Männer wieder eingesammelt

Wundervoll, dass man in der heutigen Zeit technisch in der Lage ist, jederzeit Informationen über den Verbleib des Reisebusses online anzurufen, in dem der Sohnemann die Heimreise aus dem Angelcamp antritt. So sah ich im Büro noch schnell nach – ja, Ankunftszeit 16:00 Uhr. Perfekt!

Der Lieblingskerl sitzt derweil in einem Zug eines bekannten deutschen Unternehmens, dass sich… nunja… nicht gerade durch Pünktlichkeit auszeichnet. Seine geplante Ankunftszeit beträgt 16:17 Uhr. Wäre nahezu perfekt, wenn nicht der Sohnemann am Ostbahnhof und Lieblingskerl am Hauptbahnhof ankäme…

Lieblingskerl fährt nie auf Dienstreise. Eigentlich. Und Sohnemann fährt eigentlich nie alleine in den Urlaub. Kommt es aber zuuufällig trotzdem vor, sind beide natürlich zeitgleich weg. Und kommen am gleichen Tag nahezu zur gleichen Zeit zurück. An 2 verschiedenen Orten. Klar!

Angekommen am Abholpunkt 1 hatte sich die Anzeige des Sohnemann’schen Reisebusses selbsttätig auf 17:00 Uhr geändert…. Grrrrr….. Derweil der Lieblingskerl seine baltige Ankunft avisiert. Hm. Okaaayyy…. Ob ich ihn denn nicht doch zuerst abholen könnte? Janeee, is klaaaa… Mit dem Auto quer durch Berlin-Mitte im Berufsverkehr ist jetzt nicht so super zu kalkulieren. Ginge zwar, aber…. da gerät die Bahn vom Lieblingskerl zwischenzeitlich ins Stocken und bleibt noch vor Spandau auf der Strecke stecken. Hat wohl einer am Nothalt rumgespielt und jetzt suchen sie den entsprechenden Schalter, um diesen wieder auszuschalten.

Also schaue ich schon mal online, mit welcher S-Bahn ich den Lieblingskerl vom Haupt- zum Ostbahnhof lotsen kann, während ich erneut die Parkuhr für das Auto füttere. Meine Mom steht sich derweil die Beine in den Bauch, weil es rund um den Ostbahnhof keine einzige Sitzgelegenheit gibt. Bis auf ein paar dekorative Findlinge, die jedoch in der prallen Sonne liegen. Warum darf man an einem Ort, an dem das Warten quasi berufsbedingt und zwingender Maßen dazugehört, sich nicht setzen? Wasndös für’n Service?

Als mich die 2. Passantin nach dem Schienenersatzverkehr fragt, dämmert mir, dass irgendwas mit der S-Bahn nicht stimmen könnte… Klar. Logisch! Wenn wir notorische Autofahrer einmal die öffentlichen Verkehrsmittel… seufz. Was soll’s. Lieblingskerl wird am Telefon jetzt etwas hysterisch – was er denn nun tun solle??? Wie der denn zum Ostbahnhof käme, jetzt, da er alleingelassen ohne seine Betreuerin selbst zum Ostbahnhof gelangen soll.

– Hase, nimm einfach eine Regionalbahn. Die fahren wohl auf einem anderen Gleisbett und kommen vom Hauptbahnhof bis Ostbahnhof durch. Ohne Umsteigen!

– Was ist denn eine Reigionalbahn?? Wo muss ich denn da hin???

– das sind diese pittoresken Züge in Rot. Steh immer RE oder RB dran.

– in welche Richtung soll ich denn fahren???

– na Richtung Osten halt!

– wo verdammt ist denn hier Osten??? Wie soll ich denn jetzt noch die Himmelsrichtungen rausfinden?

– Mensch Schatz! Da steht an der Bahn dann sowas dran wie Moskau oder Warschau. Oder halt Cottbus. Frag doch da einen Hilfssheriff!

– *Panik in der Stimme steigert sich* Hier fährt nichts nach Moskau!!!

– Dann nimm die S-Bahn Richtung Friedrichstraße! Da fährt ein Bus. Steht Schienenersatzverkehr dran. UND Ostbahnhof!

– Ah, dieser Zug fährt Richtung Friedrichstraße.

– Na, dann steig da ein!!!!

– Jetzt isser weg…

– ………

– und nu?

– bleib wo Du bist. Der Reisebus kommt gerade um die Ecke gebogen. Ich komm und rette Dich.

– Wo? Woooooo????

– Stell Dich auf den Whashingtonplatz!

– Wo ist der Whashingtonplatz?

– Hase, Du hast noch 20 Minute, eh ich da bin. Ich bin mir SICHER, Du schaffst das in der Zeit, selbst herauszufinden, wo der Platz direkt hinterm Bahnhof ist. Ich muss jetzt auflegen und Sohnemann in Empfang nehmen

– Hiiilf….. *tututu*

Es gibt so Momente, da ist man irgendwie nicht sooo geistesgegenwärtig. Gestern war so einer. Irgendwie hätte ich doch mal diesen kleinen Menschenaffen fotografieren sollen, der eine erstaunliche Rückentwicklung in den 10 Tagen Angelcamp durchgemacht hat. Weg von der Zivilisation, zurück zu den Ursprüngen des menschlichen Daseins.

In Ermangelung eines Fotos hier eine kurze Beschreibung: einseitig braun gebrannt (Rückseite), denn beim Angeln steht man ausschließlich in Richtung See. Haare ausgeblichen. Dreckig von oben bis unten, insbesondere die Füße in den offenen Gummilatschen – au weia! („die letzten 3 Duschmarken habe ich irgendwie verloren!“). Sonnenbrand auf der Nase („die lose Haut habe ich sorgfältig runtergepult!“). Schwarze Streifen im Gesicht („Irgendjemand hat mir im Schlaf das Gesicht mit Edding bemalt!“). Bemaltes T-Shirt mit Unterschriften aller Angler drauf – vermutlich wurde dazu der gleiche Edding benutzt. Ich war froh, dass er in den 10 Tagen nicht auch noch die Muttersprache verloren hat.

Ansonsten hat er soooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo einen großen Barsch gefangen und sooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo eine große Schleie…. Und die Sonnenbrille hat ihm ein kleiner Schimpanse geraubt.

Gut, mit Mom und Sohnemann im Auto dann noch schnell zum nächsten Bahnhof Lieblingskerl einsammeln und erst mal Essen gehen. Denn Sohnemann hatte kein Mittagessen. Eigentlich sollte der Bus bei dem amerikanischen Spezialitätenrestaurant mit den goldenen Bögen halten, so sagte man den Kids noch im Camp. Da wollte sich Sohnemann dann einen Cheeseburger kaufen. Dieser kostet 1,19 EUR – er hatte aber nur 1,04 EUR. Also fragte er sich quer durchs Camp, ob ihm denn jemand 15 Cent geben könnte – aber die Kinds waren alle komplett abgebrannt. Oder Betteln ist schwierig. Nun brauchte Sohnemann Plan B, denn schließlich ging es um einen Burger! So klapperte er sämliche Mülleimer ab und zog die Pfandflaschen raus. Diese hat er dann zurück zum Kiosk geschleppt und sich so 3 EUR verdient – 3 Cheeseburger waren ihm so sicher! Und weil der Bus Verspätung hatte oder weil keiner der kleinen Angler einen Cent in der Tasche hatte, hielt der Bus nicht…

Das Leben kann so ein Arsch sein!

Na, jetzt sind wir alle wieder wohlbehalten zu Hause.

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11 Gedanken zu “Männer wieder eingesammelt

  1. Hach, eine herzerwärmende Geschichte, die mir meinen Tag sehr versüßt. Du schreibst sooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo putzig, ich liebe deine Beiträge. ♥

  2. Ei ei Ei. Meine erste Reaktion war: Kann Dein Herzensmann nicht IRGENDWIE SELBST NACH HAUSE KOMMEN? Aber dass sich Dein Sohnemann mit Pfandflaschen durchgeschlagen hat, ist schon echt ne Story wert. Komisch, dass ihm der Trick nicht für den Kauf von Duschmarken eingefallen ist 😉

    • Ne, der Kerl ist außerhalb seines fahrbaren Untersatzes etwas desorientiert. Habe mich schon gewundert, wie er es bloß selbsttätig von Stuttgart nach Berlin geschafft hat. Aber da brauchte er zum Glück nicht umsteigen 🙂

      Tja. Mit Sohnemann alles eine Frage der Selbstmotivation. Burger schlägt Hygiene um Längen!

  3. Hahaha….großartig. Ich beneide Dich nicht. Obwohl… ach nee doch nicht 😉 Klingt aber trotz allem Stress und Mutter-Dasein für den kleinen und großen Lieblingskerl sehr liebevoll. Und das ist, was zählt. Gelle?

  4. Ja ja so sind sie, die Jungs. Die großen und die kleinen.
    Meiner hat mir auch so einige (haarsträubende) Geschichten während der Umzugsphase geliefert. **immernochmitdemkopfschüttel**

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