Selten wie Sand am Meer?

Über manche Dinge macht man sich einfach keine Gedanken. Wie Luft zum Atmen – ist doch immer da. Die Sonne brodelt sicherlich auch noch ein Weilchen und Sand gibt es eben wie Sand am Meer. Oder?

Gestern habe ich mich durch die Fernsehkanäle gezappt auf der Suche nach irgendwas Erträglichem – und bin auf einem Sender, den man meistens überspringt, an einem Film kleben geblieben, der sich dem Thema Sand annahm (http://videos.arte.tv/de/videos/sand-die-neue-umweltzeitbombe–7515454.html).

Wusstet ihr, dass Sand langsam knapp wird und es eine Sandmafia gibt? Dass diese Palmeninseln, die Dubai immer fröhlich im Meer aufschütten, aus importierten Sand bestehen? Eigentlich könnte man meinen, ein Wüstenstaat hätte genügend Sand- die besteht mitnichten aus Wüstensand! Der ist durch den Wind viel zu rund geschliffen und daher für nichts geeignet, außer zum Rumwandern und Dünen bauen. Noch nicht mal für Beton ist dieser Sand geeignet. Der Sand kommt mittlerweile aus Australien.

Singapur wird auch von Jahr zu Jahr größer. Es wächst ins Meer hinein. Der Sand dafür kam früher immer aus Indonesien, Kambotscha und Indien. Mittlerweile haben diese Länder ein Exportverbot von Sand Richtung Singapur. Trotzdem schippern dort täglich Transportschiffe mit Sand ein. Illegal abgebaut.

Was passiert, wenn Sand abgebaut wird? Große Saugbagger transportieren vom Meeresgrund Sand ab. Dabei werden natürlich Korallen und Meerestiere mit angesaugt – und sterben. Auch die Organismen an den Stellen, wo der Sand aufgeschüttet wird, gehen natürlich ein. Weil weniger Meeresgetier danach rumfleucht, haben die Fische weniger Nahrung und die Bestände gehen zurück. Die armen Fischer werden bettelarm. Die Löcher im Meeresboden füllen sich mit der Zeit natürlich wieder mit Sand auf. Wo kommt der Sand her? Natürlich von den Stränden – da rutscht der Sand wieder zurück ins Meer. Gerne auch irgendwo anders auf der Welt. In Indonesien sind mittlerweile 25 komplette Inseln verschwunden. Und in Californien gehen die Stände zurück. Strandhäuser der zweiten Reihe stehen mittlerweile vorne in der Brandung. Natürlich spielt auch die Bebauung am Wasser und einbetonierte Ufer eine Rolle.

Wer in der Schule aufgepasst hat wird jetzt einwerfen, dass Sand aus kleinsten Steinen besteht und die ja aus dem Gebirge kommen. Durch die Flüsse ins Meer gespült werden. Doch wie funktioniert das, wenn es in jedem Fluss irgendwo einen Staudamm gibt? Eben. Gar nicht mehr. In den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es über 75000 (kein Tippfehler!) Talsperren. Viele davon werden gar nicht mehr zur Energiegewinnung genutzt. Andere Länder wie beispielsweise China mit wachsender Industrie, benötigen viel Strom und bauen immer neue Staudämme. Aus den Flüssen gelangt so gut wie kein Sand mehr in die Ozeane.

Sand braucht man auch zum Bauen. Als Beispiel wurde Marokko aufgeführt – immer mehr Touristen kommen, um ihren Urlaub am Traumstrand zu verbringen. Für die Touristen braucht man riesige Bettenburgen aus Beton. Der Sand dafür kommt von den Stränden. Diese verschwinden. Die Touristen dann vermutlich auch, aber immerhin gibt es dann viele Hotels. Der Sand ist natürlich mit Meerwasser vermischt und der Salzgehalt führt zu einer höheren Korrision der Baukörper. Viele öde Küstenstreifen mit vielen maroden Bauruinen.

Sand ist mittlerweile ein rares Gut.

Sonst bin ich ja eher unpolitisch, aber bei Umweltskandalen wächst mir ne Feder. Solche Fernsehabende machen mich immer sehr nachdenklich. Aber es geht uns alle an.

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8 Gedanken zu “Selten wie Sand am Meer?

  1. Hui, Du hast aber aufgepasst 🙂 Meine Zusammenfassung ist dagegen eher ärmlich, man soll nicht lernen und gucken gleichzeitig. Auf jeden Fall: Skandal, oder? Ich war total entsetzt. Ein schöner Arbeitsplatz wäre doch Strandbewacher – ein Häuschen am Strand, den Sand immer im Blick. Und wenn ein Pirat mit einem Buddelförmchen kommt – Faser auf Betäubung! Paff! Welt gerettet!

  2. Eigentlich habe ich währenddessen gestrickt. Schon bald lagen die Nadeln im Schoß und ich saß mit offenem Mund vor der Glotze.
    Und falls Du noch ein paar Faser übrig haben solltest: ich nehme zwei!

  3. Danke für den interessanten Beitrag und diese Informationen. Ich habe über Sand noch nie nachgedacht. Das stimmt mich allerdings sehr nachdenklich.
    LG Maliha

  4. Echt? Das habe ich nicht gewusst. Solche Sendungen gehören mal in die besser fequentierten Sender. Aber neee, da kommt ja schon „Bauer sucht Frau“. Das ist ja scheinbar wichtiger. **grmpf**

    Danke für den Gedankenanstoß.Muss ich mal schauen, ob es den Film in der Arte Mediathek gibt.

  5. Yeap! Ich bleib ja auch gern auf genau diesen Sendern hängen. Die Sand-Sendung haben wir auch teilweise gesehen. Den Teil mit Marokko hab ich irgendwie verpasst … aber ich werde berichten, was ich dort im Oktober vorfinde. Allerdings bin ich ja nicht im Hotel sondern in Beduinengiten und im Zelt in der Wüste … an Sand wird es dort wohl nicht mangeln. Von mir aus kann der dort bleiben, wo er hingehört. Was muss man immer noch ein Hotel und noch eins hinknallen … ? lg durch die Republik :*

    • Ich muss ja gestehen, dass ich mir aus Urlauben immer ein Glas voll Sand mitbringe. Vielleicht trage ich maßgeblich zur Sandknappheit bei. Andererseits brauche ich kein Sparbuch mehr und kann meine Sammlung mal bei Engpässen bei Ihhhh-bay verstegern 😉 Bin gespannt auf Deinen Reisebericht! Lieben Gruß retour

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