1500 KM Herbstferien – Heidepark + Lüneburg

Nachdem ein kurzer Zwischenstopp daheim eingelegt wurde (Koffer neu bestücken, meine Mom abgeben), ging es am nächsten Morgen relativ planmäßig erneut auf die Autobahn.

Irgendwie fährt immer noch die Angst mit, wenn mich der Weg über die A24 führt. Bitte, liebes Auto, verrecke mir nicht auf halber Strecke!

Mein sprechendes Handy empfiehlt als kürzeste Strecke eine malerische Landstraße. Schon interessant, wie dünn besiedelt manche Ecken der Republik sind! Völlig stau- und nahezu stressfrei (möge das Mutterschiff nicht wieder verrecken…) erreichen wir den Heidepark Soltau und sprechen zunächst bei der Rezeption des Piratenhotels Port Royal vor. Obwohl ein bezugsfreies Zimmer ab 16:00 Uhr avisiert ist, können wir sogleich unsere Piratenhöhle kapern.

Whow – wirklich stilecht! Sehr rustikal-martim gehalten, mit Doppelbett und kojenartigem Doppelstockbett. Trotz des sofortigen Posts auf Facebook findet sich keiner, der sich eines der zwei freien Betten schnappt. Wobei es an Interesse ja nicht gemangelt hat 🙂

Im Park stellen wir fest: ganz schön kalt, ganz schön leer. Sind nicht eigentlich Herbstferien und der Park sollte nur so überquellen von schulpflichtigen Kids? Na egal, wir müssen nirgends anstehen, nur bei den Hightlights wie der Bobbahn bilden sich kleinere Schlängelchen. Um so besser für uns!

Junior tastet sich vorsichtig an die Materie ran und sichtet im ersten Durchgang erstmal. Einige Fahrgeschäfte fallen gleich durch – mir ist es aber ganz recht, dass ich weder genötigt werde, diese mörderische Holzachterbahn Colossus noch die infernalische Krake zu reiten!

Also wählen wir den zahmen Grottenblitz, nehmen sämtliche Wasserbahnen und holen uns den Rest in nem Kinderkarussel. Himmel! Die Fliehkräfte sind nicht zu unterschätzen und wir beschließen, dass Dominik künftig innen sitzt, um nicht von seiner Mama an der Außenwand zerquetscht zu werden. Ist aber auch schwierig, sich lauthals lachend so an der Gondel festzukrallen, dass ma nicht nach Außen gedrückt wird. Zum Glück sind Kinder nicht so leicht zu beschädigen.

Zur Wiederherstellung des Allgemeinzustandes vom Nachwuchs gibt es Zuckerwatte und Gummizeugs in Kabelform. Hilft prompt.

Um nicht im Hotel die völlig überteuerten Preise für das Abendbrot zu riskieren, kaufen wir uns noch im Park ein völlig überteuertes Abendbrot. Leicht ausgehungert schätzen wir die Kapazität unserer Mägen gänzlich falsch ein und so bin ich gezwungen, einen vermutlich sehr leckeren Obstsalat in die Handtasche auszulagern und dort postwendend zu vergessen. Fäält mir jedenfalls am nächsten Tag auf.

Während der Junior nahe dem Restaurant den Piraten-Wasserspielplatz entdeckt und von den Wasserkanonen regen Gebrauch macht, nutze ich die Zeit, die wärmende Herbstsonne zu genießen und mich nebenbei mit Bloglesen zu unterhalten. Vermutlich wurden in der Zeit zwei Dutzend harmloser Aushilfspiraten auf putzigen kleinen Booten (=ohne jegliche Fluchtmöglichkeit) von Juniors Hand tüchtig gewässert. Es ist nicht überliefert, ob sie dadurch schneller gewachsen sind, mein kleiner Pirat ist jedenfalls überglücklich, triefnass und ich sehr froh, dass ich ihm nicht in diesem Zustand ins Auto verfrachten muss, sondern unter die Piratendusche im Hotel zum Aufwärmen stellen kann. Nutze ich bei der Gelegenheit auch noch als Saunaersatz und begebe mich anschließend nicht über Los, sondern auf direktem Wege ins Bett. Pflastertreten ist ziemlich ermüdend!

Am nächsten Morgen nehmen wir uns das Piratenbuffet vor. Sehr organisiert das Ganze: man muss sich zunächst an einem Tresen anmelden und wird dann platziert. Ich bekomme noch die Masterfrage gestellt: „Wissen Sie, wie das mit dem Buffet funktioniert?“ – „Na, ich schätze mal, man tritt heran und bedient sich?!?“ – „Richtig!“ Aha. Notiz an mich selbst: Unbedingt beim Jauch bewerben. Das ging ohne Telefonjoker!

Das Frühstück speist ungefähr 3000 Piraten gleichzeitig. Grandiose Möglichkeiten für das Studium des menschliches Verhaltens! Festzustellen ist: egal, ob ein Koch fortwährend Spiegeleier brät und die Hühner fleißig gelegt haben – um die Eier tobt ein Krieg. Hauen und Stechen. Und: wenn Piraten auf Kurs sind, können sie von diesem nicht abweichen. Es wird gnadenlos gerempelt. Anders als beim all-inclusive-Buffet in der Türkei ist die in Niedersachsen angesiedelte Klientel in der Lage, größtenteils nur die Teller mit dem zu füllen, was auch gegessen wird. Die russischen Pauschaltouristen trugen stets so viele Teller, wie man tragen konnte (und das ist – geschickt gestapelt – echt ne Menge!), um dann nur mal hier zu kosten und dort zu probieren. Es wurde mehr abgeräumt als verspeist. Das aber nur mal am Rande… Mein persönliches Favorite: Blätterteigteilchen mit Schokosplits. Yummy!

Dann schaffte es mein Kind noch, mich in Reihe zu überraschen:

  • Leeren Teller schon in der Hand: „Wird hier eigentlich abgeräumt?“ Ja, wird es. Der Teller plumpste sofort zurück auf den Tisch, sonst hätte er den vermutlich bis in die Großküche getragen.
  • „Mama, ich geh schon mal hoch das Zimmer aufräumen“ – Aufräumen??? Ich hab mich wohl verhört… Mama nickt nur wortlos, weil es ihr die Sprache verschlägt.
  • Als ich am Zimmer ankomme, wird mir mit Zahnbürste im Mund geöffnet. Und die war da nicht nur kurz zwischengelagert, nein, es wurde geputzt. In echt.
  • Anschließend erweist er sich als würdiger Spross unserer organisatorisch orientierten Familie: von den 4 Zahnputzbechern aus Plaste und Elaste werden 2 sichergestellt – „kann man nochmal gebrauchen!“ und dann nimmt er noch die komplette Box mit Hotelzeugs wie Wattebäsche, Q-Tips, Sandfeile und Nähset mit. Ich applaudiere innerlich.

Wir beschließen, noch dem zauberhaften Lüneburg eine Kurzvisite abzustatten, biegen jedoch inspiriert von den Hinweisschildern auf ein Designer-Outlet spontan ins Shoppingparadies ab. Eldorado!

Jogginghose und Sportpulli für den Nachwuchs, ein Pulli für mich, des weiteren 1 paar Stiefel, ein paar Badelatschen, ein Kostüm, Mützeschalhandschuhe… eine neue Motivationsbluse mit kleinen Fledermäusen… *japs* und ein paar Pantoletten für die Daheimgebliebene sowie ein paar Segeltuchturnschuhe für den Nachwuchs. Und eine Handvoll Jibbits für Crocs (=Plastikgetüddel für Gummischuhe). Die Kreditkarte glüht, doch die Frisur hält 😉

In Lüneburg angekommen versuche ich einen Parkplatz in der Innenstadt zu ergattern. Meine Mitmenschen benutzen Einbahnstraßen in falscher Richtung, um mir das Unterfangen zu erschweren. Entnervt suche ich mir das kleinste Parkhaus der Welt aus. Auch das ist so voll, dass ich mich bis auf die 8. (achte!!!!) Parkebene hochschrauben muss. Möchte gerne mal wissen, was nach heutigen Gesichtspunkten Sicherheitsexperten zu dem Ding sagen würden. Wenig talentierte Fahrer haben dort die einmalige Gelegenheit, da die nebenander liegenden Auf- und Abfahrtrampen nur durch einen kleinen Bordstein getrennt sind, bei ungeschicktem Lenken ihr Gefährt zwischen den Rampen in der Luft hängen zu lassen. Täuscht es, oder ist es tierisch warm in diesem Parkhaus? Völlig durchgeschwitzt steige ich aus und frage mich, wie ich jemals das Auto wieder auf normal Null runterbringe.

Wir statten meinem Lieblingsspieleladen einen Besuch ab und gönnen uns eine Stärkung in einer Bäckerei. Unbelehrbare Anhänger der wärmenden Herbstsonne sitzen vor dem Laden und ignorieren einen leichten Nieselregen vehement. Also sitzen wir nicht all zu lange zwischen Bäcker und Bushaltestelle und ich betreibe erneut Sozialstudien. Wusstet ihr, dass pubertierende Schulkinder mehr Ähnlichkeit mit Affen haben als Oran Utas?

Leicht durchnässt setzen wir unsere Reise gen Hamburg fort. Das Auto wird unbeschadtet wieder auf die Straße gelenkt, doch auch dieses Mal habe ich Puls und muss mehrere Male zurücksetzen, weil irgendein potenzgestörter SUV-Fahrer den Wendekreis mit seinem Testosteron-Boliden minimiert.

Demnächst mehr!

Herzliche Grüße

Eure MCL

 

P.S. vorhin habe ich hier noch mindestens einen Schreibfehler erspäht, den ich jetzt nicht wieder finden kann. Wer ihn sieht, darf ihn behalten!

P.P.S. in einem Anfall von Wahnsinn gepaart mit Größenwahn erwerbe ich käuflich zwei Sets mit zugeschnittenem Patchwork-Stoffen von Tilda. Plus zwei Stoffbändern. Zauberhaft in Optik und Haptik, schmerlich an der Kasse. Wie gut, dass die güldene Kreditkarte einziemlich hohes Limit hat. Ist vielleicht ein zusätzlicher Faktor für die Schweißperlen auf der Stirne…

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6 Gedanken zu “1500 KM Herbstferien – Heidepark + Lüneburg

  1. You made my day. Also – ich könnt mich regelmässig wegömmeln. Ich les Dich echt gern!!! Allein wegen dieser tollen Wortkreationen. Der Testosteron – Bolide wird postwendend ins Repertoire aufgenommen. Ach – und das „g“ vom Orang – Utan behalt ich!: *g* LG

    • Vorher war da noch ein „g“ – aber an völlig falscher Stelle. Na, das hab ich immerhin bemerkt. Über ein „g“ am Ende hatte ich kurz nachgedacht, sah dann aber Apfelsinen vor meinem geistigen Auge und traf offenbar eine Fehlentscheidung. Doch nicht Jauch anrufen…

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