Wie erziehe ich meine Mutter?!?

Huhu zusammen,

die liebe Nunu fragte ganz verwundert, warum meine Mom bei mir versucht sei, Schüsseln wegzuräumen (die keine sind). Bei der Antwort fiel mir ein, dass Ihr höchst wahrscheinlich meine Mutter gar nicht kennt und das also üüüüüüberhaupt nicht richtig einordnen könnt!

Also versuche ich mal etwas Licht ins Dunkel zu bringen:

Meine Mom ist unfassbare 78 Jahre alt und lässt sich das möglichst nicht anmerken. Sie fährt Auto und Fahrrad, spielt mit Sohnemann Fußball und Federball und klettert zur Not auch auf Bäume. Nur ihr in letzter Zeit stark ausgeprägter Hang zu renterbeigen und mausgrauen Klamotten lässt ihr Alter erahnen – und die schneeweißen Haare.

Da sie seit Jahren alleine ist und zwei Ecken weiter in einer seniorengerechten Wohnung lebt, umgeben von „lauter echt alten Leuten“ wie sie es ausdrückt, ist es ihr in den eigenen vier Wänden oft zu öde. Bei uns gibt es in Haus und Garten schließlich immer was zu tun und mit der ganz ernst gemeinten Absicht, alles, was man tut, gut zu meinen, folgt sie öfters einem selbst ausgesprochenen Putzmandat, welches ich nie legitimiert habe. Sie putzt bei uns in mehrerer Hinsicht völlig illegal. Meistens sogar total ungewollt.

In Erziehungsdingen ist Konsequenz häufig der Schlüssel zu allem. Und hier ist uns zwangsläufig ein kapitaler Fehler unterlaufen. Denn wenn man nach einem stressigen Arbeitstag nach Hause kommt und einem meine Mom mit einem Rundlächeln im Gesicht empfängt (Putzlappen noch über der Schulter) und strahlend verkündet, sie hätte im Erdgeschoss die Böden gewischt, dann freut man sich riesig, bedankt sich formvollendet und denkt nicht die Bohne daran, einen seiner schlimmsten Erziehungsfauxpas justamente begangen zu haben. Ergo denkt meine Mom: hier darf immer geholfen werden!

Ganz anders liegt der Fall, wenn man nach einem mitterschwer stressigen Tag nach Hause kommt und sich denkt: verflixt! Wo ist denn dies oder jenes? Die Laune sinkt bei mir antiproportional zu den vertrödelten Minuten des Suchens und spätestens, wenn ich meine Mom anrufen muss um zu fragen, wohin sie denn den Besen/ die Backform/ mein Buch (hier kann beliebig ergänzt werden – es gehen auch Dinge, die nicht mit B beginnen!) geräumt hat, fällt die Laune gen Null. Lautet die Antwort allerding: „Welcher Besen? Welche Backform? Welches Buch? Ich habe das nicht gesehen, nicht angefasst, nie weggeräumt. Ich kann mich noch nicht mal daran erinnern, dass Du je einen Besen/ eine Backform/ ein Buch besessen hat – also kann ich auch gar nicht am Verschwinden schuld sein!“ – spätestens dann sinkt das Feeling auf arktische Minusgrade.

Weitere Beispiele gefällig?

Letzten Woche Mittwoch möchte ich noch schnell vor der Fahrt ins Büro die Waschmaschine anschalten, fülle Waschmittel ein, greife ins Leere… hä? Wo ist denn meine Weichspülflasche hin? Die wird doch nicht etwa im Müll gelandet sein? Das ist nicht gut, weil ich Weichspüler im Nachfüllpack kaufe, also ohne Flasche nur so eine wabbelige Tüte im Schrank zu stehen hätte und ohne Flaschenverschluss die Dosierung zum Ratespiel wird. Also suche ich im Mülleimer, draußen im gelben Sacke… nüscht. Da meine Zeit morgens nur im begrenzten Maß zur Verfügung steht, gebe ich einen beherzten Schluck aus dem Nachfüllbeutel in die Dosierkammer und haue ab. Mein anschließendes Verhör ergibt folgenden Tathergang: „Gesten kam doch die Müllabfuhr. Also habe ich den letzten Rest Weichspüler in eine Waschkugel gefüllt (HÄ?) und die leere Flasche weggeworfen.“ „Und wo soll jetzt mein Weichspüler wohnen?“ „Ähmmm… seit wann benutzt Du Nachfüllpackungen? Das hast Du doch noch nie gemacht!“ Okay, mein Fehler. Habe vergessen, meine Mom vorher um Erlaubnis zu bitten. Trotzdem bitte ich sie, mir selbst zu überlassen, was ich wegwerfen möchte oder nicht. Eindeutiges Unterscheidungskriterium: Sachen, die weg können, befinden sich im Mülleimer. Was ich behalten möchte, befindet sich überall, nur nicht im Mülleimer.

Am Freitag kommt Sohnemann leicht an ein Geschirrtuch ran, welches über der Stange hängt. Darauf hin rieselt ein nicht zu identifizierender schwarzer Krümelregen gen Boden. Erstmal bin ich auch verwundert; dann fällt mir ein, gelesen zu haben, dass sich frische Kräuter am wohlsten fühlen, wenn man sie aus ihrer Verpackung befreit und in ein feuchtes Küchentuch gehüllt im Kühlschrank lagert. Solch tolle, einfach Tricks setze ich natürlich sofort in die Tat um. Da dachte sich wohl die nicht legitimierte Ordnungsfee, Küchentücher gehören nicht ins Gemüsefach, sondern ordentlich über die Handtuchstange! Tzzz, Tuch im Kühlschrank, Frau Tochter wird auch immer wunderlicher! Der Abend endete mit weniger Kräuterwürze im Abendbrot. Und dem ergänzenden Hinweis Richtung Seniorenwohnanlage, dass Küchentücher in begrünten begründeten Ausnahmefällen durchaus im Kühlschrank wohnen dürften.

Sonntag gab es Spargel. Spargel bereite ich ausnahmslos im Dampfgarer zu. Wieder ein Griff in einen leeren Schrank… Nö, denke ich. Einen Dampfgarer finde ich im eigenen Haushalt auch aus eigener Kraft und ohne Telefonjoker. Ist ja nicht sooo klein das Teil. Er könnte ja noch im Schrank mit den Partyutensilien sein. Oder bei den Backformen. Vielleicht auch draußen in der Outdoorküche. Oder doch bei den selten benutzen, aber doch irgendwie sinnvollen Küchenhelfern? Vielleicht auch ganz hinten im Schrank? Oder doch im Hauswirtschaftsraum? Besser nochmal ganz gründlich alle möglichen Verstecke durchleuchten… eh ich doch resigniert die Nummer meiner Mutter wähle. Schließlich hatte ich ihr das Teil vor nicht allzu langer Zeit einmal ausgeborgt… und seit dem nicht mehr benutzt. Sie habe den Dampfgarer ja schon seit ewigen Zeiten nicht mehr gesehen. Ob ich denn auch schon im Schrank bei den Partyutensilien nachgeschaut hätte oder der Outdoorküche? Danke, guter Tipp. Bin ich noch gar nicht drauf gekommen! In purer Verzweiflung (ich habe mittlerweile echt Hunger!) gucke ich in alle Schränken nach und finde den Dampfgarer bei den echt seltenen Tupperraritäten im obersten Aufsatzschrank über den Hochschränken. Derweil klingelt erneut das Telefon, weil meine Mom mir noch den Tipp geben möchte, doch mal im Haushaltsraum nachzusehen. Seuftz. Seit dem verstecke ich die kleine Trittleiter, damit sich die künftigen Verstecke in Bodennähe befinden.

Ist euch aufgefallen, dass sich die geschilderten Beispiele auf einen Zeitraum von 5 Tagen beschränken??? Und meine Versuche, meine Mom etwas zu bremsen, seit meiner ersten eigenen Wohnung, also seit geschlagenen 22 Jahren, gegen die Wand rennen??? Ja, ich tue mir auch gerade ein bisschen leid. Ihr dürft Euer Mitgefühl gerne in den Kommentaren zum Ausdruck bringen ;-)))

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26 Gedanken zu “Wie erziehe ich meine Mutter?!?

  1. Ich weiß, ich sollte Dich jetzt bedauern, aber weißt Du was? Schick Deine Mutter einfach zu mir! So für drei Wochen oder so, okay? Meine hilft ab und zu mal ein bisschen, aber sie räumt NIE was weg, von dem sie nicht genau weiß, wo es hinsoll. Was auch manchmal ein bisschen schade ist. Aber ich könnte eine Putz- und Aufräum-Fee grad sehr sehr gut gebrauchen, am besten auch eine, die den Garten auf Vordermann bringt und bügelt. Na, wie wärs?

    • Gute Idee! Ich muss dann allerdings auch alle Onlinebestellungen zu Dir liefern lassen und den Sohnemann auch mitsenden – denn als Päckchenannehmerin und Kinderaufsicht ist sie wirklich unersetzlich!

  2. Liebe Martina Carmen Luise,
    ich kam gerade aus dem Schmunzeln nicht wieder heraus 🙂
    So wie du deine Mom beschreibst, könnte sie die Schwester meiner Mom sein! (Hallo Cousinchen 🙂 )
    Ich habe es aufgegeben, mich darüber aufzuregen, denn:

    1. Es könnte schlimmer kommen! Stell dir vor, es wäre deine Schwiegermutter!!! Ein ALBTRAUM, oder??

    2. Es nützt nichts, sich über Dinge aufzuregen, die du sowieso nicht oder kaum ändern kannst. Das kippt doch nur die Fröhlichkeit.

    3. Überleg mal wie es wäre, wenn es deiner Mom schlechter gehen würde – viele in ihrem Alter sind wirklich schon arg SENIOR. Dann hättest du noch mehr zu tun….. dich nämlich mehr um sie zu kümmern…

    4. Überleg auch einmal wie es wäre, wenn du das Putzen alles selbst erledigen müsstest.
    Auch da hättest du mehr zu tun, nämlich VOR dem Abendessen noch die Bude aufhübschen. Das bleibt dir erspart.

    5. Lohnt es sich wirklich, sich darüber eventuell zu streiten? Wäre deine Mom pikiert, wenn du ihr das Putzen verbieten würdest? Sie meint es doch gut und sie will dich unterstützen.

    6. Es gibt wirklich Schlimmeres.

    7. Freu dich, dass du eine so agile Mom hast und trink mal einen Kaffee mit ihr. Bei der Gelegenheit sagst du ihr, dass sie gewisse Dinge nicht tun sollte, um dir anschließend das Gesuche zu ersparen.
    Problem gelöst. Denke ich zumindest, lächel 🙂

    Ganz liebe Grüße an dich und deinen kleinen Putzteufel 🙂
    Suse

    • Hej Suse!

      Jaaaaa, Du hast natürlich vollkommen recht! Sie hat ihre unersetzbaren, liebenswerten Seiten und dann kommt wieder so ein Knüller und schwuuuups, ist alles wieder doof.

      Zum bloggen bot sich diese ins-Nirvana-Ptuz-Seite einfach viel mehr an 🙂

      Aber ich will ja nicht ungerecht sein und plane, ihrer Keksseite mit all den warumistdasso einen eigenen Blog zu widmen, gerade weil wir diesen Sommer wieder Urlaub in Ihrer Heimat Ostpreußen machen und dann an 1001 Orten alte Geschichten erzählt werden.

      Lieben Gruß
      MCL

  3. Ich habe mich kringelig gelacht & freue mich zu so einem erheiternden Beitrag mit beigetragen zu haben.
    Knutscher an die agile Mom!!!
    Liebe Grüße
    Nunu

  4. Schwiegermutter traut sich seit 1 1/2 Jahren zum Glück nicht mehr, etwas in unserem Haushalt zu machen.
    Alle Flaschen & Sauger hat sie versaut! In den Topf mit zu wenig Wasser & Zack konnte alles weg, der Topf natürlich auch.

    Ich musste ordentlich schmunzeln bei deinem Beitrag. 🙂
    Auch wenn es manchmal nervig ist, lieber so als keine Mama mehr zu haben.

    Sie meint es doch nur gut.. 😀
    LG

  5. Es wäre unsagbar langweilig ohne sie, oder?

    Meine Mama hat auch so Tendenzen, wohnt aber doch etwas weiter weg und hat nicht permanenten Zugriff auf mein Haushaltsleben.

    😉

  6. Liebe Martina, ab dem 4. Juni kann Deine Ma nebst Online-Bestellungen und Sohnemann gern ein paar Wochen zu mir kommen 🙂 Übrigens verstaut mein Mann auch alle Dinge an Orten, die man niemals mehr findet (bei einem Umzug fatal). Gerade suche ich: a) die Tabaluga-Doppel-CD für die 6 Stunden autofahrt nach Fehmarn, b) meinen Amazon-Gutschein über 39 Euro, c) mein Kamera-Übertragungskabel und d) die Badehose meines Mannes. Bei den anderen Dingen habe ich schon aufgegeben oder neu gekauft.

    • Oh, ich wünsche Dir viel Erfolg beim Finden!
      Schön ist es auch, wenn schnurlose Telefone verschwinden, bei denen der Akku mittlerweile leer ist. Meines lag mindestens 3 Jahre unterm Kleiderschrank.

  7. Tja, bei mir hat das noch nie funktioniert. Sobald ich aus dem Haus war, gab es die eindeutige Ansage von Muttern, dass ich aufräumen und sauber machen von ihr in MEINER Wohnung gar nicht zu erwarten bräuchte. Und dass sie sich auch nicht selber Kaffee kocht, wenn sie mal zu Besuch ist. Im Gegensatz zu der Mutter von meinem Freund, die hier jedes Mal das Zepter in die Hand nimmt (auch gerne, wenn noch anderer Besuch da ist). 😀

  8. Meine ist auch so ne Agile. Sie wohnt noch 400km weit weg. Aber bald nicht mehr. Dann droht meinem Haushalt sicher auch öfter mal eine Putzattacke.

    Wenn sie mal zu Besuch ist und den Wischeimer verlangt um die Treppe zu putzen, dann finde ich das meist nicht so toll. Ich fühle mich als schlechte Hausfrau. Ist vielleicht eine falsche Einstellung. Da muss man sich eher locker machen. Oder??

    • Kenne das Gefühl. Gelingt mir leider auch nie, das irgendwie positiv zu sehen. Meine hat anfangs auch Katzenfutter und später dann auch Babynahrung mitgebracht. Ist ja alles ganz praktisch, aber ich fühlte mich dann auch so, als könne man bei mir als Katze oder Baby einfach nicht überleben.

  9. Welche Blümchen hat sie denn nun gepflanzt? Wenn es nicht Stiefmütterchen waren?
    Stehe ich hier auf der Leitung? Ich meinte nicht, dass du hier über die Stiefmutter berichtest. Ich interessiere mich für die nicht geliebten Blümchen. 🙂

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