt da zum einen den liebevoll rückwärtig ausgeführten Fußtritt und zum anderen den Matratzenhopser. Einfach im Bett ein wenig wackeln oder auf die Matratze schlagen, dann wacht der Lieblingskerl kurz auf und die Dauerbeschallung wird unterbrochen. Wenn ich die Gelegenheit gut nutze und ganz schnell einschlafe, verpasse ich die ersten Takte des Konzertes und gehe in den Tiefschlaf über – dann würde es mich nicht mal stören, wenn neben mir eine Bombe einschlägt.
  4. In der letzten Woche habe ich zum ersten Mal erlebt, was passiert, wenn eine Katze rollig wird. Unsere Kleene wird erwachsen. Mitunter hatte sie mitten in der Nacht einen Plärranfall. Es schien, als wären die nächtlichen Störungen überall verteilt.
  5. Bücher sind nicht immer zur Hand, wenn man sie braucht und nehmen viel Platz weg. was mich an den Dingern echt stört. Ich habe lange keins mehr gekauft, stattdessen ist schnell mal was gegoogelt und im Internet nachgelesen. So habe ich auch über rollige Katzen recherchiert und das nächste Schlaflabor gesucht.
  6. Es ist leichter, eine Katze kastrieren zu lassen als den Lieblingskerl zu überzeugen, dass sein Schnarchen dringend behandlungsbedürftig ist.
  7. Diese Woche habe ich Montags das Impfen der beiden Kater Mikas und Kalle auf dem Plan, Dienstag früh wird Minou kastriert und dann kümmere ich mich um den Lieblingskerl. Keine Sorge, der kommt nicht zum Tierarzt.

Minou nach der OP- sie trägt statt einer Halskrause lieber einen umgebauten Babybody, um die Wunde zu schützen.

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Zweitbad

 

Vor 16 Jahren habe ich mein Haus gebaut. Damals gab es den Plan, zunächst nur das Erdgeschoss zu bewohnen und irgendwann einmal das Obergeschoss auszubauen.

Mit dem Nachwuchs wurde der Wunsch nach mehr Wohnraum schon sehr bald Wirklichkeit. Mit dem zweiten Badezimmer sollte es jedoch noch viel viel länger dauern.

Zuerst war der dafür vorgesehene Raum eine Kreuzung aus Abstellkammer und Lager für … alles von Möbeln bis Baumaterial. Dann wurde daraus ein Schlafzimmer für meine Mutter, als sie vorübergehend für rund 5 Jahre bei mir wohnte. Danach diente der Raum als Gästezimmer.

Vor fünfeinhalb Jahren trat Lieblingskerl in mein Leben und er kam ziemlich schnell auf die Idee, dass man, sobald er bei mir einzieht, mit der eingesparten Miete innerhalb kürzester Zeit den Einbau eines zweiten Bades finanzieren könnte. Soweit die Theorie. Leider lässt sich eingesparte Miete auch ganz vortrefflich anderweitig verplempern (nur wo? WOOO???).

Es wurde hier schon zum running Gag vom „imaginären Zweitbad“ zu reden und Freunde nutzten jede sich bietende Gelegenheit, um sich nach dem Baufortschritt zu erkundigen. Ein echter Schenkelklopfer!

Aber irgendwas war immer: „da kann ich nicht loslegen, da steht zu viel rum!“ „Ich muss für den Wasseranschluss die Heizung abschalten- das mache ich keinesfalls in der kalten Jahreszeit!“ „Ich arbeite im Sommer auf gar keinen Fall im Bad rum- da hat der Garten Priorität!“. Also habe ich im Frühjahr 2016 einfach Sanitärobjekte bestellt. Suptil den Druck erhöht, in dem beispielsweise im Carport ne Badewanne stand.

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Und im Wohnzimmer ein Klo.

Bezeichnender Weise hatte ich bereits im August 2018 versucht, diesen Beitrag der Welt kundzutun – und ihm soeben auf dem Scheiterhaufen der Entwürfe wieder gefunden! Irgendwie ganz schlimm der Wurm drin…

Um die Spannung mal etwas abzumildern: Bad ist fertig.

Zwischendrin musste neben Sanitärobjekten noch die Badmöbel angeschafft werden. Nach gefühlt 2 Jahre des Suchens haben wir uns auf einen Hersteller festgelegt. Leider etwas teuer, aber wenn man erst mal schockverliebt ist, kommt da nüscht mehr ran. Zufällig habe ich dann im Internet entdeckt, dass ein Möbelhaus genau den Waschtisch mit Spiegel aus der Ausstellung verkaufen wollte, welches unsere Lieblingsfront bzw. Farbe hatte. Die anderen Möbelhäuser stellten nämlich ausschließlich die Variante aus, bei der die Front schwarz-metallisch glänzte. Auch sehr interessant und in einer Ausstellung höchst spektakulär, aber für unseren Geschmack – abgesehen von Halloween vielleicht – zu düster. Die Version im hellen Perlmutt, die uns so gut zusagte und zudem alltagstauglich war, konnten wir vorher nur im Prospekt bewundern. Das besagte Möbelhaus befand sich, passend zu dieser Geschichte, von uns aus gesehen NATÜRLICH am A… der Welt, aber hej! Wer wüsste, wie lange wir sonst gebraucht hätten, um mal ein Wochenende am Chiemsee zu verbringen.

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Plus Möbelhausshopping.

Hier noch ein sehr schönes Bild vom völlig vollen Volkswagen. Ich hatte als Beifahrer übrigens über 600 Kilometer meine Knie wahlweise im Handschuhfach oder im Gesicht; Lieblingskerl hätte dort gar nicht Platz nehmen können. Aber was tut man nicht alles für sein Traummöbel!

Und hier noch ein paar Bilder von der Bauphase:

Lieblingskerl fing an, den Vinylboden zu verlegen. Doch immer, wenn er ein weiteres Brett an die ersten Elemente anfügte, lösten sich die zuvor zusammengeklickten Teile wieder voneinander und er erlitt einen cholerischen Anfall. Da ich befürchtete, der Bodenbelag würde nur noch einmal „Klick“ machen, wenn er diesen aus dem Fenster wirft, habe ich mich darauf hin im Bad eingesperrt und den Raum erst wieder entlassen, nachdem ich fertig war. Die Teile können nur in einem ganz bestimmten Winkel miteinander verbunden werden und die Toleranz ist verschwindend gering, geringer als die Toleranzschwelle vom Lieblingskerl.

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Fliesen verlegen war auch so ne Sache! Die Fliesen hatten wir während der Planungsphase mal irgendwo vom Wühltisch günstig gekauft und wir konnten uns beim besten Willen nicht mehr erinnern, wo genau das war. Aber auch wenn: nach mehreren Jahren ist nicht mehr garantiert, dass man noch etwas hinzukaufen kann, falls der Bestand nicht ausreicht. Mehrfach habe ich hin und her gerechnet, wie ich möglichst materialschonend die Fliesen schneiden und verlegen könnte, doch es zeichnete sich recht früh ab: das reicht nie! Also haben wir sämtliche Baumärkte in einem Radius von 50 Kilometer nach und nach abgeklappert und die Fliesenabteilungen unter die Lupe genommen. Doch nirgends gab es diese Fliese! Selbst das Internet half nicht weiter. Als hätte es diese Fliese nie gegeben. Also half nur eins: zupassen. Und zwar eine so derart andere Fliese, dass man hinterher immer behaupten kann: jahaaaa, das haben wir von vornhinein so geplant!

Kontrastfliesen am Vorsprung für das Hänge-WC in Nahaufnahme. Genau so haben wir uns das immer vorgestellt. Ehrlich!

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Hier ein paar Eindrücke vom fertigen Bad:

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Und der Badewanne, die einst das ganze Carport blockierte:

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Das Fenster haben wir zur Hälfte mit einer Milchglasfolie vor allzu neugierigen Blicken geschützt; auch hier dominiert das Maritime.

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Das geheime Jubiläum

Heute habe ich 25-jähriges Dienstjubiläum. Kaum zu fassen… aber ich wusste das ja schon länger 😉

Also bin ich heute früh in weiser Voraussicht in die Küche gesprungen und habe einen Hefeteig angesetzt. Ganz klassisch mit Vorteig, dann Hauptteig kneten und diesen in Ruhe gehen lassen und auf dem Kuchenblech auch noch mal nett fluffig aufgehen lassen. Für die lieben Kollegen, die mir garantiert die Bude einrennen, habe ich einen leckeren Zuckerkuchen gebacken; man möchte den Gratulanten ja etwas anbieten können. So ein 25-jähriges Jubiläum ist schließlich etwas ganz Besonderes!

Ereignisse diesen Ausmaßes werden im hausinternen Netz veröffentlicht. Früher gab es sogar Mitarbeiterzeitungen, die für derartige Ankündigungen genutzt wurden, aber das ist echt schon laaange her.

Ganz früher gab es sogar mal Extra-Gehalt für ein solches Event, aber zum Wohle der Bilanz wurden uns diese Ansprüche einmal abgekauft. Auch auf schriftliche Glückwünsche auf schwerem Büttenpapier wird meines Wissens seit längerem verzichtet. Fortan gab es nur noch Blumensträuße, Händeschütteln, ein geistreiches kleines Buchgeschenk und 5 Tage Extra-Urlaub. Naja, es gibt ja Momox und Urlaub kann man immer gebrauchen!

Heute gab es… lange Zeit nix. Nur ein paar verwunderte Blicke, weil ich mit einem Kuchencontainer in mein Büro verschwand. Es hat aber auch keiner gefragt, wozu ich diesen mit an den Arbeitsplatz schleppe. Vielleicht wollte ich nur mal der Tortenbox Frischluft gönnen, wer weiß. Noch nicht mal meine Kollegin im Raum fragte nach.

Kollegiales Desinteresse kenne ich ja schon, aber ich hatte heute sogar ein Kleid an. Und die Leggings, die bei jedem Schritt rascheln. Gut, immerhin sprach mich ein Kollege auf einen Kaffeefleck am Decolleté an, aber genau diese Art von Aufmerksamkeit hatte ich heute eigentlich nicht im Sinn. Merke ich mir aber: wenn man will, dass alle gebannt zugucken, dann sind befleckte Kleidungsstücke erste Wahl!

Dann habe ich Detektiv gespielt: wo ist denn diese jährliche Veröffentlichung der Jubiliare? Könnte man ja mal zuuuufällig im Drucker liegen lassen. Sehr gut versteckt offenbar. Ich bin nur auf alte Mitteilungen gestoßen. Na toll, da halte ich 25 Jahre in der Zentrale des bausparkollektiven Irrsinns durch und kein Schwein interessiert es!

Bis mein Chef verschwörerisch um die Ecke kam, sich konspirativ zu mir heunterbeugte und mir zuflüsterte: „Alles Gute zum Jubiläum!“ „Vielen Dank“ raunte ich zurück, gefolgt von „und warum flüstern wir?“

„DATENSCHUTZ“

Aha. Dankeschön, Datenschutzgrundverordnung! Du hast mir den ganzen Tag versaut. Da haste einmal Jubiläum und keiner darf’s wissen.

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Frohes Fest!

Früher war Weihnachten immer sehr festlich – die ganze Familie stand vorher nochmal im Bad an, um noch schnell unter die Dusche zu springen, dann hat man sich in feinsten Zwirn gekleidet und sich ordentlich frisiert. Meistens waren wir nach dem Kaffee in der Kirche, obwohl wird sonst nicht gerade zu den fleißigen Kirchgängern gehörten, aber es gehörte irgendwie traditionell dazu. Danach gab es Abendbrot – meist Schweinebraten mit Kartoffelsalat – und anschließend fand die Bescherung statt. Es gab immer einen schön geschmückten Tannenbaum, der immer in allerletzter Minute an Heiligabend von meinem Vater gekauft wurde. Manches Mal fand die Besorgung so derartig auf dem letzten Pfiff statt, dass bei den letzten verbleibenden Bäumen kein richtig schöner mehr dabei war und ich kann mich erinnern, dass in einem Jahr aus 2 Tannen eine gebastelt wurde, weil beide mit wenigen spärlichen Ästen ausgestattet waren und die etwas schönere zusätzlich mit Ästen der zweiten Tanne aufgepimt werden musste. Ein anderes Jahr gab es Kiefer statt Tannenbaum, weil es sonst nichts Grünes mehr käuflich zu erwerben gab. Im Jahr darauf haben wir daher einen selbst gefällt. Geschmückt wurde irgendwann zwischen Mittagessen und dem Duschen – auch hier gab es traditionelle Aufgabenteilung. Der Patriarch bestimmte, was an die Zweige gehängt werden sollte, Mutter und ich entwirrten die Lichterkette oder bügelten Lametta auf und die Haus- und Hofkatze sortierte den Behang der unteren Äste neu. Meistens wurde ich irgendwann zwischen Kaffee und Bescherung genötigt, auf dem Klavier ein paar einstudierte Weihnachtslieder vorzuspielen, meistens mit der Drohung mir im kommenden Jahr den Klavierunterricht ersatzlos zu streichen, und es wurde gemeinsam gesunden. Zur Not auch ohne musikalische Begleitung – wir besaßen zwei identische Liederbüchlein, so dass man textsicher an beiden Seiten des Tisches durch mehrere Strophen kam. Ein Weihnachtsabend endete einmal damit, dass mein Vater meiner hinauseilenden Mutter den Kartoffelsalat hinterhergeworfen hat. An den Grund kann ich mich nicht mehr erinnern, meistens war auch kein besonderer Grund erforderlich, dass mein Vater völlig ausrastete, ich weiß nur noch, dass meine Mutter und ich recht lange Kartoffel- und Gurkenstückchen aus dem langfloorigen Teppich herauskratzen; die Spuren an der Tapete waren hingegen recht leicht zu entfernen. Der Rest von Weihnachten verlief dann weitgehend friedlich, da mein Vater es anschließend vorzug, in die Spielbank zu entschwinden und unser Weihnachtsgeld beim Roulette zu verzocken. Und in einem Jahr flog mal durch das Erkerfenster etliche unserer Zaunlatten und segelten knapp an mir vorbei bis kurz vor dem Fernseher. Ein paar Jugendliche hatten sich gestritten und einer davon war durch unseren Garten geflüchtet, um den Angreifern zu entkommen. Diese vermuteten ihn aber im Haus und so schickten Sie hölzerne Grüße durchs Fenster. Für einen ungestörten weiteren Ablauf der Feiertage wurde dann das Fenster mit Brettern vernagelt, was die Dunkelheit im Zimmer verstärkte und bereits morgens das Anschalten der gesamten Weihnachtsbeleuchtung erforderlich machte. Aber insgesamt blieb mir Heiligabend als recht festlich in Erinnerung.

Sehr förderlich für das weihnachtliche Gefühl ist leichter Schneefall und klirrende Kälte, wenn man heutzutage schon nicht mehr in die Kirche geht. Eine Mindestanforderung ist aber immer noch das Spielen von Weihnachtsliedern. Entweder der Sohnemann, der dann seinen Fortschritt beim Gitarrenunterricht präsentieren kann oder meine kläglichen Restfähigkeiten am Klavier, zur Not auch eine CD.

Dieses Jahr war alles anders.

Lieblingskerl entschied Anfang Oktober, dass es sein Herzenswunsch wäre, einmal mit der kompletten Familie Heiligabend bei uns zu feiern. Wer weiß denn schon, wie lange seine „Ellies“ noch leben, zumal sein Vater bereits an Krebs erkrankt ist. Und überhaupt: meine Mom ist ja auch nicht mehr die Jüngste und auch uns könnte ja jeden Tag etwas wiederfahren. Mit dieser Endzeitstimmung machten wir uns an die Planung.

Es ging schon mal recht holperig los, da bis Anfang Dezember keiner verbindlich zu- noch absagen wollte. Vorsorglich habe ich Mitte Oktober unser Weihnachtsgeschirr noch um ein Paar Teller und Tassen ergänzt, denn es gibt nicht viel schlimmeres, als eine festlich gedeckte Tafel mit bunt zusammengewürfeltem Geschirr oder – noch schlimmer! – eine einheitlich gedeckte Tafel mit nur einem unpassenden einzelnen Teller. Da werde ich ganz komisch… also noch komischer als sonst! Die Bestellung ließ dann gut 2 Monate auf sich warten, so dass ich schon ganz kribbelig wurde. Unser Weihnachtsgeschirr ist nämlich ein Auslaufmodell und es war nicht so einfach, noch irgendwo große und kleine Teller, Untertassen und Kaffeetassen aufzutreiben. Ich musste in 2 Läden bestellen und diese schrieben von Lieferschwierigkeiten, Nachbestellung beim Hersteller und solch Hiobsbotschaften.

Diese Zeit zwischen Einladung und dem eigentlichen Fest, wo man weder weiß, wer kommt wann und möchte vielleicht der eine oder andere bei uns übernachten, empfand ich als recht belastend. Lieblingskerl sieht alles immer ganz locker und sagte so etwas wie: „wen stört es denn schon, wenn eine von einem anderen Geschirr essen muss“ (na mich!) und „da achtet doch kein Mensch drauf“ (doch, ich!) bis hin zu „ist mir jetzt auch egal, Weihnachten findet so oder so statt und wer da ist da oder auch nicht“, dass ich Stresspickel bekommen habe. Quasi in letzter Sekunde wurde mir dann mitgeteilt: „Es kommen übrigens alle…“ – „Super; ich bin vorbereitet“ – „… und zusätzlich kommt noch die Mutter meiner Schwägerin samt Freund“ – „AHHHHHH!“

Ich war dann ziemlich bockig, weil ich ungerne so ein intimes Fest wie Heiligabend mit Fremden feiern möchte… und darüber hinaus möchte ich gerne gefragt werden, so aus Prinzip und für das Gefühl, im eigenen Haus noch irgendwas zu sagen zu haben (wenn ich auch nie mein Veto eingelegt hätte). Nur eine spontan eingefädelte Nachbestellung des Weihnachtsgeschirrs seitens Lieblingskerls (mittlerweile wieder auf allen Plattformen in rauen Mengen verfügbar…) hat mich milde gestimmt.

So hatten wir also insgesamt ein kleines Familienfest mit 11 Personen vor uns. Aber auch ein mittlerweile auf 11 Teile angewachsenes Geschirrservice. Immerhin!

Erschwerend kam hinzu, dass wir einen neuen Schrank für das Esszimmer bestellt haben, aber diese nach nunmehr 8 Wochen immer noch nicht da ist, obwohl er eigentlich nach 7 Tagen geliefert werden sollte. Bedauerlicher Fehler beim Rausholen aus dem Lager – Schrank leider derart defekt, dass die Firma einen neuen anfertigen lassen musste. Leider hatte ich schon den Schrank, der ersetzt werden sollte, abgebaut und unser Esszimmer glich optisch einem Katastrophengebiet. Kartons, Kisten, Tüten und Häufchen von Bastelkram, der Gesamtbestand an Kerzen und Kerzenständern meines ganzen Lebens, ungeahnte Mengen an 100er Packs Teelichter und Dekozeugs für Anlässe aller Art lagerten übergangsweise quasi überall.

Da ich den abgebauten Schrank weder Müllhalde noch einem Online-Verkufs- oder Flohmarktportal antun wollte und konnte (viel zu alt zum weg werfen, aber leider nicht gut genug für einen Antiquitätenhändler), entschloss ich mich, diesen auf dem Dachboden einzulagern. Nichtsahnend entdeckte ich darauf hin, was schon alles in ähnlicher Absicht auf den Dachboden ein vorübergehendes Zuhause gefunden hatte – und habe dann tagelang aussortiert. Ein ganzer Kofferraum (Kombi mit unglaublichem Ladevolumen) voll Kinderbekleidung und Spielzeug fand so seinen Weg zur Spendenkiste beim kirchlichen Stift. Und bis heute beherbergt der Kofferraum alles, was bis um Eintreffen der Gäste keinen vernünftigen Platz gefunden hatte. Ich werde vermutlich die nächsten Tage Fahrrad fahren!

3 Tage Urlaub habe ich mir vor Weihnachten genommen, um Kekse, Kucken und Torten zu backen, , Einkäufe zu erledigen, die Festbeleuchtung zu komplettieren und zu wienern und zu schrubben und die Bude auf links zu drehen und komplett auf Vordermann zu bringen. Als letzte Idee fiel mir noch ein, ein kleines Körbchen bereitzustellen, in dem jeder Gast sein Handy legen kann, um es beim Gehen wieder mitzunehmen. Aber Lieblingskerl fand das albern und überflüssig. Er sollte noch eines Besseren belehrt werden!

Und dann kam die liebe Sippschaft an. Zum Glück mit Verspätung und nicht wie beim letzten Treffen schon eineinhalb Stunden vor Beginn, während man es selbst noch nicht mal unter die Dusche geschafft hatte.

Man sollte noch Folgendes vorab wissen: Lieblingskerl hat in dieser Familie eine Meldepflicht. Einseitig und so gewiss wie das Amen in der Kirche. Unumkehrbar. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Nur er hat sich stets nach dem werten Befinden aller zu erkundigen und selbst einen regelmäßigen Rapport abzuliefern. Bei ihm wird sich höchstens gemeldet, wenn der neue PC/ das neue Smartphone/ der Drucker/ whatever nicht auf Anhieb funktioniert. Dann wird sich daran erinnert, dass Telefone auch zum Absetzen eines Gespräches genutzt werden können. Ansonsten hört sich Lieblingskerl immer an: „Warum meldest Du Dich jetzt erst?“ „Komm doch mal wieder vorbei“ und „Erklär mir doch mal, warum wir Dich nicht öfters hören“. Meistens ist der Grund simpel: er wollte so was nicht hören und schiebt seit Wochen überfällige Telefonate oder Besuche vor sich her. Oder zusammengefasst; kein Bock auf diese ganze Arie. Oder ich bekomme Geburtstagskarten, in denen ich aufgefordert werde, doch mal offenzulegen, warum ich Lieblingskerl verbiete, sich regelmäßig bei seiner Familie sehen zu lassen. Tja, vielleicht liegt es daran, dass ich darauf keinen Einfluss habe?

Die Lieben begrüßen sich also untereinander überschwänglich und wortreich, legen die Berge an Geschenke ab („nein, wir schenken uns nichts! Höchstens eine Kleinigkeit für die Kinder!“), pellen sich aus den Jacken und Schuhen, schlüpfen in die mitgebrachten Hausschuhe (hä? Als wenn sie jemand dazu verpflichtet hätte… ich jedenfalls nicht) und warten darauf, dass ich aus der Küche zu ihnen eile, um sie zu begrüßen. Dann wird Platz genommen und Kaffee und Kuchen kredenzt.

Vor lauter Gastgeberpflichten bekomme ich noch nicht viel mit, aber im Laufe der Veranstaltung wird mir folgendes klar: Es finden nur Gespräche statt, an denen ich nicht teilhaben kann, weil ich viele Akteure der Geschichten nicht kenne. Wobei der Großteil der Konversation gar nicht Gespräch ist, sondern eher ein derbes Sprücheklopfen. Beispiel? Na nur allzu gerne:

„Gott ist der da im blauen Hemd. Immer, wenn er auf Klo Kacken geht, rufe ich „OHHH GOTT“ und er sagt dann „Ja, völlig richtig! Nenn mich Gott.“ Für mich ist Papa Gott.“

Oder so sinnfreies Rumgefrotzele: „Sei nett zu meinem Sohn!“ „Oh, ich haue ihm gerne von Dir ein Paar in die Fresse“ „Ach, Du bist doch blöd!“. Wohlgemerkt eine Unterhaltung unter Erwachsenen.

Ich habe eine Weile versucht, Schimpfwörter mitzuzählen, bin aber recht schnell aus dem Takt gekommen.

Ein weiteres Highlight war, dass die Nichte von Lieblingskerl die ganze Zeit über Ihr Handy in der Hand hielt und die Gesellschaft mit Fotos, Videos und Whattsapp-Nachrichten unterhielt. Irgendwann saßen ungefähr 7 Leute am Tisch und zeigten sich gegenseitig unglaublich wichtige Sachen auf dem Smartphone – nur mit den Gastgebern wollte keiner reden. Ich schlug einmal vor, wir könnten uns ja alle zusammen mit einem Quiz beschäftigen, welches ich extra zum allgemeinen Vergnügen gekauft habe, doch geantwortet hat mir keiner.

Nichtenkind redete nur 2x mit uns: einmal, als sie ein Ladekabel brauchte und einmal, als sie das W-LAN-Passwort benötigte. Ich war zunächst sehr überrascht, dass es überhaupt reden kann. Einmal hat sie fast mit Lieblingskerl geredet: „Lieblingskerl, ich habe hier ein Video, dass MUSST Du Dir ansehen!“ Lieblingskerl reagiert höchst erfreut, dass sich seine Nichte doch noch daran erinnerte, dass es ihn gibt; doch diese rannte an ihm vorbei, ohne ihn zu beachten. Der Freund ihrer Großmutter heißt nämlich auch Lieblingskerl und zu diesem setzte sie sich dann auf den Schoß. Sie ist 16, groß, blond, knackenge weiße Jeans, auf der sich der Tanga abzeichnet und trug extra bauchfrei, damit ihr Bauchnabelpiercing gut zur Geltung kam. Sie ließ sich in die Arme des alten Mannes fallen und ließ die frisch gelverstärkten Krallen über das Display gleiten. Bei Opa Lieblingskerl auf dem Schoß reagierte dieser auch höchst angemessen als er rief: „Wat hasst‘n da? Willste mit mir zusammen nen Porno kieken?“ Man sollte sich vorher überlegen, wie nuttig man sein Outfit wählt.

Meine Mutter guckte mit völlig entgleisten Gesichtszügen zu mir rüber und Sohnemann flüsterte mir ins Ohr „Mama, wir habe auch schon schönere Weihnachten gefeiert“. Extrapunkt in Diplomatie, mein Sohn!

Die Zeit dazwischen wurde genutzt, um Lieblingskerl sehr einfühlsam und wortgewandt darauf aufmerksam zu machen, dass er in letzter Zeit ganz schön fett geworden sei.

Nach dem Kaffee wurde beschlossen, Geschenke zu verteilen. Da besprochen wurde, nur den Kindern eine Kleinigkeit zu schenken, habe ich mich darauf verlassen und keine Präsente für die Erwachsenen besorgt. Lieblingskerl war etwas unsicher, ob das richtig sei, da meinte ich noch: „mach Dir keine Gedanken – erstmal ist das beschlossene Sache und außerdem schenken wir allen ds Weihnachtsessen bei uns im Haus – das ist doch schon Geschenk genug!“. Nun beschenkten sich alle gegenseitig, also bis auf uns… Meine beiden Männer bekamen beide Schokolade aus der Schweiz, für mich gab es von den Schweizern kein Mitbringsel – vermutlich halten die mich für grob adipös, wo doch schon Lieblingskerls Bauch Grund zu Beleidigungen war. Von Lieblingskerls Eltern bekam ich eine Schachtel Trüffelpralinen (die ich nicht leiden kann, aber das wussten sie vielleicht nicht) und von der Mutter meiner fast-Schwägerin bekam ich Rotkäppchensekt der Sorte „mild“ ( den ich nicht leiden mag, weil mir Rotkäppchen immer einen Brummschädel verursacht UND weil ich nur trockenen Sekt mag, aber das wusste sie vielleicht nicht). Leute, ehrlich: wenn man beschließt, nichts zu schenken, ist es ok, nichts zu schenken. Dann doch irgendwas zu schenken ist vorsätzlich bösartig für den Fall, dass sich der Beschenkte an die Abmachung hält und dann mit leeren Händen da steht. Und auch bei Kleinigkeiten loht es sich, Neigungen zu erfragen. Einfach nur irgendwas schenken um sich zu sagen: „Haken hinter, erledigt!“ erfreut allgemein Niemanden.

Eigentlich hatte ich gehofft, der Lieblingskerl stellt sich mal hin und sagt sowas wie: „Schön, dass ihr alle da seid. Unser Geschenk ist die Einladung zu unserem schönen Festessen hier am heiligen Abend – lasst es euch schmecken!“ oder so etwas in der Art, doch auf Rede reden hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits keine Lust mehr.

Zum Schluss sagte Schwägerin zur Nichte: „Nee, lass die Tüte mal hier liegen, die nehmen wir nicht mit, die ist ja schon kaputt!“ Ich habe auf Anhieb verstanden, dass sich meine Pflichten als Gastwirtin selbstverständlich auch auf das Wegräumen vom Dreck meiner Gäste erstrecken. Ist ja in DER Familie nicht wie bei Freunden, wo man fragt, wo der Mülleimer ist (wenn man es denn schon nicht merken konnte) und selbst was weg wirft, weil man einfach mitdenkt und nett ist und höflich ist. Aber das sind schon 3 Eigenschaften, die in Bezug auf seine Familie einfach keinen sinnvollen Satz ergeben.

Erst- und Zweitfeiertag habe ich genutzt, um meine depressive Seite kennenzulernen und habe viel geweint. Und mich bei meiner Familie entschuldigt, dass Weihnachten so war, wie es war. Es wird keine Wiederholung geben. Nächstes Jahr brauche ich Schnee, Kälte, ein Funkloch und Einsamkeit.

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Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben III

Noch ein Nachtrag zu der Rubrik „was man für eine Reise in die USA vorbereiten muss!“ – ich hatte mich nur nicht früher getraut, allzu offenherzig darüber zu berichten, bevor mir ein Beamter der Einwanderungsbehörde den Zutritt ins gelobte Land gewährt – oder mich am schmucklosen Kontrollposten abweist (sicher ist sicher). Wer weiß, ob der wortkarge Mann mit der Waffe im Holster nicht auch noch schnell das Internet durchforstet, nachdem er unsere Fingerabdrücke geprüft hat? „No, i just read your blog… go home!“

Natürlich braucht man eine Genehmigung! Ein Visum ist für Bürger Deutschlands nicht nötig, man kann online seine Einreisegenehmigung beantragen. Voraussetzung für die Teilnahme am sogenannten Visa Waiver Program ist, neben Wohlwollenden für die USA (echt jetzt), dass man sich nicht länger als 90 Tage in den USA aufhalten möchte und Bürger eines Landes ist, welches für gut genug befunden wurde. Habe eben nochmal nachgeschaut: Polen ist beispielsweise nicht dabei, Estland, Lettland und Litauen hingegen schon. Ukraine nicht. Es wird dafür Gründe geben, die mir gerade entfallen sind. Man braucht darüber hinaus gültige Reisepässe, Flugtickets (inklusive Rückflug), eine erste Unterkunft, eine gültige E-Mail Adresse, eine Kreditkarte zum Bezahlen (14 Dollar pro Nase) und ein gewisses Gefühl für Fangfragen. Meine Mutter beispielsweise wäre schon bei der E-Mail-Adresse raus.

Erfüllt man jedoch die Grundvoraussetzungen, darf man das elektronische Antragsformular ausfüllen, anschließend die Gebühr online berappen und erhält sein ESTA (das ist die elektronische Einreisegenehmigung) auf Abruf – damit ist verbrieft, dass der Reisende keine potentielle Gefahr für die USA ist.

Das Netz ist übrigens voll von freundlichen Menschen, die einem gegen eine geringe Gebühr beim Ausfüllen des Formulars behilflich sind. Also immer schön darauf achten, dass es die offizielle Seite der U.S Customs und Border Protection ist! Ich verlinke jetzt mal nicht… aber es hat .gov am Ende und sieht höchstoffiziell aus.

Immerhin hat man bei einer etwaigen Ablehnung noch die Möglichkeit, sich über eine Botschaft oder ein Konsulat ein Visum zu holen. Ein paar Tage Zeit sollte man daher für Plan B noch in Petto haben und nicht alles auf dem letzten Pfiff erledigen.

Man sieht schon: es besteht ein gewisses Restrisiko… also ich habe das jedenfalls so empfunden. Denn die Flugtickets hatte ich sofort bezahlt, ohne Stornomöglichkeit, obwohl ich noch kein generelles OK für die Einreise hatte. Aber ohne Tickets kein Antrag… die Katze beißt sich hier in den Schwanz. Auch das erste Hotel muss schon feststehen, oder falls man Freunde besucht und dort nächtigt, dann muss man deren Name angeben. Da hätte ich schon wieder Bedenken gehabt, ob diese auch wirklich in einem offiziellen Formular genannt werden möchten… nun, bei uns war es eine Hoteladresse, da gehe ich mal davon aus, dass die so etwas gewohnt sind.

Das Ausfüllen des Antrages ist schon recht speziell und die Fragen teilweise sehr persönlicher Natur: Was ist ihr Beruf? Wer ist Ihr Arbeitgeber? Wie heißen ihre Eltern? Haben Sie eine ein körperliches oder geistiges Gebrechen? Wie schaut‘s aus mit der kriminalistischen Vergangenheit und etwaigen Terrorakten und Spionagetätigkeiten? Vielleicht mal Völkermord begangen? „Geht se jar nüscht an“ fällt leider als Antwort aus!

Wenn mal als Familie reist, kann sich einer quasi als Bevollmächtigter der ganzen Reisegruppe küren und die Anträge für alle weiteren Familienmitglieder ausfüllen. Insgesamt saß ich fast eine Stunde an den Anträgen, hin- und her blätternd zwischen den Reisepässen und den Reiseunterlagen und insgeheim schon den nächsten Urlaub in der trauten Heimat planend… ich war noch nie im Altmühltal. Oder im Sauerland. Soll ja auch ganz schön sein.

Dann muss man noch ein Weilchen warten, bis man durchleuchtet und die Gebühr vereinnahmt wurde und kann dann auf der Seite den Status des Antrags prüfen. Bei uns hat es ungefähr eine Stunde gedauert (in der ich alle 5 Minuten nachschaute und leichte Anflüge von Panik hatte), bis die Genehmigung erteilt war. Das ESTA sollte man unbedingt ausdrucken und mitnehmen. Die Frau am Check-In am Flughafen wollte es jedenfalls sehen – Fluggesellschaften haben offenbar ein gesteigertes Interesse daran, dass ihre Gäste auch schön da bleiben, wo man sie hingeflogen hat und nicht wieder Retour müssen.

Noch keinen Schritt getan und an der Stelle war schon ein Haufen Geld ausgegeben…

Wenn einer eine Reise tut… na, Ihr wisst schon!

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Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben ZWO

Reisepässe und einen internationalen Führerschein haben wir jetzt schon mal!

Nun also nur noch einen Flug…

Die einschlägigen Suchmaschinen im Internet sind vielfältig bei den Auskünften, die sie ausspucken. Vergleichbar ist da auf dem ersten Blick einmal nichts. Denn die ausgeworfenen Preise beinhalten mal Gepäck, mal keins, man muss selbst schauen, ob einem eine Flugzeit von 31 Stunden gefällt oder eher nicht, ob man 1 oder 2 mal umsteigen möchte. Hin und wieder klickt man seinen Favoriten an und erhält dann einen Hinweis, dass sich leiderleider die Preise inzwischen geändert haben (sobald man draufklickt steigt die Nachfrage und dann geht der Preis hoch…). Ab und zu findet man nur 1 statt 3 Sitzplätze oder stellt fest, dass man in Asien umsteigen muss, obwohl die andere Richtung richtiger wäre. Erklärt dann auch die Flugdauer bzw. den günstigen Preis (was wiederum an der geringen Nachfrage liegt…).

Wir haben Flüge mit einmal Umsteigen, einer Mahlzeit und der grundsätzlich richtigen Flugrichtung gebucht. Sogar Gepäck ist dabei!

Und einen Leihwagen…

Auch hier gilt: checke selbst die Vor- und Nachteile der verschiedenen Optionen. Es zählt alles, was Dir wichtig ist: Zweitfahrer, zusätzliche Versicherungen, Freikilometer und Sonderausstattung wie Navi, OnBoard-Mautsysteme und auch ein anderer Rückgabeort bestimmen den Endpreis. Was eine Firma inclusive anpreist, lässt sich die andere kräftig mit Talern vergolden- und umgekehrt! Mir hat nur eine separate Zettel-und-Stift-Kalkulation des individuellen Endpreises geholfen. Manches Mal ergab die Differenz nur wenige Dollar und so hat bei uns eine weitere Rolle gespielt, dass eine Firma vom Hotel in San Francisco aus zu Fuß zu erreichen ist. So etwas spiegelt keine Suchmaschine wieder!

Und Hotels…

WHOW… darüber kannste ne Doktorarbeit schreiben!

Es gibt ungefähr 3 Millionen Portale, die Bonusprogramme für Wiederholungstäter bieten. Das führt wieder zu umfangreichen Kalkulationen und tagelangen Vergleichen auf Zetteln. Und Hotel -Ketten: Das fand ich wieder zu einschränkend – da hast Du im Zweifel sowohl in Alaska als auch in Feuerland eine identische Optik. Uns reizt viel mehr die Abwechslung! Eine rustikale Holzhütte finde ich in den Bergen schön stimmig und am Meer darf es gerne was Modernes sein. Oder ein Boot vor Anker.

Mich hat hier ein Buchungsportal durch super einfache Handhabung und hübsche Optik (ich bin ja doch nur ein Mädchen…) in der APP überzeugt. So habe ich oft unterwegs im Zug gesessen, WLAN genutzt und mich durch Angebote geklickt. Manches Mal verzauberte mich ein Foto, manches Mal die Lage oder die Bescheibung machte mich schockverliebt.

Also alles reine Geschmackssache!

Hilfreich ist das Studium der Kommentare: da kann man auch gut zwischen den Zeilen lesen. Wenn sich der hipste Trendsetter über die Abgeschiedenheit beschwert, werden wir dort Ruhe finden. Klagt der Spießer über Kinderlärm, kann Sohnemann dort nur positiv auffallen.

Bei uns ist sowohl das kleine und private Bed and Breakfast dabei, das historische Hotel mit 1A-viktorianischer Ausstattung, das einfache Motel und auch ein Resort in den Bergen, das an die Anlage in Dirty-Dancing erinnert („Ich habe eine Wassermelone getragen!“)

Kurzum:
Nimm Dir einige Tage Zeit, um Vergleiche in Bereichen anzustellen, die den Suchportals schnuppe sind – nämlich Deine eigenen.

Die Fotos stammen alle ohne Ausnahme von Booking.com. Das ist trotzdem keine Werbung, nur Teil meines Erfahrungsberichts. Ich verdiene damit keinen Penny.

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Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben

Genauer gesagt kann man schon vor der Reise einiges erleben!

Für eine Reise an die Westküste der USA habe ich zunächst die Basics abgeklopft:

– haben wir noch gültige Reisepässe?

Natürlich nicht! Meine Kollegen lächelten sehr mitleidig, als ich bekannt gab, dass ich Reisepässe beantragen möchte und selbstverständlich keinen Termin habe.

In Berlin läuft das so: online, telefonisch oder persönlich einen Termin vereinbaren. Ich habe gerade mal Spaßens halber nachgeschaut: der nächste freie Termin ist am 24. Juli um 13:12 in Biesdorf (viel weiter weg geht kaum.. ), sollte man da keine Zeit haben, ginge noch der 2. August wobei… neee, beide Termine sind jetzt weg. Man kann erst wieder Mitte August einen Termin klar machen. Also rund 6 Wochen Wartezeit. Hinzu kommt Bearbeitungszeit von 4 Wochen… Hochzeitspärchen sollten besser die Flitterwochen in der Uckermark verbringen und erst zum ersten Hochzeitstag Reisen unternehmen, die einen Pass voraussetzen.

Bei mir auf dem Dorf geht das so: während der Öffnungszeiten ins Rathaus gehen, sich für 2 Minuten hinsetzen (der Sitz wir nicht mal lauwarm!) als Nächster aufgerufen werden und Reisepässe beantragen, Zahlung am Schreibtisch per EC-Karte. Fertig. Amt schickt SMS, wenn Pässe fertig sind – das war sogar noch eine Woche früher als angekündigt.

Meine Kollegen entglitten die Gesichtszüge, als ich am Tag darauf „Erledigt!“ vermelden konnte.

Check!

Nächste Frage: habe ich einen internationalen Führerschein?

Auch das konnte ich mit Gewissheit verneinen. Ich hatte noch die rosa Pappe und musste mir erst mal einen Führerschein im Scheckkartenformat beantragen.

Genau so genial funktionierte die Beantragung dieser Dokumente: Spontan eines Samstages nachgeschaut, ob das KFZ-Amt in Nauen offen hat, hingefahren, etwas irritiert keinen Wartebereich vorgefunden, dafür gleich bis an den Tisch der Sachbearbeiterin vorgerückt, nach 2 Minuten habe ich die beantragten Dokumente bei einer zweiten Sachbearbeiterin per Karte gezahlt und nach 5 Minuten saß meine kleine Familie im Steakhaus gegenüber und hat bestellt. Läuft!

Der internationale Führerschein klingt übrigends wesentlich spektakulärer als es wirklich ist: ein mehrsprachig bedrucktes Stück Papier in retrohafter grauer Ummantelung, die der ehemaligen “ Pappe“ sehr ähnlich sieht. Also ungefähr wie ein Probeausdruck nach der ersten Stunde Word/Office bei der Volkshochschule Oer-Erkenschwick (nein, das ist KEINE Werbung! Nur ein Beispiel zur Veranschauung der Sache! Es könnte auch Buxtehude sein). Keine Ahnung wer sich dafür getraut hat eine Gebühr zu erheben. Eigentlich ne Frechheit. Naja, hab ich jetzt halt auch.