Es musste ja mal so weit kommen…

schon oft habe ich mir überlegt, wie es so wäre mal irgendwo eingeschlossen zu werden. Zum Beispiel im Kaufhaus. Hach, herrliche Vorstellung!

Im Büro eingesperrt zu werden ist dagegen nicht so lustig. Vor vielen Jahren ist mir schon öfters mal der Wachschutz über den Weg gelaufen, der uns eingeschworene Gemeinschaft, die des Öfteren am langen Freitag noch uuuunbedingt mit Prosecco auf das Wochenende anstoßen musste. Das kleine Grüppchen, dass im Hinterzimmer fröhlich becherte, während die beklagenswerte Beratermannschaft vorne die Kunden in Grund und Boden beriet. Da musste man sich als betriebszugehörig ausweisen, den fortgeschrittenen Pegel mehr oder weniger gekonnt durch Redegewandtheit wett machen (klappte immer ssssssuuuupa!) und vertrauenswürdig lächeln. Irgendwann kannten die Herren im biederen dunkelblauen Outfit einen halt und rollten nicht mehr mit den Augen.

Einmal ist es mir gelungen, als Letzte die Firma zu verlassen, ohne den Betriebsausweis mit mir zu führen. Unbemerkt natürlich. Das fiel mir leider erst auf, als ich im Parkhaus bereits die letzte Kurve in der Ausfahrtschnecke passiert zu haben und dann vor dem Schlagbaum zu stehen. Rückwärts wieder hochschrauben hat eine gewisse Qualität. Anschließend hatte ich die hervorragende Idee, nebenan im Hauptgebäude beim hausinternen Sicherheitsdienst mein Begehr vorzutragen. Kaum raus aus dem Parkhaus, war mir sofort klar, dass die lautstark zufallende Tür kein gutes Omen versprühte… Einmal raus aus dem Haus kam man nämlich nur noch mit besagter Zugangskarte rein. Nun MUSSTE mir der Sheriff vom nebenan einfach helfen!!!

Nur wollte der als Nachweis meiner beruflichen Tätigkeit für den Verein meine Zugangskarte sehen…. HAHA! Ja, da war wieder mein Problem.

Dankenswerter Weise gab es einen Retter in der Not, den ich per Handy herbeipfeifen konnte um mir mit seitener Karte Zutritt zu Gebäude, Parkhaus und fahrbaren Untersatz sowie den nötigen Auslass zu ermöglichen.

Heute hingegen hatte ich einen Lauf. Die arbeit türmte sich, die unglückselige Zahl in meinem Postkorb näherte sich dem dreistelligen Bereich und so nutze ich es aus, dass ich Lust darauf hatte, das zu tun, was ich muss und so fluppte es, ich arbeitete konzentriert und höchst effektiv die Hälfte am Stück einfach ab und fühlte mich wie die Superwoman des Bausparens. Dann hatte ich noch einen kleineren Anfall von Aufräumen, Geschirr noch in die Teeküche schleppen und noch rasch Biorecycling in der Keramikabteilung erledigen…

Die Jungs vom Wachschutz sind ja nie so wirklich pünktlich und wenn um 20:00 Uhr der Rundgang erfolgen soll, kann man froh sein, die Brüder um viertel nach anzutreffen. Normalerweise.

Also verlasse ich die heiligen Hallen gutgelaunt,überlege noch kurz, ob ich es wohl mitbekomme, falls der Ausgang irgendwie alarmgesichert ist (blinkt dieser Notknopf eigentlich immer rot???), höre die Tür hinter mir ins Schloss fallen, schwinge mich in mein Mutterschiff und fahre auf die Hofausfahrt… und entdecke schon im Umdieeckeguckspiegel die gestreifte Optik des Eisentores… Näää, ne?

Boah, also gut, wieder rückwärts auf Parkplatz Nr. 29 zurückgeschwenkt. Uiiii, wie ist es eigentlich in diesem Gebäude? Geht die Tür wieder auf MIT Zugangskarte oder bin ich jetzt auf einem Schöneberger Innenhof gefangen für die Nacht? Kann man eigentlich gemütlich im Kofferraum übernachten? Oder kann ich zumindest unter meinem Schreibtisch nächtigen?

Immerhin geht die Tür auf… Und wie schaut es mit der vorderen Ausgang Richtung Straße aus? Puh, auch diese öffnet sich. Gerettet!

Also für den Moment…

Da ich ja gemütlich mit dem Auto unterwegs bin, reicht es ja völlig aus, nur die nette dünne Weste überzuwerfen, nicht? Spontan entscheide ich mich gegen die S-Bahn beim Gedanken an eine etwaige Wartezeit um die 20 Minuten am Bahnhof Westkreuz. Das zugigste Stück Bahnsteig im Universum. Was jetzt nicht daran liegt, dass es da von pünktlichen Zügen wimmelt, nein, zugig bezieht sich auf gewisse Luftverwirberlungen. Brrr… also nehme ich lieber die ‚U-Bahn, dieses Licht. und freudlose Fortbewegungsmittel unter der Erde, wo nie die Sonne scheint.

Immerhin ermöglicht mir der Bargeldbestand eine Fahrt im Bereich AB der öffentlichen Verkehrsmittel. Reicht auch völlig, da mein Bus um die Uhrzeit erfahrungsgemäß gar nicht merh fährt. Passt ja mal super zusammen, führt mich nur nicht nach Hause.

Zum Glück gibt es Handys, telefonisch erreichbare Mütter mit Führerschein und Auto (es hätte also schlimmer kommen können!) und so ist flugs meine Bergung ab Spandau organisiert. So sehe ich doch noch den Sohnemann. Mich hätte er auch sehen können, aber er nutzte die öde Fahrtzeit, um  mit dem Nintendo zu spielen und konnte natürlich seinen Blick nicht vom Display wenden, um nicht die Rettung irgendwelcher Galaxien zu gefähren. Was interessiert ihn mein Universum!

Jetzt muss ich nur noch zusehen, wie ich morgen wieder ins Büro komme.

Und so werde ich die Gelegenheiten, die sich mir so bieten, entsprechend für meine Zwecke nutzen: ich darf ausschlafen, nehme den mütterlichen Shuttleservice bin in die große Stadt hinein in Anspruch und werde die Gunst der Stunde nutzen, um die Fahrzeit mit Stricken zu kombinieren und vielleicht, möglicher Weise, also wenn alles gut läuft und ich über Nacht nicht wieder alles vergesse, morgens noch ein wenig Sport einzubauen. Eventuell natürlich.

Huch, heute kann ich mich gar nicht übers Autofahren aufregen. Ich kann noch nicht mal behaupten, nach 20:00 Uhr wäre es angenehm leer auf der Stadtautobahn, denn die habe ich ja unter den Straßen Berlins gar nicht sichten können. Naja, vielleicht ergibt sich noch eine weitere Gelegenheit zum schimpfen und fluchen. Mir fällt da schon was ein…

 

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Ein Gedanke zu “Es musste ja mal so weit kommen…

  1. Das war ja ein eher unerfreulicher Tagesausklang…ich sag’s ja immer, man soll nicht so viel arbeiten 😉 Deine Mutter ist ja ein echter Goldschatz, ich hätte niemals gewusst, wo ich die Kinder unterbringen sollte, um so lange zu arbeiten. Die hängen schon immer total ausgehungert hinter der Tür, wenn ich um Fünf aufschließe 🙂
    Lieber Gruß vom Landei Zwei

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