Blondinen im Baumarkt Zwo

Manches Mal frage ich mich, wer denn hier eigentlich blond ist.

Es ist schon mal schwierig, einen Parkplatz unfallfrei zu ergattern, weil 98% der Führerscheininhaber auf Parkplätzen plötzlich die Straßenverkehrsordnung spontan vergisst. Was’nrechtsvorlinks? Wenn kein Strich auf der Fahrbahn ist, kann ich diese doch in voller Breite nutzen, oder? Und mit einem Lieferwagen voll mit Zeug und ’nem Hänger dran habe ich doch automatisch Vorfahrt, nicht wahr?

Auch dieses Mal wurde ich interessiert beäugt, wie ich Rasenkantensteine und Terrassenplatten auf eines dieser unhandlichen, kaum manövrierfähigen Tieflader-Einkaufswägelchen wuchte. Kunden drängen sich noch dazwischen und gucken, als würde ICH hier jemanden im Weg stehen.

Irgendwie schaffe ich es, das Monstum des Schwerlasteinkaufswagens zur Kasse zu bugsieren. Nehme die erstbeste; alles andere wäre mir zu anstrengend. Vor mir ein ebenso pickepackvollbeladenes Einkaufvehikel Mit Waschbecken und Klo an Bord. Egal, warte ich eben. Ich fahre mit diesem Supertanker keinen Meter mehr als nötig.

Die Dame an der Kasse verdreht die Augen und erklärt, ich möge bitte allen folgenden Kunden mitteilen, sie sollen sich nicht mehr bei ihr anstellen. Klar, ich mache mich doch gerne unbeliebt! Hoffentlich stellt sich keiner an…

Nach 5 Minuten lässt sie sich dazu herab, mir mitzuteilen, es würde länger dauern (ach) und ich soll doch die Kasse nebenan nutzen. Na danke für diese rechtzeitige Information! Selbstverständlich macht es große Freude, das Manövriermonster rückwärts aus der Kassenzone rauszuwenden!

An der nächsten Kasse muss ich das Wägelchen ungelogenene 5 Mal vor- und zurückzerren, weil durch die Kasse Menschen in den Markt strömen. Mit Einkaufswagen. Wozu auch durch den Eingang reinkommen, wo es am Ausgang doch auch geht. Lass die Blondine doch ständig ihren Steineeinkauf wegrollen.

Nun ja- die Brünette an der Kasse hat keine große Lust, die verschiedensten Sorten an Steinen aus einer Liste rauszusuchen und bongt auch die exotischen Steine als quadratisch und grau ab. Soll mir recht sein – kostet nur die Hälfte.

Dann geht es hinter den Kassen um eine scharf Kurve, wo mir Kunden mit leeren Stino-Einkaufswagen (das sind die, die man mit einem Finger lenken kann) entgegenkommen. Wir stehen uns mit den Fronten der Einkaufswagen gegenüber. „Ich glaube, Sie sind deutlich besser manövrierfähig!“ gebe ich zu bedenken. Fehlanzeige. Denken ist nicht Jedermanns Sache. Auch Kunden zu Fuß drängeln sich dazwischen. „Einfach mal Stehen bleiben wäre doch auch eine Option!“ – nö, Mann hat es eilig. Vielleicht geht der Markt gerade jetzt pleite oder sein Einkauf kann nicht erfolgen, wenn er nicht in dieser Sekunde getätigt wid. Who knows?! Ich könnte schreien und wild um mich schlagen, benötige aber alle Kraft, um den Suptertanker zu schieben.

Moah, langsam fallen die letzten freudenspendenden Einkaufmöglichkeiten. Die Weltbevölkerung, insbesondere die in der teutonischen Hauptstadt, vermiest mir langsam aber sicher meine heißgeliebten Baumarktbesuche. Auf danach noch mal schnell beim schwedischen Möbelriesen rein hatte ich anschließend schlichtweg keine Lust mehr. Mir! Keine Lust auf Ikea!!! Untergang des Abendlandes! Womit geklärt wäre, wer denn eigentlich die Onlineshops der ganzen Firmen braucht, in die man doch so schön selbst reinlatschen kann. Ich.

Was noch bleibt ist die Frage an die Einkaufswagenfachkräfte: gibt es einen Namen für die Tiefladermonster, die mit einem Satz starrer Rollen und einem beweglichen Teil ausgestattet sind? Und warum sind die steuerbaren Rollen immer genau an der Seite, die man gerade nicht zum Steuern gebrauchen kann???

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14 Gedanken zu “Blondinen im Baumarkt Zwo

  1. Moin CL! Wie immer sehr schöne Geschichte! Und es sei angemerkt, dass ich inzwischen nicht mehr in einen Baumarkt gehen kann ohne an Dich zu denken und zu schmunzeln. *g* Die Dinger heißen übrigens Baumarktwagen, Plattenwagen oder Getränkemarktwagen: (http://www.heratec.de/aktuelle_angebote/laden/einkaufswagen_plattenwagen/einkaufswagen_spezialmodelle/plattenwagen_-_baumarktwagen_-_getraenkemarktwagen_detail.html) Aber Tiefenladermonster finde ich auch genial. Und wieso die nicht steuerbar sind? Ich glaube, damit die Kunden auch bloß nicht zu viel aufladen, denn dann wären die cleveren Damen an der Kasse total überfordert 😉 Ich wünsch Dir viel Erfolg beim Bauen. (Terrasse?) LG, H.

    • Ach Herminchen, Du Einkaufswagenfachkraft? *g*
      Finde ich ja spitze, dass Du in Baumärkten an mich denkt – dankööö!
      Genau – die Terrasse braucht noch einen hübschen Übergang zum Rasen, außerdem verhindern die Steine, dass Erde an die Hölzer ranbröselt.
      Es geht voran… langsam aber sicher 🙂

  2. Ich komme schon mit einem normalen Wägelchen von reichelt nicht mehr zurecht, wenn ich drei Liter Saft eingeladen habe – also Hut ab! Die Menschen in den Hohen Neuendorfer Läden sind irgendwie noch einen Zacken abweisender als in Berlin. Augenkontakt? Lieber nicht! Lächeln? Haha, wo kämen wir denn da hin?!? Platz machen? Also bitte…wohl kaum. Deshalb gehe ich wirklich lieber in Berlin 🙂 Aber jetzt kannst Du Deinen Frust ja in bauliche Aktivitäten stecken!

    • Vor lauter Frust weiß ich nur nicht, was ich zuerst machen soll!
      Mittlerweile schätze ich sehr die Bewohner des Havellandes. Nicht so borniertund durchaus hilfsbereit. Ich überlege schon, ob ich mir im Falkenseer Baumarkt eine Kundenkarte machen lasse- dann laufe ich nicht so sehr Gefahr, wieder irgendwo in Berlin spontan in einen Markt der Unfreundlichkeiten einzukaufen.

  3. Herrlich ich hab ein Deja-vu 🙂 allerdings muss ich zugeben das mir deine Umsicht und Gelassenheit in solchen Situationen abgeht und das mordlüsterne Urtier in mir durchkommt und ich mich der Frage stelle ob es Darwinismus wäre oder Körperverletzung mit dem vollen wagen einfach durchzubrettern….

    • Ohhh – in meiner Phantasie habe ich auch einige Hacken blutig gerammt und Zehen überfahren, Schienbeine zum besten gebracht… hatte aber so zu kämpfen mit dem Gefährt und meinem Geschimpfe, dass zielgerichtete Kollisionen ausgeschlossen waren.
      Übrigens würde ich auch sehr gerne mal mit einem Panzer offene Fahrertüren abremmeln und Kleinwagen überrollen… Naja, ist ja auch was schönes, wenn man noch Wunschträume hat 🙂

      • Diese Wunschträume teile ich mit dir! Am schlimmsten sind die Smart-Fahrer, die es tatsächlich schaffen ZWEI Parkplätze mit ihrem ‚Auto‘ zu blockieren! *argh*
        Ich bin sicher, ich hätte spätestens nach der Hälfte der Zeit einen Tobsuchtsanfall bekommen und jemandem Schmerzen zugefügt. Also: Ich bin stolz auf dich. Sehr!
        Viele Grüße, Julie_1984

  4. Hi CL, was für ein Tag. Ich glaube, ich wäre ausgeflippt….irgendwer hätte da bluten müssen. Die Verkäuferin war ja echt der Knaller. (blöde Kuh).. Du bist ja erstaunlich ruhig geblieben, bewundernswert. Deine Terasse stelle ich mir echt toll vor. Gibt´s ein Foto, wenn sie fertig ist?? Ikea mag ich persönlich nicht. Da muss man durch den ganzen Laden rennen, um sich diese eine XYZ .. Tapete/Kissen o.ä. kaufen zu können. Also da bin ich dann auch auf der Internet-Einkaufs-Tour. LG Claudi

    • Na klaaar gibt’s ein Foto! Noch siehts aber extremst unfertig aus. Nächste Woche Urlaub mit Arbeitseinsatz, dann kann ich sicherlich was vorweisen 🙂
      Normaler Weise kannst Du mich blind durch Ikea schicken – die Abkürzungen finde ich im Schlaf und ich weiß, wo was steht. Dann rann an die SB-Kasse und flugs wieder raus. An und für sich eine meiner liebsten Übungen – nur nicht gestern 😦

  5. Schön beschrieben.
    Ich sehe dich vor meinem geistigen Auge durch meinen Lieblingsbaumarkt stapfen.
    Manchmal gehe ich da nur hin um zu fotografieren. Im Gegensatz zu dir, die eine echte Heimwerker-Queen ist. Beneidenswert. Hast du das geerbt? Ist deine Mama auch so? Oder wie kommt das?

    • Mama macht auch so Zeugs, aber hauptsächlich liegt es wohl an dem Tischlermeister (ehemals Vater) und von Baby an in der Werkstatt und auf Baustellen mitgeschleppt werden 🙂 Es lässt sich eben doch ALLES mit der Kindheit erklären!

  6. So ähnlich fühle ich mich bei der Benutzung öffentlicher Verkehsmittel! Und richtig rund wird das Bild, wenn ich an die vielen Fahrrad-urlaube zurück denke: mit vollen packtaschen links und rechts. Der Horror! Ich fühle mit dir!

    • Oh, mit dem Rad wollte ich doch auch mal verreisen… Nun, vielleicht geht das auch irgendwie stressfreier.
      Ob Du es glaubst oder nicht: eben erst habe ich geschnallt, was das JES in Deiner Mailadresse bedeutet! Ich Blitzmerker! HAHA!!! Liebe Grüße!

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