Aufreger Nr. 4

Ich sitze hier in einem kleinen, dunklen und mit zusammengewürfelten Tischen und Stühlen möblierten Büro und versuche, die aufsteigende Übelkeit zu verdrängen. Das Büro gehört zu einer Polizeidienststelle, die in einer Art Baracke untergebracht ist und von außen eher aussieht wie ein Intershop auf der Transitstrecke Berlin-Zarrentin. Ein wirklich bemühter junger Polizist nimmt gerade eine Anzeige im Zweifingeradlersuchsystem auf wegen versuchten Betruges, Nötigung, übler Nachrede und Bedrohung. Ab und zu frage ich mich, was hier gerade passiert und fühle mich wie im falschen Film.

Lieblingskerl hat in einem gierigen Sparanfall versucht, bei Quoka ein Handy zu kaufen. Superschnäppchen! Alles ganz locker per Telefon abgeklärt. Der Verkäufer hat auch in wenigen Minuten das gute Stück eingepackt, zu UPS gebracht und an unsere Adresse versandt. Lieblingskerl sollte nur noch bei der Post das Geld anweisen. Für meine Begriffe etwas zu spät gingen bei ihm dann doch noch die Alarmglocken an, als ihm eine Sendungsbestätigung aus Kiew erreichte. Ohne Sendungsnummer. Auch die nette Frau bei der Post fand das seltsam und riet ihm, statt einer Überweisung lieber eine Anzeige zu tätigen.

Der Verkäufer fand das irgendwie nicht so gut, dass Lieblingskerl dann doch lieber von dem Angebot Abstand nehmen wollte und tobt seit dem. Das Handy klingelt in einer Tour, Mails ohne Ende. Er droht damit, uns Polizei, Feuerwehr und Taxis die ganze Nacht vorbei zu schicken (zum Glück haben wir hier keinen einzigen Pizzalieferservice). Dann würde Lieblingskerl endlich zahlen. Und abends kommen dann auch noch die Russen, wobei er offen ließ, was diese genau bei uns machen sollen. Aber es klingt irgendwie so, als wollten die nicht mit uns Kaffee trinken. Nach der russischen Spezialbehandlung würde Lieblingskerl es sich aber überlegt haben und die Kohle freudig rausrücken.

Dann kündigte der Handyman einen nicht näher bezeichneten Besuch in 25 Minuten an. Mit einer SMS von einem ukrainischen Handy aus, wie ich gerade von Herrn Polizist erfahre. 25 Minuten später stand dann pünktlich die Polizei bei uns vor der Tür. Eine Frau Schmidt rief sie zur Hilfe, weil Lieblingskerl sie bei mir zu Hause angeblich gerade zusammenschlägt. Die Beamten fanden nur weder Frau Schmidt noch einen prügelnden Lieblingskerl. Sie empfahlen allerdings erneut, eine Anzeige bei der Polizeidienststelle aufzugeben.

Und da sitzen wir nun. Bei mir läuft schon das Notfallprogramm an, ich werde wie vor Jahren erst mal an meinem Haus vorbei fahren, um zur Not das Gaspedal durchtreten. Ich rechne mit brennenden Autos und ärgere mich, dass ich noch immer keine Hausratversicherung habe. Heute Nacht stellen wir mal die Webcam in den Vorgarten. Vielleicht habe ich auch das dringende Bedürfnis, mal das hiesige Hotel auszuprobieren.

Danke, Klaus! Schieb Dir das S7 Edge Batman Edition in den Arsch und komm gut unter den nächsten Bus!

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24 Gedanken zu “Aufreger Nr. 4

      • Hoffentlich bleibt es so.
        Allerdings… hey… egal wie oder was… aber ihr habt ja niemanden um Millionen betrogen. Daher sollen sie ihre Mafiamethoden ruhig mal stecken lassen.
        (Drohungen ausstoßen werden sie wohl, dennoch müssen… Das ist dann wohl so ein Männer-Ding…)

      • Das kann man nach 3 Tagen natürlich noch nicht einschätzen, was aus der Anzeige wird. Zumindest hat die Polizei selbst ein Interesse daran, solche Spaßeinsätze für nix dem Verursacher in Rechnung zu stellen.

      • Hauptsache, Ihr müsst es nicht zahlen! Ist schon frech, was für Methoden sich so manche Menschen ausdenken, wenn sie einen unter Druck setzen wollen…

    • Befürchte, für meine Zwecke reichen 3 Kilo Trockenmasse bei weitem nicht aus. Oder du bastelst Halterungen für Stolperdraht, damit ich die angedrohte Invasion der östlichen Nachbarn vom Haus fern halten kann. Ja, ich glaube, das ging!

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