Untergräbt Handarbeit den Feminismus?

Was so klingt wie ein Witz ist einer nicht ganz so unbekannten Frauenzeitschrift tatsächlich einen Artikel wert!

Das Wollschaf hat der hiesigen Gemeinde folgende Frage gestellt:

Wieder einmal beschwört ein abwertender Artikel über handarbeitende Frauen einen Shitstorm in Netz herauf.

Was denkst Du?
Warum fühlen sich so viele Frauen sofort angegriffen und gehen in den Verteidigungsmodus, sobald jemand abwertend über Handarbeiten schreibt?

Mangelt es der handarbeitenden Frauenwelt vielleicht einfach nur an dem Selbstbewusstsein, über solches Geschreibsel mit einem milden Lächeln hinwegzusehen?

und eigentlich wollte ich wirklich milde lächeln und gut! Meinem gut ausgebildeten Selbstbewusstsein stört grundsätzlich nichts, was andere über mich denken und natürlich müsste mir erst recht egal sein, was eine mir bis dato völlig unbekannte Frau schreibt.

Eigentlich.

Aber ich finde diesen Artikel wirklich so kackendreist, gleich alle Frauen zu verteufeln, die nach Feierabend mehr machen, als mit dem Finger in der Nase zu bohren, dass ich mich quasi gar nicht beruhigen kann. Das ist vermutlich der Kern des großen Ärgers mit dem Beitrag, denn hier bekommt wirklich jede seine persönliche Ohrfeige ab.

Eine Ansammlung von so vielen Plattitüden, Stereotypen und einer Prise Hörensagen habe ich selten erlebt und noch nie in einer – wie ich annahm – seriösen Zeitschrift gefunden. So seriös ein Hausfrauenmagazin eben sein kann. Gut, die „Brigitte“ ist nicht gerade berühmt für ihren hochtrabenden Journalismus, sondern eher für ihre Diät und ihre Laien-Models, aber wie man eine solche Schimptirade, die an gar keiner Stelle ihr „Fachwissen“ belegt, ist mir ein völliges Rätsel!

Eigentlich ist der Artikel eine wild aneinander gedrechselte Häufung von bösartigen Unterstellungen und die Autorin hasserfüllt gegen jede Selbermacherinn. Sehr interessant ist übrigens, dass sie die Gruppe der werkelnden Männer einfach mal komplett unter den Tisch kehrt. Gibt es keine Hobbybäcker in ihrer begrenzten kleinen Welt und keine männlichen Stricker? Ist das nicht eigentlich ziemlich feminismusfeindlich oder passt diese Tatsache nicht in ihr feines Lügenkonstrukt?

Nach wiederholter Lektüre komme ich zu dem Schluss, dass eine gute Feministin dann wohl eine ist, die in der Freizeit ausschließlich Bildung betreibt. Sie kocht nicht, wäscht nicht und macht aus Überzeugung nichts von dem, was ihre Oma früher gemacht hat. Ihre Kleidung ist ausschließlich aus Leder, denn Stoff oder gar Strick erinnert zu sehr an erniedrigende Arbeit unterdrückter Frauen. Die Nägel sind unlackiert und ihr Friseur ist ein Mann. Wobei es natürlich ein Männerhaarschnitt sein muss, denn lange Haare oder gar ein Pferdeschwanz sind sexistisch oder erinnern gar an einen Phallus. Die Haare sind nicht gefärbt, sondern getunt. Kinder hat sie selbstverständich nicht, denn der Akt der Zeugung und dieses ganze Schwangerschaftsding sind ihr zu frauenspezifisch und grenzen viel zu sehr von der Gleichheit der Geschlechter ab. Sie isst ausschließlich das, was gejagt wurde und nie gesammeltes.

So, ich muss mich jetzt um die Stelle der Frauenvertreterin in der Firma bewerben und dann noch Wolle kaufen und so Frauenzeugs machen wie Geld verdienen, um meine Männer zu versorgen.

Advertisements

13 Gedanken zu “Untergräbt Handarbeit den Feminismus?

  1. Uhhh, Leder ist kritisch. Denk an die Veganerin, die in der gut meinenden Feministin schlummert oder längst zutage getreten ist… Ich habe den Artikel auch gelesen, mich auch (kurz, zum Glück) geärgert und das Ganze dann für mich abgehakt. Ach, was bin ich gerne altmodisch und unterdrückt, dass ich nicht ständig Achttausender besteige oder Mega-Marathons laufe, sondern mich in den Niederungen des Haushaltes herumtreibe und nebenbei noch was mit den Händen geschafft bekomme… NICHT ÄRGERN. Es ist schade, dass es solche Artikel mit einer vehementen Regelmäßigkeit immer wieder in die Blättchen schaffen, aber es ist eben nicht zu ändern. Und vielmehr sind wir doch jetzt bestärkt darin, dass es genau das Richtige ist, was wir tun. Uns nämlich nicht aufregen, stur lächeln und winken und einfach weitermachen!
    Einen guten Start in den Tag, viele Grüße
    A

    • Uhhh jaaaa… ich hatte tatsächlich Bedenken, habe mich aber trotz des miesen Images für Leder entschieden, weil mir das so ultra-MÄNNLICH vorkam 😉

      Mein Puls hat sich erst wieder normalisiert, als ich meine Unmut rausgebloggt hatte. Man sollte Handarbeitsblogs nicht unterschätzen, was die Gesundheitsvorsorge betrifft!

      Erstaunlicher Weise litt die Autorin lange unter Depressionen und hat eine Zeit lang Körperpflege oder morgendliches Aufstehen als übermenschlichen Kraftakt empfunden. Dann als Freizeitbeschäftigung geistig anspruchsvolle Weiterbildungsmaßnahmen zu empfehlen, empfinde ich in diesem Zusammenhang als ziemliche Verarsche und hatte da irgendwie mehr Toleranz erwartet.

      Dir wünsche ich einen tollen Mittwoch
      LG MCL

  2. Ich habe diesen Artikel auch gelesen und habe es im ersten Moment echt für einen Witz gehalten – ich dachte echt nicht, dass jemand so bescheuert sein kann! Die Frau kann einem nur leid tun, wer 2 linke Hände hat, neidet wahrscheinlich allen anderen die Fähigkeit etwas schönes herzustellen. Ich hake es ab und stricke mit Begeisterung an einem weiteren Pullover 🙂

  3. Hi, mir fehlten echt die Worte. Da will ich mir einfach keinen „Kopp“ drüber machen und such mir jetzt was Schönes, Neues aus zum Stricken. 🙂 Dieses Mal soll es ein Poncho werden.

    • Oh whow! Dankeschön! An die Aufgabe werde ich mich demnächst mir Freude stürzen. Ich hinke noch mit einem Award hinterher… Vielleicht schaffe ich daraus eine Koproduktion zu basteln 🙂
      Lieben Gruß, MCL

  4. Ich finde Meinungsfreiheit wichtig, dazu gehört auch die Freiheit sich selbst zum Deppen zu machen (was Frau Fuhljahn hier aufs großartigste leistet).
    Ich habe mir ein paar Minuten Recherchezeit genommen und eventuell rausgefunden warum die Gute so gegen andere wettert und mit Narzissmus-Vorwürfen um sich wirft: sie leidet offensichtlich unter Depressionen (siehe Ihre facebook-Seite: da promotet sie ihr neues Buch: „Kalt erwischt: Wie ich mit Depressionen lebe und was mir hilft“).
    Was mir viel mehr aufstößt: die Rolle der „Brigitte“. Warum veröffentlichen sie diesen eher unreflektierten Artikel? Ich würde denken, dass denen klar sein müßte, dass sie der Autorin eigentlich keinen Gefallen tun. Aber Negatives ist ein Nachrichtenwert an sich, wir alle kennen jetzt den Namen und die „Brigitte“ ist Herausgeber des Buches und offensichtlich für jede Form der Publicity zu haben.
    Und so haben u.U. Frau Fuhljahn und Brigitte am Ende schön was dran verdient … und was solls, wenn man dafür erst mal andere durch den Dreck zieht.
    Es gibt so viele tolle Blogs und so Viele die herrlich schreiben ohne Journalisten zu sein (was übrigens auch keine geschützte Berufsbezeichnung ist, wir können uns alle Journalisten nennen, wenn wir das wollen) und man könnte fast denken da fühlt sich jemand bedroht … Frau Fuhljahn ist ja schließlich auch keine Pilotn, Ärztin oder dergleichen.
    Ach: ich habe eine Freundin, die promoviert grad in Physik, hat das zweite Kind bekommen und ratet mal: ja sie näht und strickt und bastelt … warum? Weil sie es kann!
    Also Mädels, wir machen was wir wollen und haben Spass daran und lassen uns den nicht vermiesen.
    Herzliche Grüße, Anja

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Elli's Iland

Familie, Nähen, DIY

Vom Kreuzberg ins Alpenland

Geht eine Berlinerin nach Kärnten ...

Clamatis Alltag..Oder Der Abwasch kann warten...

Familienmanagerin,Köchin/Bäckerin,Weckdienst,24-Stunden-Bank,Herrin der Lebensmittelvorräte,Bezwingerin des Staubsaugers,Wasch- und Spülmaschine, Sanitäterin..Immer in unseren Herzen M. *2.10.59 † 31.01.16

Altenheimblogger

Verrückt unter Verwirrten

chaoslu

Leben zwischen Diät und Genuss, Sport und Sofa, Yoga und Party, Kindern und Chaos

Chinomso's

°°°Einblicke & Ausblicke°°°

Lass dich nicht verrückt machen

wie ich trotz Diagnose Schizophrenie zu einer glücklichen, erfüllten Frau wurde

hierwirdgebastelt

Bedrucktes, gestrickt, gefilzt & schönes Dinge aus Papier

frl. krise interveniert

....an der Borderline

Abenteuer Highlands

Mein etwas anderes Leben im schottischen Hochland

Katzenworld

Welcome to the world of cats!

twinsetcrafting

Kartendesign, Paper Crafting & DIY-Deko

knitsomething.wordpress.com/

Ein Mann und seine Stricknadeln

%d Bloggern gefällt das: