2:07

Gestern habe ich genau 2 Stunden und 7 Minuten für meinen Heimweg gebraucht. 27 Kilometer. Und ich war mit dem Auto unterwegs – zu Fuß hätte es vermutlich noch etwas länger gedauert. Wohlgemerkt nur etwas…

Okay, es kann ja jedem mal passieren, dass man sich am hellichten Tag mit dem Auto auf der Stadtautobahn überschlägt und 2 von 3 Spuren gesperrt werden müssen, tragische Sache, die Bergung sich stundenlang hinzieht und der Stau sich 16 Kilometer quer durch Berlin anhäuft…

…doch mittendrin war mir das total egal! Für den ersten Kilometer habe ich 30 Minuten gebraucht – da war schon klar, dass ich Sohnemann nicht pünktlich von der Schule abholen kann. Also kurz in der Schule angerufen und gebeten, ihn schon mal alleine nach Hause gehen zu lassen (den Rückstand hole ich auf!!!).

Als ich dann eine Stunde später erst die Strecke, für die ich sonst 6 Minuten brauche, bewältigt hatte, war mir klar, das wird nix mit aufholen – das wird noch nicht mal was mit meiner Pflicht als Mama, den Nachwuchs zum Gitarrenunterricht zu kutschen. Davon mal abgesehen, ist der Sproß mittlerweile allein vor verschlossener Haustür. Schade auch, dass meine Mom, die noch rettend einspringen könnte, sowohl Festnetz als auch Handy ignoriert.

In der Zwischenzeit mache ich mir Gedanken, wie ich auf mittlerer Spur Höhe Ku’Damm und mit Reizhusten das Drücken der Blase ignorieren kann und entwickle McGuyver-mäßige Ideen, um aus mich umgebenden Materialien (Taschentücher! Plastiktüten!) schnell mal eine Improvisationswindel zusammenzufrickeln.

Zum Glück ist die Mutter eines Kollegen gerade bei meiner Mom. Also rufe ich den Kollegen an, der widerum seine Mutter anruft, die dann meine Mutter bittet, mich DRINGEND auf dem Handy anzurufen. Geht doch!

Nach einer Stunde und 45 Minuten fahre ich von der Stadtautobahn ab und stürme das Kunden-WC eines günstig gelegenen Baumarktes.

Schön, dass auch Spandau komplett dicht ist. Alle Welt versucht, die Stadtautobahn weiträumig zu umfahren. Selbst der Weg aus der Stadt raus ist proppevoll.

Bislang habe ich es selbst zu schlimmsten Zeiten immer in 1:30 nach Hause geschafft. Selbst wenn 2 von 3 Zufahrtsstraßen nach Spandau dicht waren. Sogar als im Forst ein Baum umgekippt war und es kein Vor- noch Zurück gab. Meine komplette Zeitvorstellung wird umgeworfen! Muss ich jetzt sicherheitshalber immer einen 2-Stunden-Puffer einplanen? Wie kann ich bis 18:00 im Büro sein, wenn meine Fahrt 2 Stunden dauert und der Hort um 17:00 schließt? Ist Vollzeitarbeit jetzt nur noch mit einer Zeitmaschine möglich?

Immerhin schön, dass zumindest morgens die Strecke ziemlich sicher in 35 Minuten zu schaffen ist. Ich muss also nur die Rückfahrt vermeiden. Entweder zieht mein Büro zu mir oder ich schlafe in der Woche künftig unterm Schreibtisch.

Nach 2 Stunden und 7 Minuten Ankunft. Meine Mom ist nicht da, Sohnemann nirgends zu sehen. Doch auf dem Tisch steht Zitronencremetorte und wir sind allein….

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11 Gedanken zu “2:07

  1. …also, ist doch gar nicht so schlecht…ich habe nur 22 Kilometer in 2:07 geschafft *kicher* – Und? Torte alle ? Sohn + Mom im Weltall verlorengegangen, sozusagen im Malhstrom der Zeit ?

    • Zwei Stücke Torte mussten daran glauben… Mom brachte gerade ihre Mädels zum Bus und Sohnemann war nebenan spielen. Es hätte also niemand bemerkt, wenn ichnoch später angekommen wäre… oder die ganze Torte verschlungen hätte!

  2. Ich stand gestern genau da, wo Du auch gestanden hast…und habe auch gut 2 Stunden gebraucht. Gut, dass ich nicht pullern musste *hehe*. Vorsorglich hatte ich ja um 15:15 Schluss gemacht, um noch gemütlich joggen gehen zu können. Haha, ein Satz mit X, war dann kurz vor Sonnenuntergang unterwegs. Wie geht’s der Torte? Liebe Grüße von der Leidensgenossin

  3. Bei so einer Heimfahrt-Zeit kann ich ja auch Zug-Pendler mit Arbeit in Berlin werden, wie schön !!!
    Wäre dein Sohn nicht aufzutreiben gewesen, wäre er bei mir: adoptiert!!! So ein toller Junge, aber auch 😉
    GLG Maliha
    PS.Bist du schon geschminkt?

    • Ja, in der Zeit würde ich es mit der Bahn auch bis Hannover oder Hamburg schaffen. Zum Glück ist es nicht immer so voll… Allerdings ist Glück nicht mein ständiger Begleiter.
      Hihi, danke für das Adoptionsversprechen. Das beruhigt 🙂

    • Es hat mir keine Ruhe gelassen… also habe ich mal gegooglet (die Fleißigen hätten die Strecke einfach mal ausprobiert). Ergebnis: 23 km und 1:20 Std. Weiterer Nebeneffekt: Verschwitzt auf Arbeit ankommen und jeden Tag das Leben riskieren (22.3 KM führen schließlich durch Berlin – und für mich ist da jeder Radfahrer ein potentieller Organspender). So richtig überzeugend ist die Aöternative für mich nicht 😦

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