Braucht das jemand oder kann das weg?

Hallo zusammen,

fragt ihr Euch auch öfters, ob man nicht mehr benötigte Sachen guten Gewissens wegschmeißen darf oder ob man dann Karmamäßig in irgendeiner Vorhölle der unterlassenen Spendentätigkeit landet?

Ab und zu fügt es sich ja einfach grandios zusammen und jemand braucht ein paar Möbel, Geschirr und Haushaltsgegenstände, die man selbst übrig hat (siehe Pujas Umzug). Da macht das Sinn, dann macht das Spaß, man macht einen Menschen glücklich und ist selbst froh, dass man nicht gleich alles wegwirft.

Aber dann gibt es immer wieder diese Momente, in denen man annimmt, man würde irgendwann einmal auf den Flohmarkt gehen. Diesem Irrtum bin ich des Öfteren erlegen und dann… erinnere ich mich an meine letzten Flohmarktbesuche als Verkäufer.

Einmal habe ich es mit Kinderkleidung versucht. Und wie ich fand, habe ich mein Kind weder in Lumpen gekleidet noch einen wirklich üblen Geschmack. Aber das war so traurig, wie die Leute die sorgsam gefalteten Sachen mit spitzen Fingern durcheinander brachten, während ich mich erinnerte, wie süß Sohnemann darin aussah. Man wurde gnadenlos bei 50-Cent-Artikeln auf 20 Cent heruntergehandet und ich habe mich öfters gefragt, ob ich nicht noch Geld dazugeben sollte, damit ich den ganzen Kram nicht wieder nach Hause schleppen muss. Selbst Winterstiefel, die vielleicht 3 Mal getragen wurden und wirklich fabrikneu aussahen, ursprünglich über 50 Euros gekostet haben, wurde ich nicht mal für 15 Euro los – ein Mann wollte mir 50 Cent dafür geben, weil er mich falsch verstanden hatte. Mal ehrlich – für das Hinfahren und die Standmiete muss man ja auch was bezahlen; da kann ich nicht alles förmlich verschenken. Ein komplett versauter Sonntag und ein Reingewinn von 20 Euro hat mir diese 6 Stunden in der Kälte rumstehen eingebracht. Das steht in keinem Verhältnis!

Beim nächsten Mal habe ich mich dann mit einer Freundin zusammen getan, einen Stand geteilt und einen speziellen Kindersachen-Flohmarkt ausgesucht. Und hätte ich nicht ein Dreirad und ein Fahrrad verkauft, dann hätte ich gar keinen Umsatz gemacht.

Also versuchte ich es hin und wieder mit Flohmarkt im Netz. Es gibt ja einiges…

Ein Schränkchen beispielsweise habe ich verkauft. Für 10 Euro. Die potentielle Käuferin fragte mich Löcher in den Bauch. Ob ich den Schrank auseinander schrauben könnte, sie kommt doch mit dem Bus. Ob sie das denn auch wieder selbst zusammenbauen könnte. Wie der Bus fährt und welcher das genau sei… wie sie vom Bus zu mir käme… und dann habe ich von der nie wieder was gehört. Die nächste war auch sehr angetan. Und fragte dann, wo genau in Potsdam ich wohnen würde? Hä, nix Potsdam… Ich wohne im angegebenen Ort. Und der befindet sich im Havelland. Also brach die Verkaufsverhandlung wieder einmal wort- und grußlos ab. Eine weitere Interessentin hatte Auto und den passenden Wohnsitz. Wir wurden uns einig und zum verabredeten Termin passierte… nicht. Einen Tag später sagte die Frau, sie hätte es leider nicht geschafft und würde morgen kommen. Also wieder eine Zeit vereinbart… zu der sie dann doch nicht konnte und fragte, ob es auch früher ginge? Eh ich die Nachricht entdeckte, blaffte sie mich auch schon per Mail an, warum ich nicht reagieren würde *seufz*. Mit einer guten Verspätung kam dann ihr Mann vorbei, drückte mir 8 EUR in die Hand und meinte „stimmt so“. Eh ich registrierte, dass das nicht so ganz der ausgehandelte Preis war… na egal. Macht man dafür Fotos im schönsten Tageslicht und stellt das ins Internet, hält sich zwanghaft über Stunden zu Hause auf, obwohl die Milch fehlt und man sich nicht zum Supermarkt traut?

Dann gibt es Kandidaten, die ernsthaft fragen, ob man die feilgebotenen Converse Chucks in rot, Größe 35, fast wie neu, Fotos von vorne und der Seite sind abgebildet, auch noch aus anderen Perspektiven fotografieren könnte. Oder ob die inserierten Sommerreifen vielleicht Winterreifen wären. Oder ob Ware xy noch da wäre – um sich dann nie wieder zu melden. Manche fragen auch bei ausgesprochenen Flohmarkt-Apps, die grundsätzlich auf Abholung vor Ort ausgerichtet sind, ob man den Artikel für 2 EUR auch versenden würde. Klar; ich mache das ja, um den Artikel dann doch bei E:Bay einzustellen, um nicht per Mail meine Bankdaten in die Welt hinauszuposaunen und weil ich so gerne zur Post latsche. Verpackungsmaterial bunkere ich im Schuppen und Klebeband kostet nix. Ich backe auch noch gerne einen Kuchen dazu!

Einen Bademantel habe ich so verkauft, wie man sich das vorstellt: Nachbar aus eine Straße weiter kam mit 3 EUR in bar zur verabredeten Zeit vorbei, bedankte sich und zog seines Weges.

Und dann wird mir immer heiß und kalt… was ist, wenn man sich zur Bademantelübergabe um 17:00 Uhr verabredet, weil man vorher keine Zeit hat und dann kommt man daheim an und die ganze Bude wurde ausgeräumt, WEIL MAN VORHER BESTÄTIGT HAT, NICHT ZU HAUSE ZU SEIN?? Bademantel wäre dann natürlich auch weg. Was der geringere Schaden wäre. irgendwie ist mir das immer -gelinde gesagt – unheimlich.

Für eine komplette Schlafzimmereinrichtung Baujahr ca. 1930 habe ich mich jetzt für folgenden Weg entschieden:

  • ordentliche, aussagekräftige Fotos knipsen aus verschiedenen Perspektiven
  •  abbauen und erst mal kurz im Carport zwischenlagern
  • dann doch zögern, ob man es nicht doch selbst behalten möchte
  • zusammen mit dem Lieblingskerl entscheiden, dass wir die Möbel doch nicht mehr nutzen möchten
  • den ersten Winter mit dem Auto vor dem Carport parken und vereiste Scheiben freikratzen
  • feststellen, dass Regentonne beim letzten großen Gewitter übergelaufen ist und das Furnier des Kleiderschrankes leicht verquollen ist
  • mir fest vornehmen, den Schrank zu reparieren
  • drei Platzregen weiter das Furnier in kleinen Stückchen abblättern sehen
  • einen zweiten Winter vor dem Carport parken und nun 2 Autos morgens im Winter freikratzen
  • jetzt echt viel beim Schrank restaurieren müsste, eh man den noch verkaufen könnte
  • feststellen, dass man die tollen Fotos aus allen Perspektiven auf dem Rechner hatte, den man letztens auf den Recyclinghof gefahren hat
  • den erneut auftretenden Wintereinbruch verfluchen und Autoscheiben freikratzen
  • der Wahrheit ins Auge blicken und die Sperrmüllabholung beauftragen
  • schweren Herzens die völlig eingestaubten Möbelteile mit allen Spinnweben und dem in fetzen herabhängenden Furnier vor das Haus schleppen
  • echt erleichtert sein, dass es nun endlich weg ist

Was hätte ich mir alles an Sorgen und das drückende schlechte Gewissen sparen können, mal ganz abgesehen von den verplemperten Stunden des Eiskratzens, wenn ich doch gleich alles weggeschmissen hätte!

Jetzt muss ich nur noch sehen, was ich mit all den Kinderklamotten und den Bergen an zu klein gewordenen Kinderschuhen anstelle, die ich noch nicht gespendet habe, weil sie mir igendwie zu wertvoll erschienen. Zur Zeit blockieren sie den Schuppen. Zusammen mit den seit Jahren aufgehobenen Kartons und Schachtel, die ich tatsächlich dort horte, um mal bei eventuellen Versandgeschichten ein geeignetes Verpackungsmaterial zu haben. Ist nämlich nicht alles total übertrieben, was ich hier so schreibe 😉

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10 Gedanken zu “Braucht das jemand oder kann das weg?

  1. Ich fand das auch immer sehr anstrengend. In Hohen Neuendorf machen wir das so: man bestellt den Sperrmüll, stellt alles raus, und die Leute nehmen sich einfach mit was ihnen gefällt.🙃

    • Das passiert hier hauptsächlich, wenn Elektroschrott dabei ist. Heute hatte ich eher Bedenken, dass noch was dazu kommt… Dachpappe vielleicht oder sonst ein Sondermüll, auf den wir dann sitzen bleiben. Ist aber alles weg. Puuuh!

  2. …öhöm….ich würde auch NUR den Kuchen nehmen wenn du ihn mir schickst….
    Aber im Ernst: STM u. STW haben vor gut zwanzig Jahren ihre sieben Sachen zusammengeschmissen, Kartonagen über Kartonagen deren Inhalt nicht unbedingt in die Wohnung sollte (…ich muss das nochmal durchgucken..), im Keller landeten ! Bisweilen wurde auch der ein oder andere wieder an das Tageslicht befördert…angesehen, wieder zugeklappt und erneut in die Tiefen des Kellergewölbes versenkt ! Die ‚Storage Hunters‘ oder ‚Der Trödeltrupp‘ würden hier fröhliche Urstände feiern…
    gblG *ged*

  3. Ohhhh, du schreibst mir aus der Seele. Was habe ich in den letzten Jahren nicht alles bei Ebay & Co. erlebt. Genau wie du es schilderst. Im besten Fall noch meldete sich die zuvor interessierte Person einfach nicht mehr, die richtig ätzenden Versionen magst du dir gar nicht ausdenken… Ich tue mich ja sehr schwer damit, funktionierende Dinge (oder auch Kleidung, die bei uns ja auch nur von einem Kind getragen und somit IMMER SEHR GUT ist) einfach wegzuwerfen. Inzwischen nähe ich teilweise aus abgelegter Kleidung neue Sachen, ich verschenke viel, auf manchem bleibe ich ebenfalls jahrelang sitzen, bis es dann wirklich keiner mehr möchte 😉 und manches wandert einfach nach draußen in den Müll oder Kleidercontainer. Kleidung verkaufe ich daher gar nicht mehr, Bücher kommen in ein öffentliches Bücherregal, aus dem dann jeder, der möchte, was mitnehmen darf. Insgesamt bin ich immer noch damit beschäftigt, die äußere Ordnung zu erreichen, den Keller und die hintersten der hintersten Regale und Schränke zu entrümpeln und da ich gemerkt habe, wie schwer man Dinge (guten Gewissens) wieder los wird, bin ich sehr darauf bedacht, so wenig wie möglich neu anzuschaffen. Im Moment klappt das ganz gut, ich wünschte nur, das Aussortieren/Entsorgen ginge etwas schneller.
    Nicht aufgeben und weg mit allem, was rumliegt und nicht gebraucht wird. Ein „Trick“ (der bei mir gut funktioniert) ist, sich zu fragen, ob man genau Teil X oder Y wieder anschaffen würde, würde heute das Haus abbrennen oder hätte man es eben einfach gar nicht erst gekauft damals. Meistens ist die Antwort aus heutiger Sicht dann ein NEIN, also WEG DAMIT!
    Ich sende dir einen Schwung Motivation und Aufräumgrüße 😉

  4. Genau! SO isses! So und nicht anders!!!
    Da hilft nur: umziehen. Und vor lauter Nerv und Stress und keine-Lust-mehr wird das wegwerfen dann immer einfacher…
    Momentan hab ich NIX mehr zum Wegwerfen. Auch schön.

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