Dekadenter Feiertag

Hallo zusammen!

Gestern war Tag der Deutschen Einheit. Über die Bezeichnung kann man vorzüglich steiten, denn an Einheit fehlt es an allen Ecken. Ich sage gerne Ost-West-Zusammenlegung, aber egal, wie man den Feiertag auch nennt – ich hatte dadurch einen freien Tag und das alleine finde ich schon mal Spitze. Ist ja nicht gerade so, dass Berlin und Brandenburg sich vor lauter Feiertagen überschlagen.

Geweckt wurde ich so gegen 8:00 Uhr vom Sohnemann, der die Katerbande mit viel Tumult fütterte. Der nahm aber an, ich wäre schon im Büro und hat sich ziemlich erschrocken, als ich die Treppe runterschlürfte. Eh wir dann so gefrühstückt hatten… und uns aufrappelten, die Frühstückstafel aufzuheben… Der ganze Tag war ziemlich vertrödelt.

Eigentlich wollten wir eine Radtour machen, aber das war so dermaßen windig, dass wir uns überhaupt nicht aufraffen konnten, uns auf die Fahrräder zu schwingen. Also hingen wir lustlos rum, bis Sohnemann ganz ungeduldig wurde. „So geht das doch nicht. Wir müssen doch irgendwas unternehmen! Wir können doch mit dem Auto irgendwo hin fahren.“ Gähn. Ja, können wir. Wohin denn? Ehe uns irgendwann irgendwas einviel, war es auch schon Mittagszeit und ich hab erstmal ein schönes Süppchen gekocht. Mit Eierstich und Backerbsen, all inclusive.

Gegen 16:00 Uhr haben wir uns dann ins Auto gesetzt, mittlerweile war noch ein Klassenkamerad vom Sohnemann zu uns gestoßen und haben uns ins benachbarte Dorf aufgemacht, auf der Suche nach dem alten ehemaligen Militärflughafen. Hab ich mal von gehört, da gäbe es sowas. Ist doch voll so ein Jungsding und so ein wenig neugierig war ich auch. Der Klassenkamerad war auch schon mal dort, also haben wir uns mit einer vagen Vorstellung auf den Weg gemacht.

Das Industriegebiet vom Erlenbruch ist an Verwahrlosung nicht zu überbieten. Etwas Angst hatte ich schon, dort mein treues Mutterschiff zu parken. Anschließend haben wir uns zu Fuß auf eine recht gruselige Tour durch ein total vergessenes Gelände gemacht. Echt erstaunlich, dass man sich zwischen all den riesen Gebäuden, Hangarn und Schuppen frei bewegen kann. Nicht ganz ungefährlich meiner Meinung nach, da der Wind auch richtig pfiff und man acht geben musste, nicht von losen Dachziegeln und herabfallenden Dachlatten erschlagen zu werden. Meiner Meinung müsste man das ganze Areal einzäumen oder besser noch gleich wie Tschernobyl unter einer riesigen Betonhaube hermetisch abriegeln.

Sohnemann fürchtete öfters, dass wir irgendwelche Obdachlosen aufscheuchen oder Leichen finden… und hat sich auch nur einmal getraut, einen Blick in eine verfallende Fabrikhalle zu werfen. Danach nie wieder! Sein Kumpel war etwas mutiger und folgte mir auch bis zum letzten Hanger. Dort pfiff der Wind durch die skelettierte Dachkonsturktion ein mörderisches Solo, so dass sich auch mir die Nackenhaare kräuselten.

Zur Krönung des dekadenten Ausflugen haben wir der Paintballarena bei der Gelegenheit auch noch einen Besuch abgestattet (jetzt war eh egal…) und erwachsenen Leuten ein wenig dabei zu gesehen, wie sie sich zwischen Gerümpel und Autowracks mit Farbkugeln beballern. Mir entzieht sich der Charme eines solchen Unterfanges zwar nachhaltig, aber eine Farbkugel musste ich dann testhalber doch zertreten. Dabei habe ich die Kids leider einmal komplett einem orangenen Sprenkelregen ausgesetzt, zum Glück konnte man die Gesichter, die leicht nach Farbbombenanschlag aussahen, leicht reinigen.

Insgesamt ein recht merkwürdiger Tag und so gar nicht feierlich. Na, immerhin verdanke ich der Grenzöffnung mein Dasein als Wahl-Ossi!

Wie habt Ihr den Nationalfeiertag verbracht? Würdevoller?

Und hier noch Fotos von der Gruseltour:

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15 Gedanken zu “Dekadenter Feiertag

  1. Klingt doch super, euer Ausflug! Würdevoller? Naja….wenn Du in in Wohlfühlklamotten daheim rumhängen, Couchen und Kleiderschrank aufräumen „würdevoll“ nennen möchtest: bittesehr *grins*
    LG Kerstin

  2. Ach, ich finde Euren Tag auch toll! Ich liebe verfallene Fabrikgebäude! Und ist doch schön, mal nicht rumzurennen, sondern gemütlich den halben Tag in der Küche zu sitzen! 🙂
    Paintball wollte ich übrigens auch mal spielen oder wenigstens die schmerzlosere Variante Lasertag 🙂 . lg

    • Für das Outdoorkind ist Abhängen die reinste Hölle. Er freut sich schon auf seinen 18. Geburtstag, damit er dann sofort beim Paintball mitballern darf. Ich mag Kriegsspiele gar nicht, aber Jungs haben irgendeinen Gen-Defekt und knabbern sich noch aus trocken Brot ne Wumme.

  3. ich habe gestern Alkohol getrunken – extrem dekadent. heute schmerzt der Kopf und das Arbeiten fällt schwer. auch dekadent.
    NUN WILL ICH MITLEID verfluchtnochmal!

    • Gesten habe ich auch kurz überlegt, die Sektvorräte abzubauen. Doch alleine rumsaufen kam mir sozial minderbemittelt vor und so hab ich es gelassen.
      Klingt bei Dir nach einem würdigen Feiertag. Hoffentlich muss Du Dir den nicht nochmal durch den Kopf gehen lassen. Also: eiei, wird schon wieder gut!

  4. sozial minderbemittelt, echt cool, da war dann eure abenteuertour doch prächtiger, sind eben jungs, lach und hattest du auch noch einen freien brückentag oder wäre der dir dann echt zuviel gewesen?

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